• David Platt bejubelt seinen Siegtreffer in der 119. Minute gegen Belgien
  • Das Tor bei der WM-Endrunde 1990 sorgte für einen Karriereschub des Mittelfeldspielers
  • England und Belgien treffen 2018 in Russland erneut aufeinander
Bei der Enrundenauslosung für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ in der vergangenen Woche ergaben sich einige Neuauflagen früherer WM-Duelle. England gegen Belgien ist sicher eines der interessantesten davon.

Die beiden Teams trafen bislang zwei Mal bei WM-Endrunden aufeinander. Beide Male entwickelten sich sehenswerte Partien. 1954 gab es ein ebenso turbulentes wie torreiches 4:4-Unentschieden. Im Achtelfinale der FIFA Fussball-WM Italien 1990™ fielen zwar längst nicht so viele Tore, doch dafür war die Partie an Dramatik kaum zu überbieten.

Für David Platt bedeutete das Spiel einen Wendepunkt seiner Karriere und sogar seines gesamten Lebens. Der damalige Mittelfeldspieler von Aston Villa war der jüngste Akteur in Englands WM-Kader. Er hatte zu Beginn der vorherigen drei Spiele jeweils auf der Bank gesessen und war zwei Mal eingewechselt worden.

Auch gegen Belgien stand er nicht in der Startaufstellung, sondern musste bis zur 71. Minute von der Bank aus zusehen, wie sich die Three Lions gegen die starken Belgier mit Enzo Scifo vergeblich abmühten. Auch Platt konnte der Partie zunächst nicht seinen Stempel aufdrücken. Eine Minute vor Schluss der Verlängerung stand es immer noch 0:0 und alles deutete auf ein Elfmeterschießen hin. Dann bekam England knapp 40 Meter vor dem Tor einen Freistoß.

Paul Gascoigne wollte eigentlich direkt aufs Tor schießen, doch Trainer Bobby Robson forderte von der Seitenlinie lautstark eine Hereingabe. Dieser Rat sollte sich als richtig erweisen: Gascoigne hob den Ball gefühlvoll über die belgische Abwehr, wo der eingewechselte Platt zur Stelle war.

"Ich musste mich auf der Stelle drehen, der Ball fiel knapp an meiner Schulter vorbei und ich habe einfach versucht, irgend etwas daraus zu machen", so Platt. "Viel Kraft habe ich nicht in den Schuss gelegt. Die Technik war viel wichtiger."

Platt gelang aus der Drehung heraus ein perfekter Volleyschuss, mit dem er dem belgischen Torhüter Michel Preud'homme keine Abwehrchance ließ. Der Treffer trug ihm viel Lob und einen Startplatz in den verbleibenden drei Spielen der Three Lions ein. Platt traf beim 3:2-Sieg gegen Kamerun erneut und trug sich auch im Spiel um Platz drei gegen Gastgeber Italien in die Torschützenliste ein. Auch nach der WM blieb Platt in Italien, wo er für AS Bari, Juventus Turin und Sampdoria Genua spielte.

"Vielleicht wäre ich später ohnehin in Italien gelandet, aber das Tor gegen Belgien war ganz sicher ein Katalysator", so Platt. "Viele italienische Klubs suchten damals nach international erfahrenen Spielern. Vor dem Tor kannte man mich eigentlich nur als Vereinsspieler von Aston Villa."

Platts Karriere verlief sehr erfolgreich. Er gewann mit seinen italienischen Teams nationale und europäische Wettbewerbe und kehrte dann nach England zurück, wo er mit Arsenal das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann. Der unvergesslichste Moment seiner Karriere bleibt indes sein fantastisches Volleytor gegen Belgien, dessen Torjubel im Bild zu sehen ist.

"Das alles war reine Intuition", sagte er später. "So wie ich den Ball angenommen und getroffen habe, und wie ich dann auf die Knie gesunken bin. Es war einer dieser überaus seltenen, perfekten Momente im Leben."