Russlands Nationaltrainer Stanislav Cherchesov äußerte sich über die Endrundenauslosung für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ und sprach über seine Erwartungen an das Turnier im kommenden Jahr.

Hat die Mannschaft aus dem 3:3-Unentschieden gegen Spanien, eine der besten Mannschaften der Welt, viel Selbstvertrauen gezogen?
"Die Fans waren zufrieden, mit dem Ergebnis und mehr noch mit der Leistung unserer Mannschaft. Somit gehen wir mit positiver Stimmung in das neue Jahr, denn wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nach diesem Spiel herrschen bei allen Beteiligten Zuversicht und Hoffnung. Wir sollten dem russischen Fussballverband danken, der in so kurzer Zeit Spiele gegen so hochwertige Mannschaften wie Argentinien und Spanien organisiert hat. Abgesehen vom FIFA Konföderationen-Pokal haben wir in diesem Jahr keine Spiele unter Wettbewerbsbedingungen absolviert. Wir haben versucht, das Beste aus unserer Situation herauszuholen."

Welche wichtigen Veränderungen haben Sie im russischen Team seit Ihrem Amtsantritt im August 2016 vorangetrieben?
"Zwei Dinge sollten genannt werden: Erstens haben wir das Durchschnittsalter des Kaders gesenkt. Unsere jungen Spieler werden nicht nur nominiert, sondern stehen oft auch in der Startaufstellung. Ich meine Spieler wie Daler Kuzyayev, Roman Zobnin, Aleksandr Golovin, Georgi Dzhikiya, Andrei Lunyov und die Miranchuk-Brüder. Zweitens haben wir unsere Formation umgestellt und spielen jetzt mit einer Dreier-Abwehr. Vorher hatte die Sbornaya ein anderes System. Es gibt eine Erklärung für alle Neurungen. Frühere Führungsspieler wie die Berezutsky-Brüder und Sergei Ignashevich haben ihre internationale Karriere beendet. Wir mussten uns also an die neuen Umstände anpassen. Die Verteidiger der Nationalmannschaft spielen auch bei ihren Klubs auf der gleichen Position."

In welchen Bereichen muss sich das Team aus taktischer Sicht noch steigern?
"Wir müssen die richtige Balance zwischen Verteidigung und Angriff finden, damit wir mit attraktivem Fussball gute Ergebnisse holen können. In einigen Spielen ist uns das schon ganz gut gelungen. Gegen Argentinien allerdings beispielsweise nicht. Wir standen in der Defensive gut und organisiert, aber in der Vorwärtsbewegung waren wir nicht eben überzeugend. Das hat natürlich die Gesamtleistung geschmälert. Allerdings standen wir ja auch hervorragenden Spielern wie Lionel Messi, Sergio Agüero und Javier Mascherano gegenüber. Trotzdem hätten wir im Angriff mehr zeigen müssen. Gegen Spanien waren wir in der Offensive viel gefährlicher."

Alan Dzagoev ist einer der talentiertesten russischen Spieler. Er hat allerdings wegen Verletzungen schon mehrere Turniere versäumt. Rechnen Sie bei der WM mit ihm als einem Schlüsselspieler im Mittelfeld?
"Auf Dzagoev trifft nicht zu, dass er in manchen Dingen gut und in anderen schlecht ist. Er hat einfach alles: gute Technik, Schnelligkeit, Ballsicherheit und Überblick. Er kann gute Pässe spielen und auch zum Abschluss kommen. Leider ist Alan allerdings sehr verletzungsanfällig. Das ist sehr schade für ihn und für uns. Ich habe mich gefreut, dass er für ZSKA Moskau eine ganze Reihe guter Spiele gezeigt hat. Er ist für uns ein sehr wichtiger Spieler und ich hoffe wirklich, dass er im kommenden Sommer fit ist."

Bleibt Igor Akinfeev auch bei der Weltmeisterschaft Kapitän des Teams?
"Ja, wir denken nicht einmal an jemand anderen als Kapitän. Akinfeev ist für uns ein ganz besonders wichtiger Akteur. Als Torhüter zeigt er schon seit Jahren bei seinem Klub und in der Nationalmannschaft beständig gute Leistungen. In seinen Rollen als Torhüter und Kapitän ist er auf und abseits des Feldes sehr wichtig. Er ist in der Lage, uns herauszureißen und den Verlauf eines Spiels zu verändern, wenn es darauf ankommt."

Russland geht mit leidenschaftlichen Fans im Rücken in die WM im eigenen Land. Sehen Sie darin einen wichtigen Vorteil gegenüber den Gegnern?
"Ich kann nicht sagen, inwieweit das ein Vorteil ist, aber ein Nachteil ist es jedenfalls nicht. Wir haben die Fans ja schon beim FIFA Konföderationen-Pokal erlebt. Mir scheint, die Bindung zu den Fans wäre bei den letzten Spielen noch stärker geworden. Wir hoffen, dass wir im Vorfeld der WM noch mehr Anhänger hinter uns bringen können."

Wie sehen Ihre Erwartungen für diese FIFA Fussball-WM aus?
Die Weltmeisterschaft ist das größte Turnier im Fussballsport, also müssen wir dafür kämpfen, so weit wie möglich zu kommen. Beim FIFA Konföderationen-Pokal wollten wir den Sprung aus der Gruppe schaffen und um den Titel mitspielen, aber dieses Ziel haben wir letztlich verpasst. Dennoch hat die Mannschaft durchaus ansprechende Leistungen gezeigt und bei den Fans für Optimismus gesorgt. Sportlich wären wir bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ gern noch erfolgreicher. Also müssen wir erst einmal den Sprung aus der Gruppe schaffen und dann sehen, was kommt."

Russland, Saudiarabien, Ägypten und Uruguay. Ihre  ersten Eindrücke nach der Auslosung?
Ich kann nicht sagen, ob die Gruppe gut oder schlecht für uns ist, ich muss Informationen sammeln. Der einzige offensichtliche Vorteil für uns, den ich jetzt sehen kann, ist, dass wir mit jedem Spiel härtere Gegner haben werden: Zuerst gegen eine Mannschaft aus Topf 4 und zuletzt  ein Spiel gegen ein Team aus Topf 2

Russland startet am 14. Juni im Luschniki-Stadion in Moskau gegen Saudiarabien. Gibt es etwas, dass Sie bereits über den ersten Gegner wissen?
I
Ich werde nicht lügen, ich habe sie noch nie zuvor spielen sehen. Ich weiß nur, dass Pizzi vor kurzem das Team übernommen hat. In ein paar Wochen weiß ich sicherlich mehr.

Welche Erwartungen haben Sie an diese Weltmeisterschaft?
Unser Ziel ist sehr klar, es hat sich nach der Auslosung nicht geändert. Wir sollten uns für die K.o.-Phase qualifizieren und dann werden wir sehen, was passiert.