• Lionel Messi spricht exklusiv mit FIFA.com
  • Der Argentinier über die dramatische WM-Qualifikation 2018
  • "Es wäre ein historischer Moment der schlechten Sorte gewesen"

Der Schrecken blieb aus. Argentinien qualifizierte sich für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™. Zweifellos litt kaum ein Spieler mehr unter dem traumatischen Verlauf dieser Vorausscheidung als Lionel Messi, der unumstrittene Kapitän und die wichtigste Stütze des Teams.

Und nur er selbst weiß, wie seine Zukunft in der Nationalmannschaft ausgesehen hätte, wenn die Südamerikaner die Teilnahme an der nächsten WM in Russland verpasst hätte, bei der Argentinien in der Gruppe D auf Island ("Scheint einfach, aber sie sind hart und gut organisiert in der Verteidigung."), Kroatien ("Sie geben einem vilel Raum, aber haben großartige Spieler.") und Nigeria ("An einem Tag schießen sie vier Tore, am nächsten lassen sie dir so viel Platz, um alles tun zu können.") trifft.

Der Kapitän sprach nach erfüllter Mission mit FIFA.com über die Situation, die La Albiceleste in der Qualifikation durchmachen musste, und über seine entscheidende Leistung gegen Ecuador am letzten Spieltag. Außerdem darüber, wie sich das Team weiterentwickeln wird und was der Fussball ihm schuldig ist.

Lionel, Argentinien musste mehr zittern als erwartet, doch letztlich ist es in Russland 2018 dabei. Wo steht das Team im Vergleich zu anderen Großmächten wie Deutschland oder Brasilien?
Wir werden in guter Verfassung sein. Wir entwickeln uns weiter, wie zu sehen ist. In der Qualifikation mussten wir eine Zeit überstehen, die wir weder erwartet noch verdient hatten. Es gab Spiele wie die gegen Venezuela oder Peru, die wir leicht hätten gewinnen können. Dann wäre es nicht zu diesem letzten Spieltag gekommen, den wir gegen Ecuador durchmachen mussten. Wir haben erst vier Pflichtspiele mit einem neuen Trainer hinter uns. Aber nach der Partie gegen Ecuador wird es ein anderes Team sein, es wird sich weiterentwickeln. Argentinien wird diese Anspannung und diese Angst hinter sich lassen, die es vor dieser Partie hatte und davor, das Ziel nicht zu erreichen. Das Team wird sich sehr verändern.

Andere große Mannschaften haben die Qualifikation verpasst. Überrascht Sie das Scheitern Chiles?
Ja, das überrascht uns alle. Sie haben die letzten zwei Südamerikameisterschaften gewonnen und hatten ein erfolgsverwöhntes Team. Es ist eine großartige Mannschaft mit sehr guten Spielern. Das beweist, wie schwer die südamerikanische Qualifikation ist, in der dir nichts geschenkt wird. Es ist nicht leicht, auswärts in Bolivien, Venezuela, Ecuador, Kolumbien und allen anderen Orten, in denen man spielen muss, zu bestehen. In Brasilien erst recht nicht. Es ist alles viel ausgeglichener und es wird immer schwieriger, sich für die WM zu qualifizieren.

Russland steht nun unmittelbar bevor, obwohl Brasilien 2014 allseits noch sehr präsent ist. Sind die Wunden nach dem verlorenen Finale gegen Deutschland verheilt?
Nein! Und ich weiß nicht, ob sie je verheilen werden. Ich denke, dass wir mit dem, was damals geschah, leben werden müssen. Es wird immer da sein. Die WM ist einerseits eine sehr schöne Erinnerung, aber wegen der Art und Weise, wie sie endete, gleichzeitig eine sehr bittere. Das wird immer so bleiben.

Sie persönlich sind nun 30 Jahre alt geworden, obwohl man es kaum glauben möchte. Stehen Sie da, wo Sie sein wollten?
Ehrlich gesagt habe ich nie darüber nachgedacht, wie oder wo ich stehen würde, wenn dieser Moment kommt. Aber ich kann sagen, dass ich mich gut fühle. Ich bin sowohl in meinem Privatleben, in dem ich zum dritten Mal Vater werde, als auch im Fussball sehr glücklich. Ich würde sagen, dass es mir auf und neben dem Platz gut geht. Ich bin sehr zufrieden damit, wie mich dieses Alter erwischt.

Ist auch Ihr Spiel reifer geworden?
Ja, natürlich. Mit der Zeit entwickelt man sich weiter und lernt neue Dinge, die man seiner Spielweise hinzufügt. Mit zunehmendem Alter habe ich mich auch auf dem Platz weiterentwickelt.

Der argentinischen Auswahl kommt dies sicher zugute. Welchen Platz nimmt die Qualifikationspartie gegen Ecuador in Ihrer Geschichte in diesem Trikot ein?
Sie war sehr wichtig, denn es wäre ein harter Schlag gewesen, die WM zu verpassen. Zunächst einmal für uns, das Team, aber auch für mich persönlich. Ich weiß nicht, wie ich auf diesen Schlag reagiert hätte. Das Gleiche gilt für die Menschen in Argentinien. In Russland nicht dabei zu sein, wäre für das Land ein historischer Moment der schlechten Sorte gewesen.

War es in diesem Zusammenhang und angesichts der großen Bedeutung das Spiel, das Sie sich selbst in der Nationalmannschaft schuldig waren?
Nein, ich weiß nicht, ob es das Spiel ist, das ich mir schuldig war. Ich habe in der Nationalmannschaft sehr gute Spiele gemacht. Es ist aber richtig, dass es so, wie es gelaufen ist, ein wichtiger und sehr schöner Moment war.

Nach der Qualifikation für Russland sagte Jorge Sampaoli, dass "der Fussball Messi eine WM schuldet." Haben Sie davon gehört? Wie denken Sie darüber?
Ja, das habe ich gehört, und er hat es mir auch persönlich gesagt. Was ich darüber denke? Ich hoffe, dass der Fussball seine Schuld begleicht!

An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein Spiel vorschlagen. Komplettieren Sie den folgenden Satz: In 2018 wird Lionel Messi…
(Denkt nach) …zum dritten Mal Vater!