• Kroatien dominiert beim 4:1-Playoff-Hinspielsieg gegen Griechenland
  • Gastgeber oft über die Flügel erfolgreich
  • Griechenland steht vor einer Herkulesaufgabe, um es noch nach Russland zu schaffen

Nach dem klaren 4:1-Sieg gegen Griechenland im Playoff-Hinspiel scheinen die Kroaten das Ticket für Russland 2018 wohl schon zu mehr als der Hälfte in der Tasche zu haben.

Schließlich genießt die Defensive der Griechen eigentlich einen exzellenten Ruf und man hatte eigentlich ein enges Spiel mit einem knappen Ergebnis erwartet. Doch nun reisen die Kroaten mit einem recht komfortablen Dreitorepolster nach Piräus – mehr, als die meisten Fans zu hoffen gewagt hatten. Doch ihr Team spielte von Anfang an nach vorn und setzte die Taktik des Trainers perfekt um. So gesehen ist das klare Ergebnis der folgerichtige Lohn für die offensive Ausrichtung der Kroaten.

"Unsere gewagte Formation hat sich bezahlt gemacht: [Luka] Modric spielte weiter vorn auf einer offensiveren Position und die Verteidiger sorgten über die Flügel für viel Druck nach vorn", so der kroatische Trainer Zlatko Dalic nach der Partie. "Der Grundgedanke war, über die Außenbahnen vorzustoßen und Druck zu machen. Diese Strategie ist voll aufgegangen."

In der Tat erzielten die Gastgeber drei ihrer vier Tore nach solchen Vorstößen über die Außenbahnen. Ivan Perisic war im Angriff eine stete Gefahrenquelle und die Verteidiger Ivan Strinic und Sime Vrsaljko waren von den Gästen kaum zu kontrollieren. Allerdings hatte ein Fehler von Torhüter Orestis Karnezis die Pläne von Griechenlands Trainer Michael Skibbe schon früh zunichte gemacht, als er einen Elfmeter für Kroatien verursachte.

"Wenn man dem Gegner beim ersten und beim vierten Tor so hilft wie wir heute, dann macht man es sich selbst sehr schwer", meinte Skibbe, nachdem Kostantinos Staflydis mit einem schlecht ausgeführten Rückspiel per Brust den Kroaten den letzten Treffer des Abends ermöglicht hatte. "Natürlich sind wir jetzt sehr unzufrieden. Im nächsten Spiel werden wir deutlich besser sein."

Kontrolle im Mittelfeld, Chaos in der Defensive
Angesichts der Dominanz und Ballsicherheit der drei Mittelfeldakteure Kroatiens hätte es wohl jede Mannschaft schwer gehabt. Modric, Marcelo Brozovic und insbesondere Ivan Rakitic, der im Stile des gerade zurückgetretenen Andrea Pirlo aus der Tiefe unzählige Pässe verteilte, hatten im Mittelfeld alles im Griff. Die Griechen, denen an diesem Abend auch noch ihre größte Stärke, nämlich die Stabilität in der Defensive, abhanden kam, waren dieser Aufgabe schlichtweg nicht gewachsen.

"Das war eine sehr schwere Partie für uns. Wir haben noch nie so viele Fehler in einem einzigen Spiel gemacht", meinte Kapitän Sokratis Papastathopoulos, dessen Kopfballtor den Griechen zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer für das Rückspiel bescherte. "Natürlich sind die Kroaten jetzt enorm im Vorteil. Die Chance, dass sie es schaffen, dürfte wohl bei 90 Prozent liegen."

Doch Dalic will dafür sorgen, dass sich diese Sichtweise vor dem Rückspiel am Sonntag in den Köpfen seiner Spieler nicht allzu sehr festsetzt, auch wenn außerhalb des Teams allgemein die Ansicht vorherrscht, Kroatien stehe schon mit mehr als einem Bein in Russland. "Selbstzufriedenheit müssen wir unbedingt vermeiden. Wir müssen nach Griechenland fahren, als wäre der Spielstand 0:0", so der Interimstrainer, der erst seit den letzten zwei Qualifikationsspielen in Gruppe I auf der Bank sitzt. "Es ist noch nicht vorbei. Das war nur das erste Spiel."

Die Griechen stehen am Sonntag vor einer wahren Herkulesaufgabe, wenn sie sich daran machen, den Dreitorerückstand aufzuholen. Ausgeschlossen ist dies jedoch nicht, und sollte es gelingen, wäre die griechische Fussballgeschichte um einen sagenhaften Mythos reicher.