• Paolo Rossi erzielte 1982 einen Hattrick gegen Brasilien
  • Italien gewann eines der berühmtesten WM-Spiele mit 3:2
  • Rossi: "Das war das wichtigste Spiel meiner Karriere"

Das Schicksal der Italiener hängt in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ am seidenen Faden. Sie bestreiten in Kürze die Playoff-Runde und dürften darauf hoffen, dass ein Held auftaucht, der die Sache entscheidet.

In der glanzvollen WM-Geschichte der Azzurri mangelt es nicht an solchen Lichtgestalten – von Silvio Piola über Gianni Rivera bis hin zu Roberto Baggio. Der vielleicht berühmteste von ihnen ist jedoch Paolo Rossi.

Der Star des italienischen WM-Triumphs von 1982 war allerdings ein Held, den vorher niemand auf dem Zettel hatte. Der damalige Nationaltrainer, Enzo Bearzot, stand im Vorfeld mächtig in der Kritik, weil er Rossi in den Kader genommen hatte. Dieser war nämlich nicht wirklich fit und kehrte nach einer langen Sperre ins Team zurück. Die Schmähungen nahmen zu, als Italien die erste Gruppenphase mit drei trostlosen Unentschieden nur knapp überwand und Rossi in den italienischen Medien als "Geist" verspottet wurde.

Als Bearzots Team dann in der zweiten Gruppenphase Titelverteidiger Argentinien und Turnierfavorit Brasilien zugelost bekam, schrieb man bereits den Abgesang für den WM-Auftritt der Italiener. Doch dann sollte sich für Rossi und sein Team alles ändern, als sie in einer entscheidenden und unvergesslichen Begegnung auf die scheinbar unaufhaltsamen Brasilianer trafen.

"Vor der Partie bat Bearzot mich, Oscar und Luizinho unter Druck zu setzen, die beiden langsamen brasilianischen Innenverteidiger", so Rossi in seiner Autobiographie. "'Sie werden sicher einen Fehler machen', sagte er."

Der italienische Nationaltrainer sollte recht behalten. Rossi war außer Rand und Band, erzielte einen denkwürdigen Hattrick, brachte seine Kritiker zum Schweigen und rechtfertigte das Vertrauen eines Mannes, der immer hinter ihm gestanden hatte.

"Nach der Partie habe ich sofort nach Bearzot gesucht", so Rossi. "Ich hatte das alles ihm zu verdanken. Diesen unglaublichen Sieg, diese unvergesslichen Augenblicke. Ich umarmte ihn, nur das, ich musste gar nichts sagen."

"Ich glaube, in diesem Augenblick hatte ich das größte Glücksgefühl überhaupt – ein Glücksgefühl, das dich nach Jahren des Leidens, der Zweifel und des Kummers abheben lässt."

"Ich würde sagen, der Sieg gegen Brasilien war das Spiel des Jahrhunderts", fügt er hinzu. "Es war emotional bis zur allerletzten Sekunde, und viele herausragende Spieler standen auf dem Platz. Das war definitiv das wichtigste Spiel meiner Karriere."

Das Spiel war auf jeden Fall ein Sprungbrett für Rossi, der später mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet werden sollte, nachdem er seinem berühmten Dreierpack gegen Brasilien im Halbfinale und Finale drei weitere Tore hinzugefügt hatte. Die Italiener sollten am Ende natürlich auch die Trophäe gewinnen, und im Laufe der kommenden Woche werden wir erfahren, ob sie sich weiterhin Hoffnungen auf einen fünften Titelgewinn machen dürfen.

Hätten Sie's gewusst?
Der Spielball dieser legendären Partie zwischen Brasilien und Italien wird nun im FIFA Welt Fussball Museum in Zürich ausgestellt. Er wurde erst letzte Woche vom Schiedsrichter der Partie, Abraham Klein, gespendet, und zwar anlässlich einer Veranstaltung, bei der er über seine Erinnerungen an die drei WM-Turniere sprach, bei denen er als Offizieller im Einsatz war.