• Der WM-Traum der USA endete mit einer 1:2-Niederlage gegen T&T
  • Vor 30 Jahren qualifizierten sich die Stars and Stripes bei umgekehrten Vorzeichen für Italien 1990
  • Damals verwehrte ein Tor aus der Distanz am letzten Spieltag den Soca Warriors das WM-Debüt

"Wir waren ganz nah dran an der WM-Teilnahme und als wir am nächsten Morgen aufwachten, wurde uns erst richtig klar, dass unser Traum zerplatzt war", erinnerte sich einst ein Spieler im Rückblick auf die denkbar knapp verpasste Chance, den Traum von der WM-Teilnahme wahr zu machen. "Die Enttäuschung war fast nicht zum Aushalten", stimmte ein Teamkamerad ein.

Man könnte meinen, dies wären die Worte der U.S.-Spieler von heute, denen schon ein Punkt in Trinidad und Tobago gereicht hätte, um sich die Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ zu sichern. Doch es waren die Worte der legendären Soca Warriors Russell Latapy und Dwight Yorke, die vor fast genau 28 Jahren erlebten, wie ihr WM-Traum durch die Stars and Stripes zunichte gemacht wurde. Die zahlreichen Parallelen zur 1:2-Niederlage der USA am Dienstag wirken schon fast unheimlich.

Damals war es Paul Caligiuri, der das Team der USA mit seinem Siegtor am letzten Tag der Qualifikation nach Italien katapultierte. Sieben Mal in Folge waren die Stars and Stripes seitdem beim größten Fussballturnier der Welt dabei, nachdem sie zuvor 40 Jahre lang gefehlt hatten. Damals verpasste das legendäre Team der Soca Warriors die WM-Endrunde auf ähnlich herzzerreißende Weise wie nun die USA. Erst 17 Jahre später feierte Trinidad und Tobago dann sein WM-Debüt.

Im Team aus der Karibik standen damals auch die jungen Akteure Latapy und Yorke, die schließlich bei der Endrunde 2006 in Deutschland ihren WM-Traum doch noch wahr machen konnten. Genau wie die Soca Warriors damals brauchten dieses Mal die Schützlinge von Bruce Arena lediglich einen Punkt, um ihr WM-Ticket zu lösen. Und genau wie damals trug auch dieses Mal ein Schuss aus der Distanz zur Entscheidung bei. Das aktuelle Drama spielte sich allerdings in Couva, eine knappe Autostunde südlich des Originalschauplatzes Port-of-Spain ab.

Diesmal war es Alvin Jones, der mit einem Distanzschuss traf, und auch wenn er nicht so bejubelt wurde wie der historische Treffer Caligiuris, da er Trinidad und Tobago nicht die Endrundenteilnahme bescherte, werden sich die Fans des U.S.-Teams noch viele Jahre lang schmerzhaft an seinen Namen erinnern – genau wie es umgekehrt damals bei den Fans der Karibiknation der Fall war.

Auch die Reaktionen auf die bittere Niederlage erinnern auf fatale Weise an diejenigen der Verlierer vor fast drei Jahrzehnten. Ganz besonders verbittert äußerte sich Omar Gonzalez, der mit seinem Eigentor nach nur 17 Minuten den Alptraum ins Rollen brachte.

"Ich möchte den Fans sagen, wie leid es mir tut. Wir haben das ganze Land enttäuscht", so der Verteidiger, der bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ dabei war. "Das war eines der unglücklichsten Tore, die ich je erlebt habe. Das wird mich für immer verfolgen. Dass ich einmal einen solchen Tag erleben würde, hätte ich nie gedacht. Das ist der schlimmste Tag meiner Karriere."

Schicksalhaftes Eigentor
Der Ball rutschte Gonzalez bei seinem Klärungsversuch überaus unglücklich über den Fuß und flog in hohem Bogen über Torhüter Tim Howard hinweg ins Netz. Als dann noch vor der Pause auch noch der Distanzschuss von Jones in den Maschen landete, war wohl endgültig klar, dass dies nicht der Tag der USA war.

"Es war ja regelrecht schicksalhaft, dass alles auf das letzte Spiel ankam", meinte Mike Windischmann, der Kapitän des U.S.-Teams, das 1990 in Italien dabei war, zum damaligen Sieg. Auch dieses Mal kann man das Schicksal bemühen, das aus Sicht der USA nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle gnadenlos zuschlug.

Die Fans sahen eine überaus unbeständige Mannschaft, die nur in wenigen Partien überzeugen konnte, beispielsweise in den zwei Heimspielen gegen Panama und Honduras, in denen sie zehn Treffer erzielte. Nun müssen sich die Zuschauer mit dem Gedanken anfreunden, eine WM im Fernsehen zu verfolgen, ohne sich hinter dem eigenen Team sammeln zu können.

Kaum jemand mag sich vorstellen, dass ein aufstrebender Star wie Christian Pulisic, der mit Abstand beste U.S.-Spieler am gestrigen Abend, nun ebenso lange auf sein WM-Debüt warten muss, wie damals Dwight Yorke. Von den Zuschauern in Couva werden indes einige durchaus nachempfinden können, wie groß der Schmerz ist, das große Ziel auf solch bittere Weise zu verpassen.