• Marcus Berg ist Schwedens bester Torjäger in der Qualifikation für Russland 2018
  • Die Schweden landeten in Gruppe A auf Platz zwei und treffen in den Playoffs auf Italien
  • Der 31-jährige Berg will zu seiner ersten WM fahren
"Was für eine dumme Frage."

Zum Glück hat das Interview von FIFA.com mit Marcus Berg nicht mit diesen Worten begonnen. Es handelt sich vielmehr um die mittlerweile berüchtigte Antwort von Dick Advocaat auf die Frage eines niederländischen Reporters, ob Schweden gegen Luxemburg mit 8:0 gewinnen könnte.

Der niederländische Trainer tat den Gedanken an ein derart einseitiges Ergebnis als absurd ab. Schließlich hatte Luxemburg gerade erst in Toulouse Frankreich ein torloses Unentschieden abgetrotzt, gegen Belarus gewonnen und auch den Schweden beim letzten Aufeinandertreffen einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Doch Advocaat hatte die Rechnung ohne den derzeit überaus formstarken Marcus Berg gemacht. Der schwedische Stürmer hatte schon in den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen getroffen und sich auch in den letzten drei Partien für seinen Klub Al Ain in die Torschützenliste eingetragen.

Dennoch hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass er gegen Luxemburg sogar einen Viererpack schnüren würde und damit zu exakt dem Resultat beitrug, das Advokaat nahezu ausgeschlossen hatte.

Das scheinbar Unmögliche war eingetreten. Dank der Treffer Bergs und der damit nun deutlich besseren Tordifferenz hatten sich die Schweden den Platz in den WM-Playoffs vor dem letzten Spiel gegen die Niederlande so gut wie gesichert.

"Das war das erste Mal, dass ich in einem Länderspiel vier Treffer erzielt habe", sagte Berg gegenüber FIFA.com. "Es war unglaublich - ein ganz besonderes Gefühl. In einem vollen Stadion im eigenen Land ein solches Spiel zu zeigen, vor den Augen meiner Familie, das war schon eine tolle Erfahrung."

Für Berg war es auch die perfekte Art und Weise, seinen 50. internationalen Einsatz zu feiern. Trotz dieser beeindruckenden Zahl ist es dem mittlerweile 31-jährigen Stürmer erst jetzt, in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™, gelungen, aus dem Schatten des großen Zlatan Ibrahimovic herauszutreten und sich als Nummer 9 der Schweden zu etablieren.

"Die letzten zwei Jahre waren meine besten in der Nationalmannschaft", gibt er denn auch zu. "Ich empfand keinen zusätzlichen Druck, als Ibrahimovic seinen Rücktritt erklärte. Aber ich bin nun einer der erfahrensten Spieler und es stimmt natürlich, dass meine Rolle im Team wichtiger wurde, als Zlatan und einige andere Spieler nach der EURO 2016 zurücktraten."

Zahlen und Fakten zu Marcus Berg
51
Länderspiele
18 Tore
8 Tore in 9 Einsätzen in der WM-Qualifikation für Russland 2018
7 Klubs in 5 Ländern:
Schweden, Niederlande, Deutschland, Griechenland und Vereinigte Arabische Emirate
0 FIFA-WM-Einsätze

Berg kennt durchaus das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen. In seiner abwechslungsreichen Karriere gehörte ein Transfer nach Hamburg für immerhin EUR 10,5 Mio. zu den Höhepunkten. Allerdings war das schon 2009. In den letzten Jahren hat er seine Torjägerqualitäten in Griechenland unter Beweis gestellt, wo er bei Panathinaikos zum Helden avancierte. Seit kurzem spielt er nun für den Klub Al Ain in Abu Dhabi (VAE).

"Ich denke, dass alles, was man im Leben und im Fussball erlebt, einen besser machen kann", erklärt er. "Ich habe definitiv viel gelernt, weil ich in verschiedenen Ländern verschiedene Spielweisen praktiziert habe. Bei Al Ain bin ich jetzt sehr zufrieden."

Mit einem Lächeln im Gesicht zu spielen, scheint genau das richtige Erfolgsrezept für Berg zu sein, der sich unter Janne Andersson in die Stammformation der schwedischen Mannschaft gespielt hat.

"Er und seine Assistenten haben ein sehr klares Bild davon, wie wir spielen sollen", sagte Berg über seinen wenig bekannten Trainer. "Sie geben jedem im Kader ein Gefühl der Verantwortung und daher bringen alle ihr Bestes – auf und abseits des Spielfeldes. Wir sind zufrieden und stolz auf das, was wir bisher geleistet haben."

Allerdings haben die Schweden noch eine hohe Hürde zu überwinden, wenn sie das Rennen um einen Platz in Russland erfolgreich beenden wollen. Berg sieht sein Team im Playoff gegen Italien zwar als Außenseiter, meint aber dennoch, dass die Qualifikation für Schweden in Reichweite liegt.

"Italien ist der Favorit, aber wir haben ein gutes Gefühl im Team", sagte er. "Wir glauben daran, dass wir es zur Weltmeisterschaft schaffen können."

"Und wenn wir es schaffen, wird damit ein Traum wahr. Ich und viele meiner Mannschaftskameraden denken und reden immer noch über die Weltmeisterschaft 1994, bei der Schweden Dritter wurde."

"Hoffentlich können auch wir dem schwedischen Volk solche Momente schenken – Momente, über die man noch lange reden wird."