• Eric Dier zog im Alter von sieben Jahren nach Portugal
  • Er durchlief die berühmte Nachwuchsakademie von Sporting Lissabon
  • Die Three Lions können sich mit drei Punkten gegen Slowenien vorzeitig für Russland 2018 qualifizieren

Eric Dier ist eine große Ausnahme, nämlich ein englischer Nationalspieler, der nicht aus dem englischen Nachwuchsprogramm kommt. Er durchlief die hervorragende Nachwuchsakademie von Sporting Lissabon, die schon Stars wie Joao Moutinho, Luis Figo und sogar Cristiano Ronaldo hervorbrachte. Sein portugiesischer Hintergrund zeigt sich auch in seiner Spielweise. Auf dem Spielfeld wirkt er ruhig und taktisch flexibel und behandelt den Ball mit typisch iberischer Sorgfalt und Präzision.

Abseits des Spielfelds strahlt Dier eine entspannte Stimmung aus. Bei seinem Gespräch mit FIFA.com wirkt er locker und lacht, als er sich an seine ersten Tage in der legendären Nachwuchsakademie von Sporting erinnert, nachdem er mit seiner Familie im Alter von sieben Jahren nach Portugal gezogen war.

"Damals sprach ich so gut wie gar kein Portugiesisch", so Dier mit einem Lächeln. "Ich war ein englischer Junge in einem komplett portugiesisch geprägten Umfeld. Das war eine sehr schwierige Situation. Manchmal mussten meine Eltern mich regelrecht über den Zaun werfen, damit ich zum Training ging, denn ich wollte nicht. Aber schon bald war ich voll und ganz integriert. Sporting hat dafür gesorgt, dass ich mich willkommen fühlte. Das machte alles leichter."

Auch die Sprache lernte Dier recht schnell, nachdem er angefangen hatte, mit den einheimischen Kindern zu spielen. Er machte geradezu exponentielle Fortschritte.

Irgendwann bemerkte sein Vater etwas, das die Familie von einem 'Expat' vielleicht nicht erwartet hatte: Der junge Eric fühlte sich rundum wohl – vielleicht sogar zu wohl. Und so sorgte er für eine sechsmonatige Ausleihe nach England. Für den 17-jährigen Dier wurde damit die Uhr zurück gedreht, denn nun war er in der Nachwuchsmannschaft von Everton wieder so etwas wie ein Ausländer.

"Diese Phase war sehr wichtig für mich", so Dier im Rückblick. "Ich war jung und kannte eigentlich nur Portugal. Ich musste einfach mal aus dem etwas zu bequemen Leben raus. Dafür bin ich meinem Vater sehr dankbar. Als ich ging, war ich noch ein kleiner Junge, als ich zurückkam, war ich ein Mann."

Aus den ursprünglich geplanten sechs Monaten wurden 18. Dann kehrte Dier zu Sporting zurück, wo er zunächst den Sprung in die B-Mannschaft und dann auch in die A-Mannschaft schaffte. Beim englischen Verband war man längst auf ihn aufmerksam geworden und so wurde Dier für die Nachwuchs-Nationalmannschaft nominiert.

Bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2013 in der Türkei musste er an der Seite von John Stones und Harry Kane mit dem Team allerdings Lehrgeld bezahlen, denn die Engländer schafften den Sprung aus der Gruppenphase nicht. Dennoch sammelte er bei dem Turnier viel wichtige und wertvolle Erfahrung. Überhaupt ist Dier der Meinung, dass "jede Turnierteilnahme positiv ist." Das Interesse an Dier steigerte sich, doch Sporting hielt ihn noch bis 2014. Dann folgte sein Wechsel zu Tottenham Hotspur.

Diers wichtigste Tore für England
26.03.2016:
Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Deutschland in seinem dritten Länderspiel
11.06.2016: Fantastischer Freistoßtreffer gegen Russland im Auftaktspiel Englands bei der UEFA EURO 2016
04.09.2017: Ausgleichstreffer gegen die Slowakei im WM-Qualifikationsspiel im Wembley-Stadion. England gewann die Partie

Nach seinem Wechsel zu Tottenham begann auch sein besonderes Verhältnis zum aktuellen englischen Nationaltrainer. Nach intensiven Gesprächen zwischen Dier und Gareth Southgate, dem damaligen Trainer der U-21-Auswahl, einigte man sich darauf, Dier zunächst nicht in das Team zu berufen, um ihm Zeit zu geben, sich in seinem Geburtsland einzuleben.

"Ich bin Gareth sehr dankbar, dass er erkannt hat, was ich mit meinem Hintergrund in dieser Situation brauchte", so Dier. "Ich finde ohnehin, dass er nicht nur sehr viel vom Fussball versteht, sondern auch stets die Spieler und ihre individuelle Situation sieht. Er hat sehr klare Vorstellungen und Ideen und die Spieler nehmen diese Ideen sehr gut an. Wir blicken jedenfalls sehr optimistisch in die Zukunft."

Derzeit konzentrieren sich Dier, Southgate und die Three Lions voll und ganz auf das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien. Mit drei Punkten aus der Partie im Wembley-Stadion gegen das Team von Srecko Katanec würde sich England als Sieger der Gruppe F für Russland 2018 qualifizieren. Als wir darauf zu sprechen kommen, wirkt Dier plötzlich hoch konzentriert.

"Wir müssen als Team und individuell mit einer Siegermentalität in jedes Spiel gehen", so Dier. "Ich selbst gehe ohnehin nie auf das Spielfeld ohne den festen Willen, zu siegen. Für mich ist also alles wie immer."

Und wenn es mit dem Ticket nach Russland klappt? Dier wirkt weiter sehr konzentriert.

"Ich denke, bei einem Turnier wie der WM denkt man am besten von Spiel zu Spiel. Man konzentriert sich voll und ganz auf das kommende Spiel, und erst dann auf das nächste. Wenn man zu weit nach vorn denkt, geht es oft schief."

Entspannt wirkt Dier erst wieder, als er von seiner ersten Erinnerung an eine WM erzählt: Als Achtjähriger sah er in einem Sportklub an der Algarve zu, wie Ronaldinho bei der FIFA Fussball-WM Korea/Japan 2002™ mit seinem Freistoß den englischen Schlussmann David Seaman düpierte. Im kommenden Sommer will Dier dazu beitragen, dass die Three Lions in Russland keine neuerliche WM-Enttäuschung erleben.