• Island ist die kleinste Nation, die je eine WM-Endrunde erreicht hat
  • Die Schützlinge von Heimir Hallgrimsson ließen in ihrer Gruppe Kroatien, die Ukraine und die Türkei hinter sich
  • Trainer und Spieler reagieren auf den Erfolg

Man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass heute früh so mancher Fan in Reykjavik mit einem schmerzenden Kopf und einer heiseren Stimme aufgewacht ist.

Andererseits scheint es eine Spezialität der Isländer zu sein, einem Kater so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Denn genau das war Islands Erfolgsrezept auf dem Weg zum historischen Erfolg in der WM-Qualifikation.

Trainer Heimir Hallgrimsson hatte diese Gefahr erkannt und wusste genau, dass sich sein Team nicht auf dem guten Abschneiden bei der UEFA EURO 2016 ausruhen durfte und sich in der WM-Qualifikation in einer Gruppe mit vier starken Gegnern keinerlei Nachlässigkeiten leisten durfte. "Nach der EURO haben wir in Island natürlich eine Riesenparty veranstaltet, das ist ja bekannt", sagte er gegenüber FIFA.com. "Und man weiß ja auch, wie es einem am Tag nach einer solchen Party oft geht. Es ist nicht unbedingt leicht, aufzustehen und wieder mit der Arbeit anzufangen. Das war für uns eine große Herausforderung."

Auch gestern Abend gab es in Island wieder eine Riesenparty, nachdem Hallgrimsson und seine Schützlinge als kleinste Nation aller Zeiten das Ticket für eine WM-Endrunde gelöst hatten.

(Island (334.000 Einw.) has sich als kleinste Nation aller Zeiten für eine WM qualifiziert - zum ersten Mal ein Land mit weniger als 1 Mio. Einwohnern)

"Das schwierigste war, nach dem Turnier in Frankreich wieder loszulegen", so der isländische Nationaltrainer. "Das erste Bier nach einer Party ist nicht das beste.

"Wir standen schließlich in einer Gruppe mit Kroatien, der Türkei, der Ukraine und Finnland, die viel stärker sind, als ihre Position in der Gruppe vermuten lassen würde. Der Erfolg ist kein Selbstzweck sondern ein langer Weg in Richtung des Endziels."

Schon jetzt steht fest, dass es ein packendes Abenteuer war, ganz egal, wie weit Island es in Russland tatsächlich schafft. Jedenfalls sollte man diesem Team bei der WM-Endrunde im kommenden Jahr durchaus die ein oder andere Überraschung zutrauen. Nach der 0:2-Niederlage seines Teams lobte Kosovos Trainer Albert Bunjaki die Sieger und sprach von einem "großartigen Vorbild für eine kleine Nation wie uns selbst."
Die weiteren Reaktionen unmittelbar nach dem Schlusspfiff waren vielfältig.

"Wie verrückt ist das denn! Wir fahren zur WM!" rief der TV-Kommentator nach dem Schlusspfiff überwältigt aus und selbst Trainer Hallgrimsson schien noch etwas perplex. "Das ist einfach skurril. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen", sagte er im Sender RUV.

"Ich meine... Pelé, Maradona… und jetzt Aron Einar Gunnarsson!", fügte er dann mit Bezug auf Islands bärtigen Mittelfeldspieler hinzu.

Natürlich weiß Hallgrimsson, dass die ganz großen Legenden des Fussballs bei der WM geschmiedet werden. Nun bekommen seine Schützlinge, von denen die meisten vor der UEFA EURO 2016 völlig unbekannt waren, die Chance, selbst einen Eindruck auf der größten Fussballbühne der Welt zu hinterlassen. Gunnarsson stellte indes klar, dass diese Qualifikation keineswegs ein Wunder sei, sondern einfach nur ein ausgeführter Auftrag.

"Verrückt? Ich weiß nicht, ob das verrückt ist", meinte er. "Nachdem wir [in den Playoffs für die WM 2014] gegen Kroatien verloren hatten, haben wir uns vorgenommen, es beim nächsten Mal zu schaffen.

"Meiner Meinung nach waren wir in der schwierigsten Gruppe. Aber wir waren entschlossen, es trotzdem zu schaffen. Wir wollten uns nicht schon wieder mit Playoff-Spielen das Leben schwer machen."