• Aleksandr Kokorin ist der führende Torschütze im aktuellen Kader der Russen
  • Nachdem er ein Jahr lang verletzt fehlte, kehrte er wieder zurück und sorgte auf Anhieb für einen tollen Saisonstart von Zenit Sankt Petersburg
  • Sein Tor bei der FIFA Fussball-WM Brasilien 2014™ hätte Russland um ein Haar in die K.O.-Runde geführt

Wenn die Hoffnungen eines ganzen Landes auf den Schultern eines 23-Jährigen lasten, dann ist das eigentlich eine schwierige Situation. Nicht jedoch für den russischen Stürmer Aleksandr Kokorin bei der FIFA Fussball-WM 2014 in Brasilien. Dort wurde Kokorin den Erwartungen gerecht, als er in der sechsten Minute des letzten Gruppenspiels gegen Algerien, das über das Weiterkommen ins Achtelfinale entscheiden sollte, mit einem herrlichen Kopfball nach schöner Kombination den Führungstreffer für sein Team erzielte. Allerdings kassierte die Sbornaya dann noch den Ausgleichstreffer und mit dem 1:1 schied Fabio Capellos Team zur Überraschung vieler aus dem Turnier aus.

Seitdem haben Kokorins Leistungen in der heimischen Liga ein geteiltes Echo gefunden. Ist er nicht erfolgreich, hört man rasch erste Fragen, ob er denn das hohe Gehalt, das er erhält, oder die luxuriöse Lebensweise, die auch durch seine Präsenz in den sozialen Medien dokumentiert wird, überhaupt verdient habe. Kokorin ist nicht der erste Spieler und mit Sicherheit auch nicht der letzte, der sich diese Art von Kritik anhören muss. Sein Wechsel von Dynamo Moskau zu Zenit Sankt Petersburg, wo er einer der Stars der Mannschaft wurde, machte ihm zu Beginn das Leben schwer.

Kein Wunder, dass der damalige neue Cheftrainer der Russen, Stanislav Cherchesov, beschloss, Kokorin nicht für den Kader für den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 auf heimischem Boden zu nominieren. Es schien, dass der Stern des einstmals größten Talents im russischen Fussball zu sinken begonnen hatte.

All das änderte sich jedoch im Sommer, als der italienische Trainer Roberto Mancini bei Zenit übernahm und umfassende Veränderungen am Kader vornahm. Zur Überraschung vieler machte er Kokorin zum Leitwolf seines neuen Teams. Mancini ließ ihn auch nicht mehr auf der Außenposition, sondern im Zentrum spielen und erzielte sofort das gewünschte Ergebnis, denn die Nummer 9 traf nun ein ums andere Mal ins Schwarz und bereitete auch viele Tore vor. In der ersten russischen Liga führt er die Torschützenliste mit acht Toren in zwölf Spielen an. In drei UEFA-Europa-League-Spielen in Folge gelang ihm darüber hinaus ein Doppelpack. Und im Oktober kehrte er schließlich auch in die Nationalmannschaft seines Landes zurück, nachdem er ein Jahr lang keine Berücksichtigung gefunden hatte.

Kokorin gelang es nicht, seine Torausbeute in den Freundschaftsspielen gegen die Republik Korea (4:2) und Iran (1:1) weiter zu steigern, doch er bekam viel Lob für seine Offensivaktionen und das Bemühen, die Angriffspartnerschaft mit seinem alten Partner Fyodor Smolov wieder aufleben zu lassen. Die beiden hatten ihre Karriere gemeinsam bei Dynamo Moskau begonnen und könnten nun Russlands neues Angriffsduo werden. Smolov war es ähnlich wie Kokorin ergangen. Galt er zunächst als großes Talent, sah er sich bald zunehmender Kritik ausgesetzt und enttäuschte ein ums andere Mal. Nun hört er wieder großes Lob von allen Seiten, nachdem sich seine Karriere zum Besseren gewendet hat. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Wenn ein Stürmer spürt, dass man hinter ihm steht, fallen die Tore fast von selbst.

Noch sind es acht Monate bis zur Weltmeisterschaft in Russland, genug Zeit auch für andere, um sich noch in Szene zu setzen. Doch für die Fans der Sbornaya und die Fachleute ist es klar, dass das jetzige Angriffsduo im nächsten Sommer für die Tore sorgen wird. Kokorin hat dabei einen weiteren Vorteil auf seiner Seite: Er ist der einzige Spieler im aktuellen russischen Kader, der das Gefühl kennt, bei einer FIFA-WM ein Tor zu erzielen.

Mit seinen eigenen Worten
"Nicht beim Konföderationen-Pokal dabei zu sein, hat mich wachgerüttelt. Bis dahin hatte ich ja fünf Jahre in Folge im Nationalteam gespielt. Ich wollte wirklich so rasch wie möglich zurückkehren. Die Mannschaft hat jetzt ein anderes Gesicht und es gibt so viele neue Spieler, die dazu gekommen sind. Es ist wichtig, dass wir nun unseren Rhythmus finden und nach den vielen Umstellungen in Schwung kommen."

Russlands Cheftrainer Stanislav Cherchesov:
"Ich habe mit ihm gesprochen und er hat verstanden, woran wir arbeiten müssen. Jetzt sehen wir die Ergebnisse. Ich kenne "Sasha" [Anm. der Red.: Kokorin] gut und arbeite nun schon seit fast zwei Jahren mit ihm zusammen. Jetzt spielt er endlich auf seiner natürlichen Position und das motiviert ihn ungemein."

Zahlen und Fakten zu Kokorin

  • 1991 in Valuyki geboren, einer Stadt mit 35.000 Einwohnern
  • Sein erstes Tor in der russischen Top-Liga erzielte er gleich bei seinem Debüt für Dynamo Moskau im Alter von 17 Jahren
  • 2011 debütierte er in der Nationalmannschaft
  • Er hat bislang 46 Länderspiele absolviert und dabei zwölf Tore erzielt
  • Er ist der führende Torschütze des aktuellen russischen Kaders
  • Bei der FIFA-WM 2014 bestritt er drei Parteien und erzielte einen Treffer
  • Es ist seine dritte Saison bei Zenit Sankt Petersburg
  • Es war sein bislang bester Start in eine Saison: 15 Tore in 18 Spielen