Das letzte Gruppenspiel bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™ zwischen Russland und Kamerun war so unbedeutend, wie ein FIFA WM-Spiel nur sein kann.

Beide Teams waren bis dahin sieglos geblieben und ihr Ausscheiden stand bereits fest. Selbst ein 6:1-Kantersieg konnte die Russen nicht mehr retten. Und doch wurden in diesem vordergründig bedeutungslosen Gruppenspiel zwei WM-Rekorde gebrochen und damit ein Stück WM-Geschichte geschrieben.

Verantwortlich dafür waren die beiden hier gezeigten Spieler Roger Milla und Oleg Salenko, deren Rekorde bis heute nicht wieder erreicht oder gar gebrochen werden konnten. Salenko war der unbestrittene Star des Spiels. Er beeindruckte mit einer herausragenden Leistung und zeigte seine ganze Torgefährlichkeit. Am Ende ging er als erster Spieler in die Geschichte ein, der in einem einzigen WM-Spiel fünf Tore erzielte.

"Ich wusste gar nichts von diesem Rekord und habe auch nicht daran gedacht, ihn möglicherweise brechen zu können", so Salenko damals. "Dass ich ihn tatsächlich gebrochen hatte, wurde mir erst klar, als es über die Lautsprecher angesagt wurde." Salenko war damals erst 24 Jahre alt, doch dies war nicht nur sein letztes Spiel bei einer FIFA WM-Endrunde, sondern sogar sein letztes Länderspiel überhaupt. Es folgten ein Zerwürfnis mit dem Trainer sowie ein Formtief, was dafür sorgte, dass er nach diesem Spiel in Stanford nicht wieder in die Nationalmannschaft berufen wurde.

Seine Leistung an diesem Tag ist indes bis heute unvergessen. Fragt man den ehemaligen Stürmer des FC Valencia und der Glasgow Rangers, wie oft er daran erinnert wird, kommt die Antwort sofort: "Jeden Tag", erkärte er kürzlich gegenüber FourFourTwo. "Das ist das großartige an einer Weltmeisterschaft: Die ganze Welt schaut zu und wenn man etwas Spektakuläres schafft, bleibt man ewig in Erinnerung. Ich reise viel, durch ganz Europa und die USA, und immer wieder kommen Leute auf mich zu und sprechen mich an."

Salenkos Rekord-Ausbeute von fünf Toren brachten ihm indes auch eine ganz konkrete Auszeichnung ein, denn am Ende teilte er sich mit dem Bulgaren Hristo Stoitchkov den Goldenen Schuh als bester Torjäger des Turniers. "Es war für mich eine großartige Sache, den Goldenen Schuh mit einem so fantastischen Spieler zu teilen", freut er sich noch heute. "Wir sind danach noch mehrfach aufeinander getroffen. Er spielte ja für Barcelona und ich für Valencia. Jedes Mal haben wir darüber gescherzt. Er sagte immer: 'Sei froh, dass ich nicht noch ein Tor mehr geschossen habe'  und ich antwortete dann: 'Sei lieber du froh, dass ich nicht gegen Kamerun noch einmal mehr getroffen habe!' "

Auch für Milla war es das letzte WM-Spiel und gleichzeitig das letzte Länderspiel. Allerdings war es ein kleines Fussballwunder, dass der legendäre Kameruner überhaupt noch spielte und sich sogar in die Torschützenliste eintrug – schließlich hatte er bereits das ehrwürdige Alter von 42 Jahren erreicht. Er ist bis heute der älteste Torschütze in der WM-Geschichte und davon überzeugt, dass dies ein Rekord für die Ewigkeit ist.

"Ich bin sicher, dass kein anderer Spieler meine WM-Erfolge nachmachen wird", so Milla, der auch der älteste Feldspieler der Turniergeschichte war. (Den Gesamtrekord holte sich bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ der kolumbianische Torhüter Faryd Mondragon mit 43 Jahren).

Auf die Frage, wie er es geschafft habe, so lange auf höchstem Niveau zu spielen, führte Afrikas zweifacher Fussballer des Jahres seine Lebensweise an. "Ich habe immer auf meinen Körper geachtet", sagte er. "Ich habe nie etwas getan, das meine Fitness beeinträchtigt hätte. Ich habe kein wildes Leben geführt, sondern ein sehr gesundes. Ab und zu habe ich ein halbes Glas Wein getrunken, aber nie mehr an Alkohol."

Man darf sich allerdings fragen, ob Milla, Salenko oder sogar beide an diesem Abend in Stanford vielleicht auch ein Gläschen auf ihre außergewöhnlichen Leistungen geleert haben, die in der WM-Geschichte ihren ganz eigenen Platz haben.