Die meisten Menschen wissen bereits eine ganze Menge über die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1966™, beispielsweise welches Land sie gewann, welcher Spieler im Finale drei Treffer bejubelte, welcher Spieler den Jules-Rimet-Pokal von Königin Elizabeth II in Empfang nahm. Doch es gibt auch eine ganze Reihe kaum weniger interessanter Fakten über die Weltmeister, die weitaus weniger bekannt sind…

30 Jahre danach wurden zwei denkwürdige Momente des englischen WM-Turniers im Text des Hits Three Lions von David Baddiel, Frank Skinner und den Lightning Seeds verewigt. Die Textstelle "Bobby belting the ball" bezog sich auf den Gewaltschuss von Bobby Charlton im Spiel gegen Mexiko, während "Nobby Dancing" auf Nobby Stiles anspielte, der nach dem Titelgewinn mit dem Jules-Rimet-Pokal in der einen und seinen dritten Zähnen in der anderen Hand einen etwas ungelenken Freudentanz aufführte.

25 Jahre und 109 Tage war Bobby Moore am Tag des Endspiels alt. Damit ist er der zweitjüngste Kapitän einer Weltmeistermannschaft. Daniel Passarella war genau 78 Tage jünger, als er Argentinien 1978 zum Titelgewinn führte. Der älteste Kapitän eines Weltmeisterteams war der italienische Torhüter Dino Zoff, der genau 40 Jahre und 133 Tage alt war, als er 1982 die Trophäe entgegennahm.

16 Länderspiele absolvierte Jack Charlton 1966, mehr als jeder andere englische Nationalspieler in einem Kalenderjahr. Die Zahl wirkt noch beeindruckender wenn man bedenkt, dass der Innenverteidiger von Leeds United sein Debüt für England erst im Jahr zuvor gefeiert hatte, als er schon fast 30 Jahre alt war.

15 Minuten blieben nur noch bis zum Anstoß der Halbfinalpartie zwischen England und Portugal, als Torwarttrainer Harold Shepherdson plötzlich einfiel, dass er keinen Kaugummi gekauft hatte, den er normalerweise Gordon Banks gab, der damit seine Hände einrieb, um den Ball besser festhalten zu können. Shepherdson eilte durch den Tunnel zum nächsten Kiosk, erstand den so dringend benötigten Kaugummi und kam gerade noch rechtzeitig zurück ins Wembley-Stadion.

14 Stiche waren nötig, um die Verletzung an Jimmy Greaves Schienbein zu schließen, die er im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich erlitt. Greaves hatte in seinen 51 Länderspielen vor Turnierbeginn 43 Tore für England erzielt. "Ohne Greaves wird England die Weltmeisterschaft nicht gewinnen", warnte Fussballexperte Jimmy Hill. Der Stürmer von Tottenham Hotspur verpasste die Partien gegen Argentinien und Portugal, doch vor dem Finale erklärten ihn die Ärzte wieder für fit. Die Öffentlichkeit forderte vehement die Rückkehr des Torjägers, doch getreu dem Motto "Never change a winning team" hielt Trainer Alf Ramsey an der Mannschaft fest, die die letzten zwei Partien gewonnen hatte. Er ließ erneut Geoff Hurst spielen, der erst zwei Länderspieltore auf dem Konto hatte. Prompt gelang Hurst als erstem und bis heute einzigen Akteur ein Hattrick in einem WM-Finale.

12 Stunden und eine Minute blieb Gordon Banks im englischen Tor ungeschlagen, bevor er im Halbfinale gegen Portugal einen von Eusebio getretenen Elfmeter passieren lassen musste. Seit einem Gewaltschuss des Schotten Jimmy Johnstone hatte Banks seinen Kasten noch vor dem Turnier gegen Jugoslawien und Finnland sauber gehalten und dann während der WM auch gegen Uruguay, Mexiko, Frankreich und Argentinien kein Gegentor zugelassen. Die 721 Minuten ohne Gegentreffer sind bis heute englischer Torhüterrekord.

11 Jahre und 49 Tage musste Ian Callaghan nach seinem zweiten Länderspieleinsatz im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich warten, bis er wieder das englische Nationaltrikot überstreifen durfte. Diese Zeitspanne zwischen zwei Länderspielen ist bis heute englischer Rekord.

10 Uhr abends war die Uhrzeit, zu der Nationaltrainer Alf Ramsey die Tür zum Aufenthaltsraum seiner Spieler öffnete und mit einem kurzen "Gute Nacht, meine Herren!" das Licht löschte – egal ob die Spieler gerade mitten in einem Kartenspiel waren oder nur noch wenige Minuten bis zum Ende eines Films fehlten.

8 Länderspiele insgesamt hatten Martin Peters und Geoff Hurst, die beiden Finaltorschützen der Engländer, vor dem Turnier erst absolviert. Zum Vergleich: Die Schützen der vier Tore Brasiliens im nächsten WM-Finale brachten es vor Mexiko 1970 zusammen auf 220 Länderspiele!

7 Siege in Folge gegen die BR Deutschland machte England mit dem Erfolg im Finale komplett. Seit einem 3:3-Unentschieden im ersten Aufeinandertreffen 1930 hatten die Three Lions jede Neuauflage des Duells für sich entschieden und es dabei auf eine Gesamt-Torbilanz von 21:7 gebracht. Die BR Deutschland wiederum gewann die nächsten drei Spiele gegen England. Wie Greaves es einmal ausdrückte: "Fussball – ein wirklich seltsames Spiel."

7 Stimmen Vorsprung hatte England 1960 bei der Abstimmung über die Ausrichtung der achten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ lediglich. Ironischerweise setzte sich England bei der Wahl in Rom mit 34:27 Stimmen gegen die BR Deutschland durch.

4 Tonnen wiegt die WM-Skulptur in der Nähe des Upton Park, die ein Bild mit Kultcharakter zeigt, das kurz nach dem WM-Triumph der Engländer aufgenommen wurde. Es zeigt Moore, der auf den Schultern von Hurst und Ray Wilson sitzend den Pokal in die Höhe hält und Peters daneben. Moore, Hurst und Peters spielten für West Ham United, das ebenso wie Borussia Dortmund (Hans Tilkowski, Siggi Held und Lothar Emmerich) mit drei Spielern im Finale vertreten war. Das Werk des Bildhauers Philip Jackson, der auch für Königin Elizabeth II tätig war, ist fast fünf Meter hoch und wurde 2003 von Prinz Andrew enthüllt. Jackson erlaubte sich allerdings eine gewisse künstlerische Freiheit. Wilsons Gesicht auf dem Originalfoto war vor Anstrengung verzerrt ("Ich war unser ältester Spieler, hatte gerade 120 Minuten gespielt und Bobby war ein ziemlicher Brocken") doch die Skulptur zeigt ihn mit einem Lächeln.

3 Mannschaften haben bislang ihr erstes WM-Spiel nicht gewonnen und am Ende dennoch den Titel geholt. England war nach dem torlosen Unentschieden gegen Uruguay 1966 die erste davon. Das gleiche gelang Italien 1982 nach einem 0:0 zum Auftakt gegen Polen. Spanien startete beim Triumph 2010 sogar mit einer 0:1-Niederlage gegen die Schweiz ins Turnier.

2 englische Spieler hatten Neffen, die es später selbst zu einem gewissen Ruhm brachten. Torhüter Gordon Banks kaufte einst ein Schlagzeug für Nick, den Sohn seines Bruders David, der mit seiner Band Pulp Hits wie Common People hatte. Ben Cohen, dessen Onkel George als schneller Rechtsverteidiger glänzte, wurde ein schneller Flügelmann im Rugby und gewann 2003 mit England die Rugby-WM.

0 Autogramme gaben die englischen Spieler und Trainer am Abend vor dem Finale auf ihrem halbstündigen Weg zum Kino und zurück. Die Gastgeber waren nicht in eines der Londoner Fünf-Sterne-Hotels gezogen, sondern lieber im bescheidenen Hendon Hall geblieben. Im Kino sah das Team den Film Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten, ohne von Fans oder Passanten belästigt zu werden. "Das ist schon erstaunlich, wenn man es mit dem vergleicht, was Spieler heute erleben", meinte Hurst. Vielleicht zögerten die Menschen zu Recht, sich den englischen Spielern zu nähern. In einer Episode der amerikanischen Sitcom Frasier erzählte Daphne Moon viele Jahre später: "Mein Onkel Jack hat einmal versucht, ein Autogramm von Bobby Charlton zu bekommen. Aber der hat ihm kurzerhand eine Bierdose über den Schädel gezogen. Zwölf Stiche – und die Bierdose hat er immer noch!"