Der weltberühmte Eishockeyspieler Alexander Ovechkin wurde kürzlich zum Botschafter der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ ernannt. In einem Exklusivinterview mit FIFA.com kurz nach seiner Ernennung erklärte er, welche Bedeutung das Turnier für ihn als Fan hat und streifte auch kurz sein Treffen mit Lionel Messi.

Zudem ließ der Kapitän der Washington Capitals wissen, warum er beim Fussball am liebsten im Tor steht. Schließlich sprach er noch kurz eine geheimnisvolle Wette mit einigen russischen Nationalspielern an.

FIFA.com: Ihre Mutter hat zwei Mal olympisches Gold im Basketball gewonnen und Ihr Vater war Profifussballer. Warum haben Sie sich für Eishockey entschieden?
Alexander Ovechkin:
In unserer Familie hat niemand Entscheidungen für mich gefällt. Es ergab sich einfach so, dass ich Eishockeyspieler wurde. Meine Mutter hat mich nie zum Basketball gedrängt. Mein Vater spielte für Dynamo Moskau, doch nach einer Verletzung musste er seine Karriere beenden. Auch er hat mir nie gesagt, dass ich Fussball spielen sollte. Als Kind habe ich eigentlich alle möglichen Sportarten betrieben, Fussball, Basketball, Eishockey und noch mehr. Als ich mich dann entscheiden musste, habe ich eben Eishockey gewählt.

Fussball ist die populärste Sportart in Russland. Warum hat dann das russische Eishockey historisch so viel größere Erfolge vorzuweisen als der Fussball?
Ich bin sicher, wenn man das Ziel hätte, in diesem riesigen Land elf gute Fussballspieler zu finden, würde dies geschehen. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir talentierte und kompetente Leute haben, die der Nationalmannschaft zum Erfolg verhelfen könnten.

Das heißt also, dass man bei der Suche nach neuen Spielern beim Eishockey einfach gewissenhafter vorgeht?
Es ist keine Frage der Gewissenhaftigkeit. Es ist nur einfach so, dass die jungen Spieler im Eishockey viel mehr Möglichkeiten haben, wo sie trainieren und spielen können.

Bedeutet die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ eine Chance, den Fussball auf ein neues Niveau zu bringen und eine Gelegenheit für die Spieler, Ihr Können zu zeigen?
Russland muss unbedingt Fussballschulen und Nachwuchsakademien aufbauen, damit unsere junge Generation aufwachsen kann, ohne von all den vielen schlechten Dingen abgelenkt zu werden, die auf der Straße zu finden sind. Das Land muss durchdacht und gekonnt agieren. Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ wird noch mehr Aufmerksamkeit auf den Fussball lenken.

Sie haben 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gespielt. Wie sind Sie dort mit der großen Erwartungshaltung und dem Rampenlicht als Gastgebernation zurecht gekommen?
Zu Hause zu spielen ist immer ein Vorteil. Die Fans treiben das Team an und man will unbedingt gute Ergebnisse holen. Sollte es allerdings 2018 nicht gut enden, wird das ein negatives Licht auf die Spieler werfen. Doch so ist es im Leben: Man muss immer weiter nach vorn sehen und Fortschritte machen.

Was wäre für die Sbornaya ein erfolgreiches Abschneiden bei der Heim-WM?
Wenn wir den Sprung aus der Gruppenphase schaffen, wäre das schon einmal ein guter Schritt für unser Land, denn 2014 in Brasilien haben wir dein Einzug in die K.o.-Runde ja verpasst. Danach ist alles vom Schicksal abhängig.

Auf Instagram steht ein Foto von Ihnen mit Lionel Messi. Wie kam es zu dem Treffen?
Das war in Washington D.C.; Argentinien war zu einem kleinen Turnier oder einem Vorbereitungsspiel in der Stadt. Jemand aus meinem Klub rief mich an und sagte, es gebe die Möglichkeit zu einem Treffen mit Messi. Diese Chance konnte ich mir natürlich auf gar keinen Fall entgehen lassen. Wir trafen uns, tauschten Trikots aus und er schenkte mir einen Fussball.

Warum ist er Ihr Lieblingsspieler?
Nun, ich drücke zwei Teams die Daumen, nämlich dem FC Barcelona und Dynamo Moskau. Daher ist jeder Barça-Spieler ein Idol für mich. Doch ganz unabhängig davon, wo er spielt: Messi werde ich immer bewundern. Aber ich hoffe natürlich, dass er Barcelona nie verlässt.

Sie haben einmal gesagt es wäre Ihr Traum, für Dynamo Moskau zu spielen. Dynamo spielt mittlerweile allerdings in der zweiten Liga. Ist dieser Traum noch aktuell?
Ja, eigentlich schon, doch ich denke, dass er nie wahr werden wird. Dynamo macht eine schwere Zeit durch und hat wirklich wichtigere Dinge zu tun, als einen Ovechkin spielen zu lassen.

Hätten Sie vielleicht auch Profifussball spielen können?
Ich hätte wohl spielen können, doch ich bezweifle, dass ich großartig viel erreicht hätte. Ich werde manchmal zur Teilnahme an Wohltätigkeitsspielen eingeladen, oder ich gehe mit ein paar Freunden auf den Bolzplatz, aber das ist alles nur Amateurkram. Ich gehe eben manchmal gern raus und kicke ein bisschen herum. Übrigens gehört Fussball fest zum Aufwärmprogramm für Eishockeyspieler. Doch dass ich als Profi erfolgreich gespielt hätte, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Es gibt ein paar Fussballvideos mit Ihnen. In einem Clip spielen Sie Hochhalten. Wo liegt Ihre persönliche Bestleistung?
Ich habe noch nie versucht, dabei Rekorde zu erzielen. Ich denke, um die 20 Mal kann ich es schaffen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihre Eishockeykameraden mit Fussballtricks herauszufordern?
Nein, so etwas läuft mit Eishockeyspielern nicht. Aber ich habe eine Wette mit den russischen Fussballern Denis Glushakov und Igor Akinfeev. Sie hat etwas mit Fussball zu tun, doch noch sind wir nicht zur Ausführung gekommen.

Geht es um ein Elfmeterwettschießen?
Es ist eine ganz private Wette, also kann ich dazu nichts sagen.

Sie stehen beim Fussball oft im Tor. So gesehen ist Akinfeev also ein Rivale.
Nein, ich bin ganz bestimmt kein Rivale von Igor. Jeder hat eine eigene Aufgabe und tut, was er am liebsten tut. Wenn ich Fussball spiele, dann gehe ich am liebsten ins Tor, weil man sich dort nicht so schnell verletzt. Es ist einfach sicherer.

Mit welchen anderen russischen Fussballern sind Sie in Kontakt?
Ich kenne ziemlich viele Nationalspieler und komme mit allen sehr gut klar. Artem Dzyuba habe ich in Sankt Petersburg schon einige Male getroffen und etwas mit ihm geplaudert.

Was halten Sie von Stanislav Cherchesov als Cheftrainer der Sbornaya? Früher war er ja Trainer Ihres Lieblingsklubs Dynamo.
Ich habe mich über seine Ernennung gefreut. Am wichtigsten ist aber, dass es gute Ergebnisse gibt, dass Russland Fortschritte macht und es keine solchen Rückschläge mehr gibt. Ob er nun Spartak- oder Dynamo-Mann ist, spielt wirklich keine Rolle.

Wollen Sie auch selbst Spiele der FIFA Fussball-WM 2018™ sehen?
Auf jeden Fall! Schließlich ist das ein Riesenereignis für unser Land. In vielen Städten werden derzeit neue Stadien und Trainingsanlagen gebaut. Ich schaue jeden Tag auf viele Sport-Webseiten und sehe, dass alle über die WM reden. Russland muss nicht durch die Qualifikation, um beim Turnier dabei zu sein. Wir haben die Garantie, dass wir 2018 mitspielen werden. Einfach gesagt freue ich mich riesig für die Fans und für das Land.

Welche anderen Mannschaften würden Sie gern sehen?
Wenn sich ein Team qualifiziert, dann ist es gut genug, dass die Fans auch zu den Spielen kommen. Für viele gibt es diese Gelegenheit nur ein Mal im Leben. Hier in Russland wird alles fantastisch sein. Was einzelne Spieler angeht, wäre es sehr interessant [Cristiano] Ronaldo wieder live zu sehen. Ich habe ihn damals im Finale der UEFA Champions League im Luschniki-Stadion in Moskau gesehen. Damals war er noch bei Manchester United.

Welchen Ratschlag haben Sie für ausländische Touristen, die zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ nach Russland kommen?
Sie sollten die russische Kultur genießen und überall so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich besichtigen. Jede Stadt in Russland hat etwas zu bieten: Es gibt überall großartige Museen und tolle kulturelle Veranstaltungen. Die Fans sollten unbedingt viel unternehmen und so viele Eindrücke wie möglich sammeln.