Der 14. Oktober 2012 ist ein Datum, das für immer in die Annalen eines afrikanischen Landes einging. Denn an diesem Tag gelang dem vermeintlichen Fussballzwerg Kap Verde mit einem Sieg über den Giganten Kamerun, der ihm die Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal bescherte, eine der größten Überraschungen der jüngeren Geschichte.

Allerdings war dieses Ergebnis nur der Beginn einer beispiellosen Erfolgsserie. Kap Verde avancierte zur kontinentalen Sensationsmannschaft. Nur ein Jahr später schaffte die A-Nationalmannschaft eine noch größere Überraschung, als sie sich in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ mit 2:0 gegen Tunesien durchsetzte und sich so den Einzug in die letzte Qualifikationsrunde der Afrika-Zone sicherte. Doch kurz danach war der Traum von einer möglichen ersten WM-Teilnahme wegen des Einsatzes eines unberechtigten Spielers geplatzt.

Heute will Kap Verde endlich einen Schritt weiter gehen. Der eingeschlagene Weg soll konsequent fortgesetzt und mit einem Erfolg in der Qualifikation für Russland 2018 gekrönt werden. Die Gelegenheit dafür ist durchaus vorhanden. Dies weiß keiner besser als Djaniny Tavares, einer der Schlüsselspieler und aktiven Gestalter der fantastischen Entwicklung, die die kapverdische Nationalmannschaft in den letzten Jahren genommen hat. "Wir werden das in aller Bescheidenheit schaffen", so der schnelle Angreifer im Gespräch mit FIFA.com.

Es ist Zeit, weiter an Boden zu gewinnen
Trotz der guten Vorzeichen startete Kap Verde mit einer 0:2-Niederlage gegen Senegal in die aktuelle WM-Qualifikation. Besonders enttäuscht war Djaniny, zumal er diese Partie aus der Ferne verfolgen musste. "Leider konnte ich selbst nicht dabei sein. Ich hatte gerade eine Operation hinter mir und war noch nicht zu 100 Prozent fit. Ich musste erst wieder meinen Rhythmus finden. Nur so kann ich der Mannschaft am besten helfen."

Inzwischen ist der 1,90 Meter große und antrittsschnelle Stürmer wieder zurück – gerade noch rechtzeitig. Denn im November trifft Kap Verde in Gruppe D, in der sich aufgrund ihrer Ausgeglichenheit niemand eine Atempause gönnen kann, vor heimischer Kulisse auf Burkina Faso.

"Es war viel die Rede davon, dass wir in dieser Gruppe gute Chancen haben würden, die Qualifikation zu schaffen", erinnert sich Djaniny, wobei sein Ton verrät, dass er dem noch etwas hinzufügen möchte. "Aber es sind alles extrem schwere Gegner. Senegal verfügt über Spieler, die in den besten Ligen Europas aktiv sind. Burkina Faso war afrikanischer Vizemeister und Südafrika hat derzeit einen sehr guten Lauf."

Dennoch glaubt Kap Verde weiter an seine Chance. Und das zu Recht. Schließlich war die Mannschaft vor knapp zwei Jahren mit Rang 27 in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste die bestplatzierte afrikanische Mannschaft. Und obgleich man in der Weltrangliste mittlerweile wieder zurückgefallen ist, weiß Djaniny, dass sein Team vom Talent her keine Abstriche machen muss.

"Ja, davon wurde viel geredet. Wir sind in mehreren Spielen ungeschlagen geblieben und haben damit in der Tat etwas Großartiges geleistet. Auch wenn wir jetzt etwas schlechter dastehen, sind wir uns sicher, dass wir, wenn wir weiter bescheiden bleiben, uns auch wieder fangen werden. Was diese Mannschaft auszeichnet ist, dass wir uns alle sehr gut kennen. Es ist die gleiche Spielergeneration, die den Aufschwung für Kap Verde eingeleitet hat. Inzwischen sind wir eine richtige Familie geworden."

Ein höchst ungewöhnlicher Weg
Wenn man sich die Statistik von Djaniny etwas näher ansieht, stellt man fest, dass er trotz seiner vielen Jahre als Nationalspieler gerade einmal 26 Länderspieleinsätze für sein Land absolviert und dabei acht Treffer erzielt hat. Woran das liegt? Nun, im Gegensatz zu vielen seiner Mannschaftskollegen hat der Angreifer einen höchst ungewöhnlichen Werdegang hinter sich.

"Einer der größten Unterschiede dieser Mannschaft in Bezug auf ihre Vergangenheit ist der, dass sie zahlreiche Spieler in ihren Reihen hat, die bei ausländischen Klubs unter Vertrag stehen. Fast alle spielen in Europa, nur ich nicht! Ich war einmal in Portugal aktiv. Doch als der Trainer, den ich dort hatte – sein Name ist Pedro Caixinha – ein Angebot von Santos Laguna aus Mexiko erhielt, nahm er mich einfach mit. "

Tatsächlich vertritt Tavares die Auffassung, dass einer der größten Vorteile der kapverdischen Nationalmannschaft darin besteht, dass ihre Spieler keine Risiken scheuen und fest entschlossen sind, für ihre Träume zu kämpfen. "Wir sind ein sehr bescheidenes Team. Das bedeutet nicht, dass wir keine Träume hätten. Ganz im Gegenteil. Sehen Sie, wir sind ein kleines Land mit zehn Inseln und sehr wenigen Bewohnern [Anm.d.Red.: 525.000 Einwohner]. Uns ist also bewusst, dass wir unterschiedliche Wege gehen müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Genau das hat mich dazu veranlasst, meine Karriere etwas anders zu gestalten. Dies gilt auch für meine Mitspieler im Nationalteam, die ebenfalls ins Ausland gegangen sind."

Sicher, Kap Verde ist ein kleines Land, doch die fussballersichen Ziele sind es ganz und gar nicht. Darin sind sich nicht nur die kapverdischen Nationalspieler einig, sondern auch ihre Fans. Diese beschreibt Djaniny so: "Unsere Fans wollen immer alles. Sie sind sehr anspruchsvoll und verlangen uns stets alles ab. Erst dann sind zu zufrieden! Das heißt, dass wir gute Spiele abliefern und sie möglichst auch gewinnen müssen. Wir wissen, dass dies alles andere als leicht sein wird. Aber mit Selbstvertrauen und Bescheidenheit ist alles möglich - sowohl für uns wie auch für die Fans."