"Mut ist Anmut unter Druck", schrieb der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway. Die Entscheidung des Torhüters Noor Sabri, nach seinem internationalen Rücktritt wieder zurückzukehren, um seine Nationalmannschaft zu unterstützen, ist ein Beispiel für großen Mut. Zumal davon ausgegangen werden kann, dass er mit Irak an der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ teilnehmen wird.

Die Geschichte begann im November 2013, als der 31-jährige Schlussmann wenige Monate, nachdem er beim Golf-Cup in Bahrain als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet worden war, seinen Abschied aus der Nationalelf bekanntgab. Bei diesem Wettbewerb erreichten die Iraker übrigens das Finale, das nach Verlängerung knapp gegen Vereinigte Arabische Emirate verloren wurde.

Sabri, der einen wesentlichen Beitrag zum Gewinn der AFC Asienmeisterschaft 2007 leistete, sagt im Gespräch mit FIFA.com: "Ich entschloss mich während eines Trainingslagers mit der Nationalmannschaft zum Rücktritt. Verschiedene Umstände ließen diese Entscheidung in mir reifen: Ein Formtief und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Nationalmannschaft, aber auch der Wunsch, jungen Torhütern eine Chance zu geben."

Noor Sabri stand daraufhin über anderthalb Jahre nicht im Kader der Löwen von Mesopotamien. In dieser Zeit arbeitete er daran, wieder zu seiner alten Form als bester irakischer Torhüter zu finden. Dies ist ihm gelungen, und zusätzlich holte er mit Naft Alwasat den ersten nationalen Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Trotz seines freiwilligen Exils war Sabri der Nationalelf "mit dem Herzen und in Gedanken" stets nahe. "Ich fühle eine starke Bindung zur Nationalmannschaft und habe ihr Schicksal auch nach meinem Rücktritt weiter verfolgt. Sie war immer in meinem Herzen. Ich habe mir die Partien im Fernsehen angesehen und hatte jedes Mal den Wunsch, mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen."

Seine Leistungen in der nationalen Liga sowie das Fehlen eines geeigneten Kandidaten für die Nachfolge - Irak stellte beim Asien-Cup 2015 mit neun Gegentreffern das zweitschlechteste Team - waren schließlich die ausschlaggebenden Faktoren für die Rückkehr des Torhüters, der 2003 seine Länderspielkarriere begann.

Sabri erläutert die Gründe für seine Rückkehr: "Es herrschte ein riesiger Druck, da die Fans mit den Leistungen auf der Torwartposition nicht zufrieden waren. Den Jungen fehlte das Vertrauen. Es gab Aktionen in den sozialen Netzwerken und Anfragen, die mich zur Rückkehr bewegten."

So stand Noor Sabri beim Freundschaftsspiel gegen Libanon in der letzten Woche erstmals wieder auf dem Platz. Und er stellte auf Anhieb mit einem in der ersten Halbzeit gehaltenen Elfmeter seine Klasse unter Beweis und trug wenige Tage vor dem ersten Qualifikationsspiel für Russland 2018 zum 3:2-Erfolg seines Teams bei.

*Dem Druck standhalten *Die Entscheidung fiel Sabri nicht leicht. So fragte er seine Familie und Freunde um Rat, bevor er erneut dem Ruf der Nationalelf folgte. Die Rückkehr des Schlussmanns, der bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen den Kasten der Iraker hütete, ist eine delikate Angelegenheit. Die anstehende Qualifikation für Russland 2018 stellt einen enormen zusätzlichen Druck für ihn dar.

"Vor meiner Entscheidung zum Rücktritt sprach ich darüber mit meiner Familie und meinen Freunden. Sie waren der Meinung, dass ich den Jungen in der Nationalmannschaft eine Chance geben solle. Als ich mich für die Rückkehr entschied, freute sich meine Familie, war aber gleichzeitig besorgt wegen des Drucks, der stets auf der Position des Torhüters lastet."

Doch er ergänzt selbstbewusst: "Für mich ist dieser Druck ein Teil des Spiels. Ich bin in der Lage, ihn zu überwinden. Mein Ziel besteht darin, mit meiner Erfahrung den anderen Torhütern zu helfen, damit dieser Posten in Zukunft in guten Händen ist."

Die Zuversicht Sabris verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass er seine dritte WM-Qualifikation bestreiten wird. Der irakische Schlussmann hofft darauf, dass seine Erfahrung der Mannschaft dienen wird, um im dritten Anlauf das große Ziel zu erreichen. Die aktuelle Generation des irakischen Fussballs hat durchaus schon Erfolge vorzuweisen, nun fehlt nur noch die Qualifikation für das weltweite Gipfeltreffen. Die Erwartungen sind riesig, da die einzige WM-Endrundenteilnahme der Löwen von Mesopotamien in Mexiko 1986 erfolgte.

*Das Abenteuer beginnt *"Nach der Qualifikation für Mexiko 1986 hat die Nationalmannschaft versucht, ein weiteres Mal dabei zu sein, doch jede Generation scheiterte aufgrund der Krise, die das Land durchlebt", erklärt Sabri. "Die aktuelle Mannschaft verfügt über 14 Profispieler, die im Ausland aktiv sind. Dies gibt uns hinsichtlich der Qualifikation Anlass zu Optimismus."

Sabri und seine Mitstreiter werden in der Qualifikationsgruppe F der Asien-Zone einen guten Start hinlegen müssen, um ihr Ziel zu erreichen. Das Abenteuer beginnt am 3. September gegen Chinese Taipei, bevor fünf Tage später Spitzenreiter Thailand die Iraker erwartet.

Der warmherzige Empfang, den seine Teamkameraden ihm bereitet haben, hat den Torhüter bewegt. "Diese zwei Spiele sind wichtig für uns. Insbesondere das Auswärtsspiel gegen Thailand, das mit sechs Punkten an der Tabellenspitze liegt, wird entscheidend sein. Manche werden sagen, dass es eine leichte Gruppe ist, doch das ist nicht der Fall. Die anderen Teams sind aus Ostasien, weshalb wir mit langen Reisen und ungewohnten klimatischen Bedingungen fertig werden müssen."

In jedem Fall können die irakischen Anhänger ihrem Torhüter vertrauen, denn er hat bereits bewiesen, dass er dem Druck standhalten kann. Und wie schon der schottische Philosoph Thomas Carlyle sagte: "Ohne Druck kann der Diamant keine Form annehmen."

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