Die Gruppenauslosung der zweiten asiatischen Qualifikationsrunde für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ löste bei den 40 Teilnehmern die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Zwar mögen die Beteiligten in diesem Turnier unterschiedliche Ambitionen haben, aber sie alle wollen natürlich in ihrem Rahmen Erfolge feiern.

Zuversicht bei den vier Supermächten
Im Rampenlicht stehen weltweit vor allem die vier großen Fussballnationen Australien, Japan, die Republik Korea und Iran, die den bevölkerungsreichsten Kontinent allesamt bei der WM 2014 in Brasilien vertreten haben. Beim australischen Trainer Ange Postecoglou sind die Erinnerungen an den Titelgewinn beim AFC Asien-Pokal im Januar noch frisch, und so gibt er sich verständlicherweise optimistisch, was einen Startplatz für die abschließende Qualifikationsrunde und den AFC Asien-Pokal 2019 angeht. Dazu müsste sein Team eine Gruppe gewinnen, in der außerdem noch Jordanien, Kirgisistan, Tadschikistan und Bangladesch vertreten sind.

"In den letzten 18 Monaten haben wir uns auf dem Platz und abseits davon von unserer bestmöglichen Seite gezeigt. Darauf sind wir sehr stolz", so der Cheftrainer der Socceroos. "Wir werden [in dieser Gruppe] logistisch und fussballerisch vor einigen Herausforderungen stehen, aber wir werden weiterhin hart arbeiten, um sicherzustellen, dass wir allen Anforderungen gewachsen sind."

Der Einzug in die nächste Runde sollte für Australien durchaus machbar sein, Postecoglou sieht die bevorstehende Turnierphase jedoch gleichzeitig als Chance zur Standortbestimmung seiner im Umbruch befindlichen Mannschaft. "Wir haben nun weitere acht Länderspiele vor uns, in denen wir dem Kern des Kaders zu mehr Erfahrung verhelfen können", erklärt er bezüglich des Turniers, das über einen Zeitraum von neun Monaten von Juni 2015 bis März 2016 stattfindet. "Hier werden jüngere Spieler Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen, so dass wir unsere Kadertiefe ausbauen können."

Ähnlich positiv äußert sich Uli Stielike, Trainer der Republik Korea, dessen Mannschaft gegen Kuwait, Libanon, Myanmar und Laos antreten muss. "Das ist ein relativ humanes Los für uns", erklärt er. "Dennoch müssen wir Respekt vor unseren Gegnern zeigen und sie ernst nehmen, denn in der Qualifikation gibt es keine leichten Teams."

Sowohl Kuwait als auch Libanon sind keine Unbekannten für die Republik Korea, denn gegen das Duo aus Westasien musste man bereits auf dem Weg nach Brasilien antreten. "Wir haben Kuwait beim letzten Asien-Pokal mit 1:0 geschlagen. Das Team dürfte also auf Revanche aus sein. Libanon ist physisch ein sehr starkes Team und wir werden gut vorbereitet in die Partie gehen", so Stielike bezüglich einer libanesischen Mannschaft, die während des zuvor erwähnten Qualifikationswettbewerbs mit einem 2:1-Sieg gegen die Taeguk Warriors Schlagzeilen machte.

Japans neuer Trainer Vahid Halilhodzic war sichtlich erleichtert, nachdem sein Team mit Syrien, Afghanistan, Singapur und Kambodscha in einer Gruppe gelandet war. "Wir sind in einer guten Gruppe, unsere Gegner sind nicht auf unserem Niveau", so der Bosnier, der bei der WM 2014 mit Algerien das Achtelfinale erreichte. "Wir wollen all unsere Spiele auf dem Weg nach Russland gewinnen. Ich kann nicht sagen, dass es einfach werden wird, die Auswärtspartien zu gewinnen, aber wir müssen mit Selbstvertrauen an die Sache herangehen."

Vorsichtige Verfolger
Die VR China hat in den letzten drei WM-Qualifikationsturnieren jeweils den Einzug in die letzte Runde verpasst und hofft nun auf einen Platz unter den letzten Zwölf. Genährt wurden diese Hoffnungen von einem zumindest auf dem Papier machbaren Los. Die Malediven, Bhutan und Hongkong werden der bevölkerungsreichsten Nation der Erde vermutlich nicht das Wasser reichen können, Katar bereitet Trainer Alain Perrin allerdings Kopfzerbrechen.

"Katar ist eine Mannschaft, die ich nicht zugelost bekommen wollte", so der ehemalige Trainer der katarischen U-23-Auswahl. "Ich kenne die Spielweise des Teams. Ich glaube, die Katarer sind die stärksten unter den nicht Top gesetzten Mannschaften."

Der Gastgeber der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ hatte China bereits in einem entscheidenden Qualifikationsspiel für Frankreich 1998 mit 3:2 geschlagen und damit die Teilnahme der Chinesen am Weltturnier verhindert. In der Qualifikation für Südafrika 2010 zogen die Katarer dann dank eines 1:0-Auswärtssieges wieder auf Kosten der Chinesen in die nächste Runde ein. "Jetzt werden sich unsere Pfade erneut kreuzen und wir müssen alles daran setzen, sie diesmal zu schlagen", fügt er hinzu. "Wir sollten uns die größte Mühe geben, alle acht Spiele zu gewinnen. Unser Ziel ist die Qualifikation für Russland 2018, also sollten wir gewappnet sein."

Jordanien schrieb in der Qualifikation für Brasilien 2014 Geschichte, als das Land unter den letzten Zehn landete. Dort erreichte man zu Hause einen spektakulären 2:1-Sieg gegen Australien. Diese jüngste Geschichte wird Trainer Ahmed Abdel-Qader und seinen Schützlingen sicherlich einiges Selbstbewusstsein verliehen haben und so möchte man an das gute Ergebnis gegen die Socceroos anknüpfen. "Ich glaube wir haben gute Chancen, uns zu qualifizieren", so Abdel-Qader. "Die vorherigen Erfahrungen gegen sie [Australien] sind ermutigend."

Auch der libanesische Kapitän Roda Antar möchte mit seinem Team mehr Einfluss nehmen und hofft, der Republik Korea etwas entgegensetzen zu können. "Wir haben keine leichte Aufgabe vor uns", so der Mittelfeldspieler von Hangzhou Greentown gegenüber FIFA.com. "Aber nichts ist unmöglich, wenn man bedenkt, dass wir auch zuvor schon gegen die Koreaner gewonnen haben. Wir sollten offensiv an die Sache herangehen und das Auftaktspiel gewinnen, denn dadurch können wir eine Siegermentalität aufbauen."

Optimistisch und voller Selbstvertrauen geht ebenso Chen Po-Liang, Kapitän von Chinese Taipei, in die bevorstehenden Spiele. "Das ist keine schlechte Gruppe für uns, weil der Abstand zwischen uns und den anderen Teams nicht ganz so groß ist. Irak ist um einiges stärker als wir, aber die anderen drei Mannschaften (Vietnam, Thailand und Indonesien) sind auf unserem Niveau. Wir haben die Möglichkeit, Punkte zu holen und vielleicht können wir sie auch überraschen. Die erste Runde gegen Brunei hat uns einiges gelehrt und wir werden diesmal besser vorbereitet sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass dies die WM-Qualifikation ist und sollten daher die Spiele genießen."

Nach ihrem beeindruckenden Einzug ins Halbfinale des AFC Asien-Pokals gehören die Vereinigten Arabischen Emirate nun in der WM-Qualifikation zum Favoritenkreis. Trotz der steigenden Erwartungen warnt Trainer Mahdi Ali sein Team vor Saudiarabien. "Das wird ein sehr harter Wettbewerb werden", sagt er. "Saudiarabien wird uns Probleme bereiten. Diese Spiele werden uns dabei helfen, unser Team zusammenzustellen, und wir werden in der Lage sein, unser Ziel zu erreichen und uns für die WM zu qualifizieren."

Selbst die Außenseiter wollen beweisen, dass sie nicht als bloße Punktelieferanten antreten. Da dieses Turnier gleichzeitig als Qualifikation für den nächsten AFC Asien-Pokal dient, ist dem indischen Trainer Stephen Constantine durchaus bewusst, dass für sein Team viel auf dem Spiel steht. Allerdings wurden die Inder mit Iran und Oman in eine Gruppe gelost. "Das ist ein hartes Los", so der Engländer. "Zur Stärke unserer beiden größten Rivalen braucht man nichts mehr zu sagen. Mir ist auch bewusst, dass es gegen Turkmenistan und Guam knifflig werden wird, die beide gute Fortschritte erzielt haben. Aber es ist immer gut, dabei zu sein, und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zu einem guten Ergebnis zu kommen."