Es versprach von Anfang an eine besondere FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zu werden. Ausgetragen von einer Nation, die sinnbildlich für das Beste im Fussball steht, konnte die 20. Auflage des größten Spektakels dieses Sports nicht wie jede andere sein. Und die Fans wurden nicht enttäuscht. Brasilien 2014 erwies sich in mehrfacher Hinsicht als außergewöhnlich und erlebte volle Stadien und leidenschaftliche Fanscharen, die Zeugen spannender Spiele, Überraschungen und einer Rekordanzahl von Toren wurden.

Das Turnier sah auch ein deutsches Team, das verdient eine Trophäe eroberte, die es zuvor drei Mal gewonnen hatte. Gleichzeitig war es die erste europäische Mannschaft, die auf dem amerikanischen Kontinent triumphierte. Die Auswahl von Joachim Löw erwies sich als ein würdiger und beeindruckender Sieger, obwohl es zum dritten Mal in Folge im Finale eine Verlängerung brauchte, um eine Entscheidung herbeizuführen. In diesem Jahr füllte Mario Götze die Rolle aus, die 2010 von Andres Iniesta gespielt wurde.

Der brillante Siegtreffer des eingewechselten Spielers in der 113. Minute bestätigte auch die europäische Dominanz beim weltweiten Gipfeltreffen. Der alte Kontinent brachte nun zum dritten Mal in Folge den Weltmeister hervor, was eine Rekordserie darstellt. Es war zudem ein Tor, welches das legendäre und unvergleichliche Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro zum Beben brachte und sich als passender Abschluss eines wahrhaft unvergesslichen Turniers erwies.

Entscheidende Momente
Entthronte Könige 
Wenige Mannschaften haben eine Ära dermaßen geprägt wie Spaniens Nationalelf, die zwischen 2008 und 2012 drei große Turniere in Folge gewann. Doch alles hat ein Ende, und für die goldene Generation der Roja fiel der Vorhang in Brasilien 2014. Es war ein brutaler und demütigender Abschluss einer faszinierenden Fussballgeschichte. Vicente del Bosques Team scheiterte nach deutlichen Niederlagen gegen die Niederlande und Chile bereits in der Vorrunde. "Bei dieser WM haben wir versagt", sagte Del Bosque unverblümt. "Dafür übernehmen wir alle die Verantwortung."

Ticos weisen Außenseitern den Weg 
Brasilien 2014 mag mit einem Kampf um die Vorherrschaft zwischen Europa und Südamerika geendet haben, doch es war auch ein Turnier, in dem weniger traditionsreiche Kontinente Geschichte schrieben. Zum ersten Mal in der Turnierhistorie zogen zwei Vertreter Afrikas in die K.o.-Phase ein. Insbesondere Algerien wusste mit seiner schnellen und intensiven Spielweise zu überzeugen, mit der es Deutschland einen gehörigen Schrecken einjagte. Doch nicht einmal die Fennecs konnten es mit Costa Rica aufnehmen. Die Ticos entpuppten sich als die große Überraschung des Turniers und eroberten weltweit die Herzen der neutralen Zuschauer. Aus einer Gruppe mit England, Italien und Uruguay, in der ihnen niemand eine Chance eingeräumt hatte, gingen sie als Sieger hervor. Erst im Viertelfinale, nachdem sie den Niederlanden einen ehrenhaften Kampf geliefert hatten, scheiterten die Mittelamerikaner nach Elfmeterschießen.

Ruhmreiche Torhüter
Eine derart torreiche WM könnte zu dem Schluss verleiten, dass die Leistungen der Torhüter weniger spektakulär gewesen seien. Weit gefehlt. Das Turnier wurde von den herausragenden Auftritten der Männer zwischen den Pfosten geprägt. Die Paraden von Tim Howard, Keylor Navas, Guillermo Ochoa, Manuel Neuer oder Sergio Romero waren genauso denkwürdig wie die Treffer ihrer Kollegen auf dem Feld. Besondere Erwähnung verdienen auch Tim Krul und Faryd Mondragon. Der Niederländer wurde im Viertelfinale eigens für das Elfmeterschießen eingewechselt und verhalf seinem Team zum Weiterkommen. Der kolumbianische Schlussmann ging drei Tage nach seinem 43. Geburtstag als ältester Teilnehmer in die WM-Historie ein.

Vom Helden zum Bösewicht 
In Uruguay hatten im Vorfeld des Turniers die Sorgen um den Fitnesszustand von Luis Suarez die Schlagzeilen dominiert. Kaum dass er für seinen ersten Einsatz das Feld betrat, zeigte der Stürmer, warum dieses Thema einen solchen Wirbel verursacht hatte. Mit zwei herausragenden Toren brillierte Suarez gegen England und gab der Celeste nach der Auftaktniederlage gegen Costa Rica, bei der er noch gefehlt hatte, neue Hoffnung. Im darauffolgenden Spiel indes zeigte sich eine dunklere Seite dieses außergewöhnlich talentierten Stürmers. Giorgio Chiellini wurde zum jüngsten Opfer eines Bisses von Suarez. Dies hatte entsprechend harte Konsequenzen. Suarez wurde für neun Spiele und vier Monate gesperrt. Ohne die Mitwirkung ihres dynamischen Angreifers scheiterte Uruguay in der nächsten Runde an Kolumbien.

Können und Fairness 
Mit seiner Spielübersicht, seinem Trickreichtum und mit spektakulären Toren war James Rodriguez in Brasilien 2014 eine der größten Attraktionen für die Zuschauer. Und selbst als das Turnier gegen Brasilien ein tränenreiches Ende fand, wurde deutlich, dass der kolumbianische Spieler mit der Nummer zehn nicht nur die Herzen der Fans erobert, sondern sich auch den Respekt seiner Kollegen verdient hatte. In einer der besonders rührenden Szenen des Turniers tröstete David Luiz seinen niedergeschlagenen Rivalen und wandte sich an das Publikum in Fortaleza, das bereitwillig reagierte und dem einzigartigen Talent Applaus spendete.

Der Traum der Seleção wird zum Alptraum 
Bei dieser WM wollte Brasilien endgültig die Geister des berühmten Maracanazo von 1950 bannen. Doch es kam alles anders. Stattdessen sorgte die Seleção für vielleicht noch schmerzhaftere Erinnerungen. Erstmalig seit 1940 verlor sie zwei Heimspiele in Folge, und es waren keine gewöhnlichen Niederlagen. Die 1:7-Demütigung im Halbfinale gegen Deutschland egalisierte die höchste Niederlage in der Geschichte des Landes, und im Spiel um Platz drei folgte eine 0:3-Schlappe gegen die Niederlande. Am Ende standen bei den Brasilianern, die bei einer WM noch nie mehr als elf Gegentreffer kassiert hatten, 14 Gegentore zu Buche. Damit wurden sie zum ersten Gastgeber, der eine Endrunde mit dem schlechtesten Torverhältnis des Turniers beendet.

Ruhm für Götze
Brasilien 2014 mag für den Gastgeber mit einer Schmach geendet haben. Doch Brasilien ist nach wie vor das einzige Land, das mehr WM-Titel vorzuweisen hat als Deutschland. Mit dem Triumph in Rio de Janeiro zog der neue Weltmeister mit Italien gleich, das vier Mal die Trophäe in die Höhe recken konnte. Erwartungsgemäß war die Rückkehr Deutschlands auf den Fussballthron eine denkbar knappe Angelegenheit. Argentinien wird den verpassten Gelegenheiten noch lange nachtrauern. Gonzalo Higuain, Lionel Messi und Rodrigo Palacio kamen in verschiedenen Spielphasen jeweils zu guten Einschussmöglichkeiten, doch alle drei verfehlten das Ziel. Götze hingegen machte das Beste aus einer halben Chance und erteilte seinen Gegenspielern in der Albiceleste mit einem Treffer, der eines Titelgewinns würdig war, eine Lektion in Sachen Torabschluss.

Statistik des Turniers
16 
- So viele WM-Tore hat Miroslav Klose am Ende von Brasilien 2014 auf dem Konto. Damit ist er der Rekordtorschütze des Wettbewerbs. Der 36-Jährige war im Verlauf des Turniers zwei Mal erfolgreich und übertraf den Rekord von Ronaldo, den der Brasilianer in Deutschland 2006 aufgestellt hatte. Dank dieser Tore, gekrönt durch Götzes Siegtreffer im Maracana, war dies neben Frankreich 1998 mit 171 Treffern die torreichste Endrunde aller Zeiten.

Tweet des Turniers

Die Kanzlerin feiert mit den Weltmeistern. #dfbteam #aneurerseitepic.twitter.com/XFTEQ4Dgil

— DFB-Team (@DFB_Team) 13. Juli 2014