Die technische Analyse der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ stand im Fokus der FIFA/UEFA Konferenz für Nationaltrainer und technische Direktoren, die vom 16.-17. September im russischen St. Petersburg stattfand.

Zwei Tage lang trafen sich die Vertreter der 54 UEFA-Mitgliedsverbände, um das vor gut zwei Monaten zu Ende gegangene Turnier in Brasilien ausführlich zu analysieren. Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung wurde Joachim Löw für das Erreichen des WM-Titels ausgezeichnet und von den Trainer-Kollegen gebührend gefeiert. Der Nationaltrainer des siegreichen deutschen Teams nahm die Glückwünsche aus dem Kollegenkreis entgegen, betonte aber im Gespräch mit Ioan Lupescu, UEFA Chief Technical Officer und Mitglied der FIFA TSG bei der WM 2014, dass nicht der Trainer Weltmeister wird, sondern ein ganzes Team. "Ein Rädchen muss ins andere greifen, alle Puzzleteile müssen zusammenpassen, um am Ende ein Gesamtbild zu bekommen", sagte Löw.

Der Nationaltrainer, der seit 2006 als Bundestrainer für die Nationalmannschaft verantwortlich ist, gab einen ausführlichen Einblick in die Arbeit vor und während der WM. "Die Kernaufgabe für einen Trainer ist die richtige Auswahl der Spieler. Der Charakter der Spieler spielt gerade bei einem solchen Turnier eine wichtige Rolle", so Löw.

Einen großen Anteil am Erfolg sprach Löw auch seinen Trainer-Kollegen im Juniorenbereich zu, ohne deren Arbeit ein solcher Erfolg nicht möglich wäre. "Die Trainer im Juniorenbereich sind Weltmeistermacher", lobte Löw die Arbeit im Jugendbereich und führte dies auf den Erfolg der neuen Strukturen zurück, die der DFB nach schwierigen Jahren der Nationalmannschaft um die Jahrtausendwende mit den Leistungszentren eingeführt hatte.

Deschamps: "Teilnahme WM das höchste"
Neben der Technischen Analyse der WM, die von Jean-Paul Brigger, dem Abteilungsleiter der technischen Studiengruppe der FIFA präsentiert wurde, beleuchteten die TSG-Mitglieder Gérard Houllier, Mixu Paatelainen und Ginés Meléndez die verschiedensten Aspekte des Spiels und zeigten die neuesten Trends auf, die sich im weltweiten Fussball entwickeln. In einer Podiumsdiskussion gaben dann fünf an der WM beteiligte europäische Trainer Einblicke in ihre Arbeit vor und während der WM.  

Für Didier Deschamps war die WM ein großes "Abenteuer". "Nichts ist für ein Spieler oder Trainer höher als die Teilnahme an einer WM", sagte der französische Coach.  "Der Teamgeist ist entscheidend", erklärte der Weltmeister von 1998, dessen Mannschaft im Viertelfinale gegen Deutschland ausschied. "Neun meiner Spieler waren unter 25 bei der WM. Für sie war es eine großartige Erfahrung, und sie werden viel mitnehmen und noch stärker sein bei der Heim-Europameisterschaft in zwei Jahren."

Ins gleiche Horn blies auch Fabio Capello, dessen russisches Team viel Erfahrung für die Heim-WM in vier Jahren mitnimmt. Der amtierende Europameister Vicente Del Bosque lobte das deutsche Team, das "ein fantastisches Beispiel für Geduld war." "Einzelne Spieler können einen Unterschied machen, aber Deutschland hat ausgezeichnet, dass sie als Team gewonnen haben."

Englands Roy Hodgson und Kroatiens Niko Kovac nahmen trotz des frühen Ausscheidens ihrer Teams viel mit für die anstehenden Aufgaben. Kovac, zweitjüngster Coach bei der diesjährigen WM, erklärte die Herausforderung, diejenigen Spieler zu trainieren, mit denen er noch vor Monaten zusammengespielt hat.

Weniger Verletzungen dank Fairplay
Am zweiten Tag standen die Themen Medizin und Schiedsrichterwesen auf dem Programm. Jiri Dvorak, der Chief Medical Officer der FIFA gab einen Rückblick auf die WM aus medizinischer Sicht und erklärte im Speziellen das Verfahren der Doping-Kontrolle vor und während des Turniers. Einen Einblick in die Vorbereitung und die Auswahl der Schiedsrichter für die FIFA WM gab der Abteilungsleiter für Schiedsrichterwesen bei der FIFA, Massimo Busacca. Beide Referenten stellte insbesondere das Thema Fairplay heraus und die Tatsache, dass es in Brasilien zu 40% weniger Verletzungen als noch vor Jahren in Südafrika kam.

Abschließend erklärte der Generalsekretär des englischen Fussballverbandes, Alex Horne die neue Struktur im International Football Association Board (IFAB), und wie die Trainer ihre Vorschläge aktiv einbringen können.

Nach zwei intensiven Tagen mit vielen Eindrücken und Informationen werden die Nationaltrainer mit neuen Ansichten zu ihren Nationalmannschaften zurückkehren und sicherlich das ein oder andere in die Trainingsarbeit mit einfließen lassen.

Die Konferenzen für die verbleibenden drei Kontinentalverbände finden Ende September und Ende Oktober statt. Vom 30. September bis 1. Oktober führt die FIFA gemeinsam mit dem afrikanischen Kontinentalverband CAF die technische Konferenz in Kairo durch. Vom 29. bis 31. Oktober findet dann in Kuala Lumpur die letzte Konferenz für die Mitgliedsverbände von AFC (Asien) und OFC (Ozeanien) statt.