Nwankwo Kanu und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, das gehörte immer irgendwie zusammen, denn Kanu spielte drei Endrunden in drei Jahrzehnten. Der groß gewachsene Stürmer verhalf Nigeria 1998 in Frankreich zum Überstehen der Vorrunde. Es war das bislang beste Abschneiden der Afrikaner bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft. 2010 in Südafrika nahm Kanu schließlich seinen Abschied von den Super Eagles.

Letztes Jahr verriet er gegenüber FIFA.com: "Jeder will sein Land bei der Weltmeisterschaft vertreten und dort hat man dann drei Ziele. Man will dabei sein, man will sich in den Vordergrund spielen, und man will gewinnen."

Der ehemalige Stürmer von Ajax Amsterdam, Inter Mailand und dem FC Arsenal ist heute in Brasilien vor Ort und schaut der Auswahl seines Landes dabei zu, wie sie das erste dieser Ziele erreicht. Er hofft natürlich, dass auch aus dem zweiten Ziel noch etwas wird und, ja, vielleicht sogar auch aus dem dritten. FIFA.com traf sich am Rande des nigerianischen 1:0-Siegs gegen Bosnien-Herzegowina in Cuiaba mit Kanu und fragte ihn nach seinen Ansichten zur aktuellen nigerianischen Nationalmannschaft.

Wie fanden Sie das Spiel Nigerias gegen Bosnien-Herzegowina?
Der Iran hat sich gegen uns ja praktisch nur hinten rein gestellt. Bosnien-Herzegowina wollte dagegen gewinnen und hat auch nach vorn gespielt. Das hat uns in die Karten gespielt und kam unserer Spielweise entgegen.

Glauben Sie, dass Nigeria den zum Erreichen des Achtelfinals nötigen Punkt gegen Argentinien noch holen kann?
Ja, das glaube ich, weil sich Nigeria bisher von Spiel zu Spiel gesteigert hat. Deshalb bin ich überzeugt, dass im Argentinien-Spiel das Selbstvertrauen und die Siegermentalität aus dem Bosnien-Spiel zum Tragen kommen wird und wir eine gute Partie abliefern werden.

Gefällt es Ihnen, dass mit Stephen Keshi eine nigerianische WM-Legende Nationaltrainer in Brasilien ist?
Ja, wir unterstützen ihn. Wir wissen, was er kann. Das hat er ja schon beim Afrikanischen Nationen-Pokal gezeigt. Jetzt muss er noch mal nachlegen. Es ist gut zu sehen, dass er, unser ehemaliger Kapitän, jetzt Nationaltrainer ist. Er war als Spieler schon bei der WM dabei. Jetzt führt er die Mannschaft wieder bei diesem Turnier.

Sie haben ja als junger Super Eagle noch mit Keshi zusammen gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Wir nannten ihn "Big Boss" [lacht]. Er war der große Chef, der die Entscheidungen getroffen hat. Wir als jüngere Spieler hatten das zu respektieren und zu tun, was er sagte. Aber das Gute an ihm war, dass er Einfluss genommen hat, und ich glaube, das sieht man auch jetzt an seiner Art, wie er die Nationalmannschaft führt.

Die nigerianische Mannschaft ist noch ziemlich jung. Glauben Sie, dass von ihr in Zukunft noch mehr zu erwarten ist?
Als [Keshi] die Nationalmannschaft übernommen hat, hat er gesagt, wir müssen etwas aufbauen - und ehe wir uns versahen, waren wir Afrikameister. Jetzt sind wir bei der Weltmeisterschaft. Entsprechend halte ich das Ganze tatsächlich für ein im Aufbau befindliches Werk.

Genießen Sie es, mit der Mannschaft durch Brasilien zu reisen?
Ja, und wie! Und ob ich glaube, dass ich das ganze Turnier über hier sein werde? Ich würde sagen ja, denn wir kommen natürlich ins Halbfinale!