Ein Südkoreaner mischt derzeit die Bundesliga auf und schießt sich in die Herzen aller Fans des Hamburger SV. Am vergangenen Spieltag des deutschen Oberhauses stellte Heung Min Son seine große Qualität und seine derzeitige Topform mit einem Doppelpack gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund eindrucksvoll unter Beweis und brachte den europaweit gefürchteten Hexenkessel des BVB zum Schweigen und Staunen. Dem Toreaner des HSV scheint in dieser Saison der große Durchbruch zu gelingen.

Kaum zu glauben, dass Son, der in der Bundesliga auf dem Weg zum Superstar ist und von Klubs aus ganz Europa gejagt wird, in der Nationalelf seines Heimatlandes Korea Republik noch nicht die tragende Rolle spielt wie derzeit beim HSV. "Ich bin noch ein junger Spieler und muss noch viel lernen. Der Trainer trifft dann die Entscheidung, wann er es für richtig hält, mich aufzustellen", zeigt sich der erst 20-Jährige gegenüber FIFA.com geduldig. Lange wird Choi Kang-Hee aber sicherlich nicht mehr um das Sturm-Juwel herumkommen.

Auf den Spuren von Seeler und Hrubesch
Für Trainer Thorsten Fink ist Son jetzt schon kaum noch wegzudenken aus der Startelf der Rothosen, und Sonny zahlt dieses Vertrauen mit Toren zurück. "Ich habe mit meinem Trainer hart gearbeitet, und er hat mir viele Tipps gegeben. Es ist schön, dass ich hier das Vertrauen geschenkt bekomme und spielen darf."

Derzeit ist er schon bei neun Saisontoren angelangt. Nur Sturmpartner Artjoms Rudnevs hat teamintern noch einen Treffer mehr erzielen können (10). Gemeinsam bilden sie das seit Jahren torgefährlichste Sturmduo in der Hansestadt und sind aktuell beide unter den zehn treffsichersten Stürmern der Bundesliga zu finden. Damit wandelt das Duo auf den Spuren von HSV-Legenden wie Uwe Seeler und Horst Hrubesch.

Lob vom Idol und Respekt für Vorbilder
Seine Leistungen sorgen auch für Lob von Südkoreas Fussball-Idol schlechthin: Bum Kun Cha. "Ich habe ihn vor zwei Jahren beim Asien-Cup das erste Mal persönlich getroffen. Er ist der Superstar in meinem Land und jeder kennt ihn. Er sagte zu mir, dass er es gut findet, dass ich in der Bundesliga so gute Leistungen zeige und ich so weitermachen soll", erzählte Son.

Fussballerisch schaut der Torjäger aber auch noch auf andere Spieler. Eines seiner großen Idole trägt seit einigen Monaten mit ihm gemeinsam die Raute auf dem Trikot. "Rafael van der Vaart ist ein großes Vorbild für mich, und es ist ein Traum, dass ich mit ihm in einer Mannschaft spielen darf. Er ist ein großartiger Akteur, und ich habe sehr großen Respekt vor ihm."

Und wer Großes  vor hat, der muss sich auch mit den Größten messen, oder sie zumindest beäugen. "Cristiano Ronaldo hat eine brillante Technik und ist dazu sehr torgefährlich. Ich schaue ihm sehr gerne beim Spielen zu und versuche, mir bestimmte Dinge abzuschauen", schwärmt der Hamburger vom FIFA Weltfussballer des Jahres 2008.

Brasilien als Antrieb für harte Arbeit
In knapp 500 Tagen startet in Brasilien die FIFA WM 2014™, und auch Heung Min Son möchte sich im Land des fünfmaligen Weltmeisters einen Kindheitstraum erfüllen. Er scheint für dieses Ziel bereit zu sein, weiter an sich zu arbeiten. "Die WM in Brasilien ist mein großer Traum und meine Hoffnung. Ich habe ja noch etwas über ein Jahr Zeit, um mich weiterzuentwickeln und dort dann für mein Land auflaufen zu können."

Mit dem HSV konnte er Ende des vergangenen Jahres schon einmal erste Eindrücke sammeln, als das Team zur Stadioneinweihung von Gremio Porto Alegre anreiste. "Die Stimmung dort im Stadion, das Wetter und die Art, wie die Menschen den Fussball leben, ist beeindruckend. Ich werde alles geben, um dort spielen zu können", scheint Son auf den Geschmack gekommen zu sein.

Lob für Team Melli
In der Asien-Qualifikationsgruppe A haben die Red Devils derzeit einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Usbekistan, allerdings auch noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Doch Son warnt davor, die Gruppe auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die anderen Mannschaften haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Auch wenn den Libanon oder Usbekistan hier in Europa fast keiner richtig kennt, haben sie eine gute Qualität, und es wird kein Selbstläufer."

Besonders den Iran schätzt er als einen sehr harten Konkurrenten ein. "Ich glaube der Iran wird sich noch verbessern. Gerade mit ihren international erfahrenen Spielern wie beispielsweise [Ashkan] Dejagah oder [Ali] Karimi verfügen sie über eine hohe Qualität. Usbekistan hingegen wird, glaube ich, noch ein wenig schwächeln", stellt sich der neunmalige Internationale auf einen Zweikampf mit dem Team Melli ein.

Er sieht die Tigers of Asia aber für die heiße Endphase der Qualifikation gut gerüstet. "Wir haben noch drei Spiele zu Hause und wollen dort natürlich mit den Fans im Rücken alle Spiele gewinnen. Von daher bin ich natürlich zuversichtlich und selbstbewusst, dass wir uns am Ende durchsetzen werden."

Ein Torjubel als Markenzeichen?
Durch seine momentane Treffsicherheit fangen die Kameras den sympathischen Youngster immer öfter beim Jubeln ein, und ein kommender Superstar braucht doch ein Markenzeichen, oder nicht? "Ein Tor zu schießen, ist einfach ein super schönes Gefühl. Ich überlege mir gerade etwas mit meiner Familie. Aber es ist nicht so leicht, denn es soll etwas Besonderes und Einzigartiges sein, mit dem ich mich identifizieren kann."

Wir können also gespannt sein, was sich die Familie Son ausdenkt und welchen Torjubel wir dann wahrscheinlich bald nicht nur in den großen Stadien Europas, sondern auch auf vielen Pausenhöfen und kleinen Bolzplätzen zu sehen bekommen. Und vielleicht ja auch bei der FIFA WM 2014™ in Brasilien.