Das entscheidende WM-Qualifikationsspiel zwischen Uruguay und Paraguay am 22. März ist für keinen der Beteiligten ein Spiel wie jedes andere. Und am wenigsten für Gerardo Pelusso. Der in der Stadt Florida geborene uruguayische Trainer der Albirroja benötigt ausgerechnet gegen die Celeste, die ebenfalls nicht besonders gut dasteht, und vor einem Publikum, das ihn einst als Spieler so leidenschaftlich unterstützte, dringend einen Sieg.

"Die Verantwortung ist zu groß und schön, um mir darüber Gedanken zu machen, was passieren wird, wenn ich ins Stadion einlaufe oder die Hymne erklingt", erklärte Pelusso im Interview mit FIFA.com. Er weiß, dass er in wenigen Wochen zum Henker desjenigen Teams werden könnte, dessen Leitung schon immer sein Traum war. Einen ersten Eindruck von der Situation erhielt er bereits im Januar, als er mit seiner Familie im uruguayischen Punta del Este Urlaub machte.

"Alle Menschen, ob am Strand oder auf der Straße, fragten mich: 'Und? Was passiert am 22. März?' Allen sagte ich dasselbe: 'Nichts passiert. Wir kommen, um zu gewinnen, das ist alles.' Einer wurde sogar wütend darüber, und es hätte beinahe in einem Handgemenge mitten auf der Straße geendet", gab er zu. "Ich weiß nicht, was er erwartet hat, was ich sagen soll – ich bin der Trainer Paraguays! Es ist ein sportliches Duell, kein Bürgerkrieg. Und trotz dieses jungen Mannes, muss ich sagen, dass sich Uruguay und Paraguay in vielen Dingen ähneln, vor allem in der Liebenswürdigkeit und guten Erziehung ihrer Menschen", sagte er lachend. Denn die 90 Minuten im Centenario-Stadion werden wohl eine nervenaufreibende und ernste Angelegenheit werden.

Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich lieber im November auf sie getroffen, als sie sich gerade im freien Fall befanden und wir gegen Peru gewonnen hatten.

Gerardo Pelusso (Trainer, Paraguay)

Zur allgemeinen Überraschung rangiert Paraguay mit nur sieben Zählern am Ende der Tabelle und hat fünf Punkte Rückstand auf die Teams, die noch um einen direkten Qualifikationsplatz oder die Playoff-Runde kämpfen. Zu Letzteren gehört auch die Celeste unter Oscar Tabárez, die in drei der letzten vier Partien jeweils schwere Niederlagen kassierte. "Der Absturz Uruguays überrascht mich, klar. Vor allem, dass sie so viele Tore kassiert haben, denn das Team wird exzellent betreut und verfügt über Spieler, die aktuell groß in Form sind. Es ist ja nicht so, dass ein Zyklus abgeschlossen wäre", analysierte er.

"Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich lieber im November auf sie getroffen, als sie sich gerade im freien Fall befanden und wir gegen Peru gewonnen hatten", setzte Pelusso noch eins drauf. "Es ist wie ein angeschlagener Boxer, der den Glockenschlag nutzt. Uruguay hatte Zeit, sich zu erholen."

Die Statistik hingegen bietet dem Trainer einen kleinen Hoffnungsschimmer. In Qualifikationsspielen in Montevideo weist Uruguay zwar drei Siege, aber auch zwei Niederlagen auf. In Asunción hingegen konnte sich die Celeste noch nie durchsetzen. "Es wird für beide ein schweres Spiel. Das Centenario-Stadion ist schwierig, doch Paraguay ist für die Uruguayer traditionell ein sehr unangenehmer Gegner. Wir brauchen den Sieg."

Auf dem Weg nach oben
Die Situation Paraguays hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Durch die Einbindung junger Spieler aus der heimischen Liga, die zwischen 22 und 26 Jahre alt sind, konnte Pelusso eine neue Dynamik anstoßen und eine andere Spielweise einführen. Die Früchte dieser Arbeit waren drei Siege in Folge: In der Qualifikation konnte Peru bezwungen werden, Guatemala und El Salvador wurden in Testspielen besiegt. "Ich stelle eine wesentliche Verbesserung in der Mannschaft fest, doch das ändert nichts daran, dass unsere Situation in der Qualifikation kritisch ist. In den nächsten zwei Partien entscheidet sich, ob wir unsere Chance auf Brasilien wahren können oder nicht."

Die zweite Partie, auf die sich der Coach bezieht, ist das Auswärtsduell gegen Ecuador in Quito. Im heimischen Stadion hat La Tri bisher alle ihre Spiele gewonnen. Der 59-jährige Pelusso ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. "Ich habe sieben Jahre in Ecuador gelebt, und ich musste alle zwei oder drei Wochen in die Höhe. Wir werden jedes Detail der Reise gut vorbereiten, damit uns die Höhenluft so wenig wie möglich beeinträchtigt. Doch ich stelle auch immer wieder klar: Es ist noch kein Spieler gestorben, weil er in der Höhe spielen musste. Es dauert etwas länger, sich zu regenerieren, doch man darf keine Angst haben."

Eines ist gewiss: Solange wir noch Chancen haben und der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hat, werden wir bis zum letzten Schweißtropfen kämpfen, um es zu erreichen.

Pelusso über den Kampfgeist seines Teams

Pelusso wird nichts dem Zufall überlassen. Der Trainer plant, einen Tag früher in Quito anzureisen, und hat sich in Mexiko mit einigen seiner Akteure beraten, die in der dortigen Liga an Spiele in der Höhenluft gewöhnt sind, wie etwa Paulo Da Silva (Pachuca CF) oder Edgar Benítez (Deportivo Toluca). "Wir sind gut vorbereitet. Und es darf nicht vergessen werden, dass auch in Ecuador nicht alle Spieler an die Höhe gewöhnt sind, da sie vom Flachland in andere Ligen gewechselt sind. Auch sie werden das spüren", sagte er. Dennoch wird er darauf verzichten, in Montevideo und Quito zwei vollkommen unterschiedliche Mannschaften zu präsentieren.

"Jeder Trainer will auf einen festgelegten Stamm zählen, und wir sind auf dem Weg, diesen zu finden. Es kann einige Änderungen geben, denn es handelt sich um zwei Endspiele innerhalb von vier Tagen, doch es werden keine zwei verschiedenen Teams sein. Wir haben durchaus noch Chancen, um ein Ticket nach Brasilien zu kämpfen. Doch dieser Doppelspieltag wird entscheidend sein. Und eines ist gewiss: Solange wir noch Chancen haben und der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hat, werden wir bis zum letzten Schweißtropfen kämpfen, um es zu erreichen."