Für den mittlerweile 60-jährigen Alain Giresse ist es die vierte Station als Nationaltrainer. Anfang des Jahres hat er den Platz auf der Trainerbank Senegals eingenommen. Zuvor hatte der französische Altinternationale die Auswahlmannschaften von Georgien, Gabun und Mali betreut. Seine Aufgabe ist es, Senegal zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zu führen. Für das afrikanische Land wäre es erst die zweite Teilnahme nach dem starken Debüt bei der Turnierauflage von 2002.

FIFA.com: Was hat Sie dazu bewogen, die senegalesische Nationalmannschaft zu übernehmen?
Alain Giresse
: Nun, Senegal ist ein Land, in dem Französisch gesprochen wird. Zudem haben die meisten Spieler die europäische Fussballschule durchlaufen und außerdem ist es ein Land, das wirklich fussballverrückt ist. Es war eine logische Entscheidung nach den Erfahrungen, die ich in Gabun und in Mali gemacht habe.

Sie haben Ihr Debüt in einem Freundschaftsspiel gegen Guinea [1:1] am 5. Februar in Frankreich gefeiert. Hatten Sie den Eindruck, dass Ihre Spieler noch unter dem Eindruck des verpassten CAF Afrikanischen Nationen-Pokals standen?
Nein. Ich wollte das Vergangene auf sich beruhen lassen und die Spieler haben es auch nicht erwähnt. Es hätte doch nichts genützt, alte Wunden wieder aufzureißen. Wir können die Geschichte nicht neu schreiben. Ich möchte nach vorne blicken und für die Zukunft planen. Ich habe keine Zeit, mich mit der Vergangenheit zu befassen.

Sie haben sich also keine Spiele des Teams aus dem vergangenen Jahr angesehen?
Ich hatte einige Spiele Senegals gesehen. Es war nicht nötig, sie mir noch einmal anzusehen, denn ich hätte nicht viel Neues erfahren. Seit meiner Ernennung am 10. Januar habe ich nicht viel Zeit gehabt. Ich musste einen Betreuerstab benennen, der sich in erster Linie aus lokalen Kräften zusammensetzt, eine Liste von 23 Spielern für das Freundschaftsspiel gegen Guinea zusammenstellen und nach Sambia reisen, wo eventuell unser nächstes Spiel gegen Angola hätte stattfinden können, obwohl wir uns am Ende für Conakry in Guinea entschieden haben, weil das Stadion in Banjul unbefriedigend war.

Sie haben einige Spieler wieder in den Kader für das Spiel gegen Guinea berufen.
Nein, das trifft so nicht zu. Ich habe diese Spieler nicht erneut berufen, sondern sie einfach aufgestellt. Ich hatte doch gerade erst mein Amt angetreten und was sich zuvor ereignet hat, geht mich nichts an. Einige Spieler waren schon eine ganze Weile nicht mehr dabei gewesen. Mich interessiert jedoch, auf wen ich mich verlassen kann. Das allein ist die Frage. Ich habe ein festes Ziel und ich bitte diejenigen, die ich berufe, mir zu folgen. Falls sie das nicht tun, können sie mir das sagen und dann würde ich aufhören, ihre und meine Zeit zu verschwenden.

War das Freundschaftsspiel in irgendeiner Weise lehrreich?
Das ist noch nicht ganz klar. Ich hatte zuvor nur drei Tage mit den Spielern verbracht, konnte sie also noch nicht wirklich kennen lernen. Ich muss wissen, wie sie leben, wie sie trainieren. Das war nur ein erster Kontakt. Das Spiel selbst bot mir die Gelegenheit, fast jeden einzusetzen. Das Ergebnis war sekundär. Es war nur ein Freundschaftsspiel, auch wenn man eigentlich immer auf das Ergebnis schaut.

Sie werden am März in Conakry (Guinea), also auf neutralem Boden, in der Qualifikation für Brasilien 2014 auf das Team von Angola treffen. Ist das ein großer Nachteil für Sie?
Ja, aber es gab nun einmal einige schwerwiegende Vorfälle während der Partie in Dakar gegen die Elfenbeinküste im vergangenen Oktober [Abbruch beim Stand von 0:2 in der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013] und wir haben die Konsequenzen zu tragen. Es ist schon eine besondere Situation. Wir werden nicht das Gefühl haben, zu Hause zu spielen, werden uns aber damit arrangieren müssen.

Senegal ist derzeit Spitzenreiter in Gruppe J der FIFA-WM-Qualifikation. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf Brasilien 2014.
Ich habe einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Ich kenne keinen Trainer, der nicht gewinnen will. Die Qualifikation für die WM 2014 ist ein Ziel, das Erreichen des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 2015 in Marokko ein weiteres.

Werden Sie sich in Dakar niederlassen?
Natürlich. So wie auch in Gabun und in Mali werde ich mich in dem Land niederlassen, in dem ich auch angestellt bin. Ich werde Ligaspiele besuchen, Spiele der CAF Champions League und auch Spiele um den CAF Konföderationen-Pokal, mich mit Trainern treffen usw. Ich sehe meine Rolle genau so, auch wenn ich natürlich auch nach Europa reisen werde, um Nationalspieler zu beobachten und mich mit ihnen zu treffen.