Man braucht ihn nicht groß vorzustellen. Es reicht zu erwähnen, dass es um das größte Aushängeschild des venezolanischen Fussballs geht, und jeder Fan hat gleich den Namen Juan Arango auf der Zunge.

Der offensive Mittelfeldspieler ist seit fast vier Jahren beim deutschen Traditionsklub Borussia Mönchengladbach aktiv. Zuvor hinterließ er bereits seine Spuren bei RCD Mallorca in Spanien sowie im mexikanischen Fussball, wo er bei CF Monterrey, CF Pachuca sowie beim FC Puebla gespielt hat.

Kürzlich organisierte Nationaltrainer César Farías in Madrid ein Trainingslager für die Vinotinto. Dort hatte FIFA.com Gelegenheit, sich mit dem Routinier zu unterhalten.

Wenn wir es schaffen, uns für die WM zu qualifizieren, dann werde ich sicher stolz sein - der glücklichste Mensch auf Erden!

Juan Arango

Venezuela, die einzige A-Nationalmannschaft Südamerikas, die noch nie bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ dabei war, belegt in der CONMEBOL-Qualifikation für Brasilien 2014 derzeit den vierten Platz [Anm. d. Red.: vier direkte WM-Startplätze sind zu vergeben].

Nach fast 15-jähriger Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft ist Arango sicherlich einer der kompetentesten Ansprechpartner, um die derzeit hervorragende Situation des Teams zu analysieren.

Wie bewerten Sie als langjähriges Mitglied und Kapitän die derzeitige Hochphase der venezolanischen Nationalmannschaft?
Es stimmt schon, dass Venezuela in den letzten Jahren im Fussball große Fortschritte gemacht hat. Die Mannschaft stellt dies mit guten Ergebnissen in der Qualifikation unter Beweis. Wir wissen, dass es ein schwieriges Turnier ist, aber es ist unser großer Traum, bei einer WM dabei zu sein, und langsam aber sicher sind wir auf dem richtigen Weg. Noch müssen sieben knifflige Partien bestritten werden, sieben Endspiele. Wir arbeiten hart, damit uns die entsprechenden Ergebnisse gelingen.

Wo liegt dieser fussballerische Höhenflug Venezuelas Ihrer Meinung nach begründet? Was hat die Wende eingeleitet?
Diejenigen, die mit dieser Mannschaft arbeiten, haben fest an die Möglichkeiten des gesamten Teams und an die Fähigkeiten der einzelnen Spieler geglaubt. Nach und nach ist es mit diesen Faktoren dann gelungen, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen.

Sicher spielt es auch eine Rolle, dass inzwischen viele venezolanische Spieler im Ausland aktiv sind, oder?
Ja, natürlich. Vor zehn oder zwölf Jahren gab es nur sehr wenige Spieler, die außerhalb der Landesgrenzen aktiv waren, und die Liga war überhaupt nicht stark. Jetzt stehen fast alle aktiven Nationalspieler im Ausland unter Vertrag, und das ist ein großes Plus für die Mannschaft. Das gibt der Auswahl einen Qualitätsschub und sorgt dafür, dass sie im Wettbewerb besser mithalten kann.

Sie kennen Cesar Farías gut, weil Sie unter ihm im Alter von 17 Jahren Ihr Profidebüt in der zweiten Liga gegeben haben. Was hat er für die Nationalmannschaft geleistet?
Er hat seit seiner Ankunft zweifellos viel für die Nationalmannschaft getan. Aber man muss auch berücksichtigen, dass das Team bereits seit der Amtszeit von [José Omar] Pastoriza einen Qualitätsanstieg zu verzeichnen hat. Ich würde sagen, dass der venezolanische Fussball seit 1999 wirklich im Aufschwung ist. Pastoriza war ein Trainer, der viel Wert darauf gelegt hat, dass die Mannschaft sich auf dem Platz gut vorbereitet. Danach kam Richard Páez, dem es auf eine gute Ballbehandlung ankam. Farías hat sich aus beiden Perioden das Beste herausgepickt. Er hat beide Konzepte unter einen Hut gebracht - die Hinterlassenschaft von Pastoriza und die von Páez - und baut nun weiter darauf auf. Und vor allem leistet er gute Arbeit bei der Suche und Eingliederung neuer Talente.

Eine langwierige aber gleichzeitig stabile Entwicklung...
Dieser Prozess ist auf einem guten Weg und hat sich mit der Zeit gefestigt. Es werden die richtigen Schritte unternommen. Die Ergebnisse zeigen das. Die Nachwuchsspieler bringen auf dem Platz ihre Leistung, sie setzen sich ungeheuer ein und wir hoffen, das Ziel zu erreichen, was wir uns alle gesteckt haben.

Die steigende Qualität der Mannschaft wird seit einigen Jahren von einem steigenden Zuschauerinteresse begleitet. In Venezuela begeistert man sich jetzt, einmal abgesehen vom Baseball, auch für die Vinotinto...
Das stimmt. Die Unterstützung, die wir mittlerweile aus der Bevölkerung bekommen, macht sich ziemlich stark bemerkbar. Seit einigen Jahren werden wir vom Publikum frenetisch angefeuert, und das ist für die Spieler ebenfalls ein wichtiger Faktor. Sie nehmen die Unterstützung auf dem Platz wahr und werden dadurch noch stärker motiviert, sofern das überhaupt möglich ist.

Sie gehören zu den Routiniers im Team. Was erfüllt Sie persönlich bei dieser Entwicklung mit dem größten Stolz?
Noch bin ich auf gar nichts stolz. Wenn wir es schaffen, uns für die WM zu qualifizieren, dann werde ich sicher stolz sein - der glücklichste Mensch auf Erden! Aber jetzt müssen wir weiter an uns arbeiten, damit wir auf dem eingeschlagenen Weg bleiben und uns keine Fehltritte leisten. Nur so können wir unser Ziel erreichen und unseren Traum von Brasilien verwirklichen.

Auf dem Weg dorthin stehen als nächstes die Partien gegen Argentinien und Kolumbien auf dem Programm. Wie schätzen Sie diese Begegnungen ein?
Das wird knifflig werden, denn diese beiden Teams gehören derzeit zu den besten in unserer Zone. Uns stehen daher zwei schwierige Partien bevor, aber wenn wir in Brasilien dabei sein wollen, müssen wir überall gute Ergebnisse erzielen.
Argentinien und Kolumbien haben ihr Können bereits unter Beweis gestellt und ihre Spiele zuletzt gewonnen. Beide Teams sind sowohl in der Offensive als auch in der Defensive sehr stark. Aber wir haben auch unsere Stärken und werden versuchen, gute Ergebnisse zu erzielen.

Letzte Frage: Wie geht es Ihnen im deutschen Fussball?
Es ist für mich hier ziemlich gut gelaufen. Seit zwei Spielzeiten spiele ich recht gut und kann mich nicht beklagen. Das erste Jahr war für mich etwas schwierig, aber dann habe ich mich eingewöhnt. Die Sprache verstehe ich inzwischen, das Sprechen gestaltet sich allerdings schwierig. Und die Temperaturen machen es einem nicht leicht, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Würden Sie gerne noch eine andere Liga ausprobieren?
[Lacht] Der Fussball geht verschlungene Wege, warten wir einmal ab, was passiert.