Seit 14 Jahren hat man nicht mehr an einer Endrunde um eine FIFA-WM™ teilgenommen und ist bei der letzten Copa América nicht über das Viertelfinale hinausgekommen. Doch im Augenblick befindet sich der kolumbianische Fussball in der Erfolgsspur, nachdem er in den Qualifikationsspielen dieses Monats keinen Punkt hat liegen lassen. So hat man innerhalb von gerade einmal vier Tagen mit beeindruckenden Offensivleistungen zwei ganz wichtige Partien gegen Uruguay und Chile gewonnen und liegt nun auf Rang zwei.

Es gibt verschiedene Gründe für diesen Aufschwung, aber ein Faktor wird immer wieder erwähnt: die Verpflichtung des argentinischen Trainers José Néstor Pekerman. Unter dem neuen Coach holte Kolumbien drei Siege in vier Spielen, mit einem Torverhältnis von 8:2, und hat vor allem zu einer kompakten und aggressiven Spielweise gefunden, die das Land von der Qualifikation für Brasilien 2014 träumen lässt.

"Mit José läuft alles hervorragend, er hat viel Erfahrung in der Qualifikation sammeln können und wird sehr nützlich für uns sein", versicherte James Rodríguez gegenüber FIFA.com und bezog sich dabei auf die Qualifikation Argentiniens für Deutschland 2006. "Er lebt den Fussball sehr intensiv, ist intelligent, ein Schlitzohr und lässt kein Detail außer Acht. Er ist immer perfekt vorbereitet", fügte Radamel Falcao hinzu, herausragender Spieler und wichtigster Vertreter des kolumbianischen Fussballs in der Gegenwart. Betrachten wir die jüngsten Ergebnisse, muss man beiden Recht geben: So beendete Kolumbien eine Serie der Uruguayer von 18 Spielen ohne Niederlage, holte darüber hinaus den ersten Heimsieg (4:0) und schaffte dann mit einem 3:1 in Santiago den ersten Sieg seit zwölf Jahren gegen Chile.

"Das ist das Verdienst der Spieler, die gegenwärtig groß aufspielen. Sie vertrauen in unsere Arbeit und ich kann nur hoffen, dass es so weiter geht", erklärte der Argentinier bei seiner Rückkehr nach Bogotá. Dabei offenbarte der 63-jährige eine weitere seiner herausragenden Eigenschaften: die leisen Töne und seine Bescheidenheit.

Umfassende Veränderungen
Super Pekerman, wie ihn einige lokale Medien bereits getauft haben, drückte einer Mannschaft, die zwar von hoher Qualität, aber moralisch am Boden war, rasch seinen Stempel auf. Sein größter Erfolg war sicherlich die Entscheidung über die Besetzung des Angriffs, um die es in den ersten Spieltagen noch Diskussionen gegeben hatte. Von der ersten Minute an ließ er die beiden Angreifer Radamel Falcao und Teófilo Gutiérrez gemeinsam spielen.

"Ich habe immer schon gesagt, dass wir auch zusammen spielen können. Falcao ist ein Großer, ein ganz wichtiger Spieler. Ich bin stolz darauf, neben ihm spielen zu dürfen", erklärte Teo, der zunächst als Stammspieler in die ersten Qualifikationsspiele gegangen war, während der Goalgetter von Atlético Madrid auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.

Kolumbien, das in den ersten fünf Spielen gerade einmal fünf Tore erzielt hatte, markierte daraufhin in vier Tagen sieben weitere Treffer und löste damit unter den heimischen Fans eine wahre Euphorie aus. Falcao betrachtet als einen wichtigen Faktor für den gegenwärtigen Erfolg des Teams den Umstand, dass Pekerman "ein Freund jedes einzelnen seiner Spieler ist. Er hat sie von ihren Fähigkeiten überzeugt, die sie in den Dienst der Mannschaft stellen müssen. Wir zeigen jetzt, dass wir ein starkes und kompaktes Team sind. Wir sind in jeder Hinsicht reifer geworden."

Der Torjäger bleibt jedoch mit beiden Füßen auf dem Boden, denn er weiß, dass man im Überschwang des Erfolges in Kolumbien schnell wieder in der harten Realität landen kann. "Wir müssen jetzt Maß halten, denn noch haben wir nichts erreicht. Wir dürfen bloß nicht glauben, schon bei der WM zu sein, es liegt noch ein langer Weg vor uns."

Doch die Zahlen sprechen für das Team und die Erwartungen sind nun groß. Der nächste Gegner in Barranquilla wird Paraguay sein, das an letzter Stelle liegt und bislang stets in Asunción den Kürzeren gezogen hat. Im Fall eines Sieges hätten die Kolumbianer bereits 16 Zähler auf dem Konto und damit nur noch sieben weniger als während der gesamten Qualifikation für Südafrika 2010. Dabei steht noch die gesamte Rückrunde bevor. Pekerman ist sich dessen durchaus bewusst. Mit seinen 63 Jahren weiß er, worauf es nun ankommt: "Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und harmonieren. Das ist die Botschaft, die wir den Spielern vermitteln müssen, denn sie sind diejenigen, die für all dies verantwortlich sind. Ich bin überzeugt davon, dass wir zu dieser Weltmeisterschaft fahren werden."