"Wir sind nicht weit vom Erfolg entfernt, den wir '98 hatten", so Theodore Whitmore nach langer Pause gegenüber FIFA.com. Gemeint ist damit natürlich die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™, als Jamaika zum ersten und einzigen Mal die Endrunde erreichte und der heutige Nationaltrainer daran großen Anteil hatte. "Die Richtung stimmt", meint Whitmore. "Wir haben die richtige Balance, um wieder ganz nach oben zu kommen."

Die Jamaikaner gelten zwar als führende Kraft in der an sich unberechenbaren Welt des karibischen Fussballs, international haben sie seit dem Erfolg vor nunmehr 14 Jahren allerdings nicht mehr viel erreicht. Es fehlte an Organisation, es fehlte an Geld, es fehlte an der notwendigen Logistik für eine wettbewerbsfähige Mannschaft aus Spielern der örtlichen Ligen, den USA und dem weit entfernten Europa. Kurz, die Reggae Boyz – wie die Nationalmannschaft im fussballverrückten Karibikstaat genannt wird – hatten Probleme über Probleme.

Trotz des Erreichens des Viertelfinals beim CONCACAF Gold Cup vergangenes Jahr gelten die Reggae Boyz in der Region unterschwellig noch immer irgendwie als talentiert, athletisch – aber erfolglos. Whitmore indes, selbst zweifacher Torschütze bei Jamaikas einzigem Sieg 1998, will das ändern. Disziplin ist sein großes Schlagwort.

Wir haben eine ganze Reihe junger Spieler, die sich schwer ins Zeug gelegt haben, um mich zu überzeugen. Sie sind erfolgshungrig. So muss das auch sein, wenn man das Nationaltrikot trägt. Man muss stolz darauf sein.

Theodore Whitmore (Trainer, Jamaika)

"Wir haben mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft begonnen, als ich den Trainerposten (2009) übernommen habe", so der Trainer, der zu seiner aktiven Zeit ein robuster Mittelfeldspieler war und unter anderem in England bei den Tranmere Rovers und Hull City gespielt hat. "Das war einfach nötig." Whitmore schasste zunächst einige Spieler, die nicht seinen Anforderungen entsprachen. Konfliktscheu war er dabei nicht. Auch einige arrivierte Stars mussten dran glauben. Anschließend suchte er daheim wie im Ausland nach jungen Talenten für den Neuanfang. "Wir haben eine ganze Reihe junger Spieler, die sich schwer ins Zeug gelegt haben, um mich zu überzeugen", sagt der von seinen Landsleuten nur Tappa genannte. "Sie sind erfolgshungrig. So muss das auch sein, wenn man das Nationaltrikot trägt. Man muss stolz darauf sein."

Whitmore führte seine junge Mannschaft 2010 zur Titelverteidigung beim Caribbean Cup. Bei der Endrunde auf Martinique spielten sich einige junge Talente in den Vordergrund, die bislang bei den Reggae Boyz keine Chance bekommen hatten – allen voran Dane Richards von New York Red Bull. Der schnelle Flügelflitzer wurde bester Torschütze des Turniers und ist inzwischen Stammspieler. "Tappa predigt ständig Stolz und Respekt. Er lebt es uns als Trainer vor und wir geben es ihm zurück. Das ist das Wichtigste", so Richards bei FIFA.com.

Seit Jahresbeginn sind die Jamaikaner nun schon unbesiegt. In den letzten fünf Freundschaftsspielen gab es keine Niederlage. Es läuft also gut für Whitmore und seine Jungs im Vorfeld des ersten Qualifikationsspiels für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ gegen Guatemala am 8. Juni. Jamaika steigt gleich in die dritte Runde ein. "Ich habe meine Startelf im Kopf", verrät der Trainer. "Aber natürlich halten wir die Augen weiter nach Spielern offen, schließlich kann sich immer jemand verletzten oder sonst etwas dazwischen kommen."

Wir haben noch nichts erreicht. Wir haben die Grundlagen geschaffen. Auf denen müssen wir jetzt aufbauen, um unser Ziel zu erreichen: Brasilien 2014!

Whitmore über die WM-Qualifikation

Einer, der seinen Platz sicher haben dürfte, wenn Guatemala ins Nationalstadion von Kingston – liebevoll The Office genannt – kommt, ist der in der Türkei spielende Toptorschütze Luton Shelton. Die neu formierte Innenverteidigung besteht aus Nyron Nosworthy und Adrian Mariappa von Watford. Mit Omar Daley, Marlon King, Ricardo Fuller und Richards kommen wahrscheinlich weitere Legionäre hinzu.

Der Trainer will in Gruppe A (mit der regionalen Fussballmacht USA sowie der aufstrebenden Karibiknation Antigua und Barbuda) unter die ersten Zwei kommen. "Wir können nicht zu weit voraus planen", warnt der stets vorsichtige Trainer vor den üblichen Irrungen und Wirrungen, die eine WM-Qualifikation häufig begleiten. "Wir haben noch nichts erreicht. Wir haben die Grundlagen geschaffen. Auf denen müssen wir jetzt aufbauen, um unser Ziel zu erreichen: Brasilien 2014!"