Manager Oliver Bierhoff sieht bei der deutschen Nationalmannschaft auf dem Weg zur FIFA WM 2014 in Brasilien vor allem im mentalen Bereich Steigerungspotenzial. "Wir müssen daran arbeiten, eine entsprechende Mentalität auf dem Platz zu entwickeln. Wir müssen eine andere Einstellung, ein anderes Bewusstsein zum Spiel entwickeln", sagte Bierhoff im Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Seine Antwort darauf sei aber nicht so populistisch und banal, dass es "einen Leitwolf geben muss, der dazwischengrätscht."

So nannte Bierhoff etwa das Spiel in der WM-Qualifikation gegen Schweden (4:4), als man einen 4:0-Vorsprung noch verspielte. Auch bei der EM sei man in der Vorrunde gegen Dänemark (2:1), Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) unnötig in Gefahr geraten.

Dennoch sei die DFB-Auswahl trotz des fehlenden Titels in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. "Für mich fehlen nur die letzten fünf Prozent. Und die Frage lautet: Wie komme ich an diese letzten fünf Prozent ran", sagte Bierhoff, der dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) noch immer nachtrauert: "Auf dem Papier waren wir die bessere Mannschaft. Das macht es umso bitterer und ärgerlicher."

Gleichzeitig forderte der 44-Jährige den Deutschen Fussball-Bund (DFB) angesichts der Investitionen anderer Nationen zu Wachsamkeit auf und regte auch die Einrichtung eines Leistungszentrums an. "Im Präsidium beschäftigen wir uns mit diesem Gedanken. Wir müssen uns als DFB fragen, was wir bereit sind, in unser Kerngeschäft zu investieren, nämlich in die Entwicklung des Fussballs", sagte Bierhoff: "Wir müssen verhindern, dass wir in fünf Jahren aufwachen und wieder hinterherhinken."

Zuvor hatte Bierhoff die Nationalmannschaft wegen der beeindruckenden Vorstellungen der Bundesligavereine in der UEFA Champions und Europa League indirekt in die Pflicht genommen. "Durch die exzellenten Leistungen von Dortmund, Schalke 04 und dem FC Bayern München in der Champions League und den Durchmarsch der vier deutschen Klubs in der Europa League sind die Ansprüche an die Nationalmannschaft sicher zusätzlich gestiegen", sagte der ehemalige Stürmer dem Nachrichtenmagazin Focus.