"Im Fussball ändert sich ständig irgendetwas. Dies gilt erst recht für eine Nationalmannschaft, deren Spieler ja nicht jeden Tag zusammen sind", meinte Diego Godin mit leicht resigniertem Unterton auf die Frage nach der momentanen Lage im uruguayischen Nationalteam. Innerhalb von knapp fünf Monaten mit vier Spielen rutschte die Celeste vom zweiten Tabellenrang in der Südamerika-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ auf den Relegationsplatz ab. Derzeit ist Uruguay punktgleich mit Chile Tabellenfünfter.

Auslöser für den plötzlichen "Absturz" der Mannschaft von Trainer Oscar Washington Tabarez sind drei deutliche Niederlagen und ein Unentschieden aus den jüngsten vier WM-Qualifikationsspielen. Nachdem Uruguay zuletzt im Freundschaftsspiel gegen Polen (3:1) endlich wieder einmal gewinnen konnte und damit gerade noch einen versöhnlichen Abschluss des Länderspieljahres 2012 hinbekam, traf sich FIFA.com mit dem uruguayischen Innenverteidiger, der zu den wichtigsten Defensivspielern im Team der Celeste zählt, um mit ihm sowohl über die in diesem Jahr erlittenen Rückschläge als auch über die Aussichten für das Jahr 2013 zu sprechen.

"In den letzten WM-Qualifikationsspielen haben wir alles andere als gut ausgesehen. Wir haben lediglich einen einzigen Punkt geholt. Das hat unsere Situation natürlich verschlechtert. Ab sofort müssen wir auch auswärts punkten und zudem noch unsere Heimspiele gewinnen. Und dass sie das kann, hat unsere Nationalmannschaft bereits in der Vergangenheit bewiesen. Diese WM-Qualifikation ist enorm schwierig. Von der gleichen Art haben wir ja schon eine hinter uns gebracht und am Ende die Qualifikation geschafft. Und uns war klar, dass die jetzige WM-Qualifikation erneut sehr schwer werden würde", so Godin.

Das Gespenst der Playoff-Runde
Der Abwehrspieler von Atlético Madrid weiß, wovon er spricht. Denn der 63-malige Nationalspieler ist in der Celeste seit der Amtsübernahme von Tabarez im Jahr 2006 eine feste Größe und war daher bereits in der gesamten WM-Qualifikation für Südafrika 2010 mit von der Partie. Beim ersten FIFA WM-Turnier auf afrikanischem Boden belegte Uruguay dann überraschend den vierten Platz, nachdem man sich das WM-Ticket erst über eine Playoff-Runde gegen Costa Rica (Gesamtergebnis 2:1) gesichert hatte. Eine solche Playoff-Runde, bei der es grundsätzlich um Alles oder Nichts geht, ist nach den jüngsten Resultaten erneut in den Bereich des Möglichen gerückt. "Wir wollen uns qualifizieren. Alles andere ist uns egal", versichert uns Godin. "Logischerweise wollen wir es unter die ersten Vier schaffen, und dafür werden wir bis zur letzten Minute kämpfen. Sollten wir trotzdem wieder in die Playoff-Runde müssen, dann müssen wir sie eben gewinnen. Unser Ziel ist Brasilien", so Godin zuversichtlich.

Bei der Suche nach den Ursachen für die zuletzt schwachen Auftritte des uruguayischen Nationalteams fällt vor allem die hohe Anzahl Gegentore (zwölf in den letzten vier Spielen) ins Auge. Und das bei einer Mannschaft, die traditionell über eine äußerst solide Abwehr verfügt. Als Innenverteidiger ist sich Godin natürlich bewusst, dass die Defensive aktuell unter besonderer Beobachtung steht. Doch der 26-Jährige sieht es eher gelassen und spricht darüber mit einer Ruhe und Abgeklärtheit, wie man sie normalerweise nur von gestandenen Routiniers kennt. "Zuletzt haben wir ein Spiel nach dem anderen verloren. Dadurch ist in punkto Ordnung und taktische Disziplin der Mannschaft einiges aus dem Ruder gelaufen. Genau das waren aber in den vergangenen Jahren, in denen wir eine tolle Weltmeisterschaft gespielt und bei der Copa América triumphiert haben, unsere wichtigsten Tugenden. Und wir haben feststellen müssen, dass uns diese Ordnung unter dem Druck, unsere Spiele unbedingt gewinnen zu wollen, immer mehr abhanden gekommen ist. Dies führte schließlich dazu, dass wir die Spiele verloren, und das auch noch klar und deutlich."

Die schlechten Ergebnisse riefen zudem die ersten Kritiker auf den Plan. Davon besonders betroffen sind mit Mannschaftskapitän Diego Lugano, der mit Godin die Innenverteidigung bildet, und Diego Forlan, Ex-Mannschaftskollege bei Atlético Madrid, zwei erfahrene Routiniers der Celeste. Auch wenn der hochgewachsene Abwehrrecke dieser Kritik keine größere Bedeutung beimisst, so würde er sich schon wünschen, dass sich die Fans trotz allem auch an die Erfolge seines Teams in der jüngsten Vergangenheit erinnern.

Anstehender Generationswechsel
"Innerhalb der Mannschaft sind wir nach wie vor ganz ruhig. Was uns an dieser Kritik stört ist, dass die Leute so schnell vergessen. Schließlich kann man in zwei Monaten nicht all das vergessen, was wir vorher geleistet haben. Im Fall von Lugano ist ständig die Rede davon, dass er bei seinem Klub nicht spielt, und Forlan, der uns in den letzten Jahren regelrecht verwöhnte, wird vor allem deshalb kritisiert, weil er zuletzt keine Tore mehr geschossen hat. Das macht das Ganze nicht gerade leichter. Dabei ist Kritik an dem einen oder anderen Nationalspieler wie auch die Diskussion über einen Generationswechsel durchaus normal. Doch das hat bereits unser Trainer Tabarez getan, als er sein Konzept für die Nationalmannschaft vorstellte und danach einen Generationswechsel einleitete", beharrt Godin, für den das Thema damit erledigt ist.

Der jüngste Sieg über Polen hat seiner Mannschaft zum Jahresabschluss 2012 wenigstens ein gutes Gefühl und zugleich neue Kraft für das Jahr 2013 beschert. Denn dann nimmt Uruguay nicht nur am FIFA Konföderationen-Pokal teil, sondern will darüber hinaus auch die Qualifikation für Brasilien 2014 perfekt machen. "Wir müssen unsere Kraft aus der Mannschaft heraus beziehen. Dazu muss jeder Einzelne von uns physisch und fussballerisch fit sein. Wenn das der Fall ist, dürfte nicht mehr viel passieren. Tatsache ist, dass wir künftig wieder gewinnen und unbedingt die nötigen Punkte einfahren müssen", so Godin abschließend.

Im März nächsten Jahres geht es gegen Paraguay und Chile. Dann wird sich zeigen, ob es Uruguay gelingt, wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.