Radamel Falcao García ist derzeit zweifellos einer der angesagten Fussballer. Der unermüdliche Torjäger von Atlético Madrid erlebt mit den Colchoneros und der Nationalmannschaft seines Landes gerade "goldene Zeiten". Mit seinem Klub ist er in der Liga BBVA ganz oben mit dabei, und mit Kolumbien bestreitet er die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™.

Er gehört zu den 23 Finalisten für den FIFA Balon d'Or, und außerdem ist eines seiner Tore in der Auswahl der zehn schönsten Treffer für den Puskás-Preis. El Tigre nahm sich einen Augenblick Zeit für ein Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Radamel, José Pekerman hat auf einer Pressekonferenz versichert, dass Kolumbien endlich wieder bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ vertreten sein wird, nachdem man sich für die drei letzten Auflagen nicht qualifizieren konnte. Sind Sie derselben Ansicht?
Wir arbeiten darauf hin, uns für die WM zu qualifizieren. Die Südamerika-Qualifikation ist noch lang, aber wir haben uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet und sind uns dessen bewusst. Wir träumen weiter davon, bei diesem Großereignis dabei zu sein, und werden versuchen, in der restlichen Qualifikation so weiterzumachen wie bisher und uns für die WM zu qualifizieren.

Wie erklären Sie sich, dass die Mannschaft bisher mehr Auswärtsspiele gewonnen hat als Heimspiele?
Das spricht dafür, dass die Mannschaft sich entwickelt hat und viel reifer geworden ist, sowohl zu Hause als auch auswärts. Dadurch war es uns möglich, starke Auswärtsauftritte hinzulegen und sehr wichtige Spiele zu gewinnen. Das ist immer gut, und ich hoffe, dass wir so weitermachen können.

Kolumbien war 1998 in Frankreich zum letzten Mal bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ vertreten. Das war die Generation von El Pibe Carlos Valderrama, Freddy Rincón und Faustino Asprilla. Ist die aktuelle Generation der Cafeteros mit der damaligen vergleichbar?
Wir versuchen gar nicht, uns mit dieser Generation zu vergleichen. Wir wollen selbst Geschichte schreiben und mit einer ganz eigenen Spielweise einen Weg vorgeben. Ich hoffe, dass wir sehr weit kommen können, ohne zu versuchen, uns mit Leuten zu vergleichen, die vorher für die Nationalmannschaft unseres Landes gespielt haben.

1998 waren Sie zwölf Jahre alt. Welche Erinnerung haben Sie noch an diese WM?
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Ich habe fast alle Spiele gesehen. Kolumbien hat in der ersten Runde nicht gut gespielt und ist nicht weitergekommen. Später kam dann [Zinédine] Zidanes großer Auftritt. Das war die WM, bei der Ronaldo und [Gabriel] Batistuta viele Tore erzielt haben. Ich kann mich noch an vieles erinnern.

Kürzlich hat der brasilianische Nationaltrainer Mano Menezes gesagt: "Kolumbien ist nicht nur Falcao". Gleichzeitig hat er die Arbeit von José Pekerman gelobt. War die Amtsübernahme des Argentiniers der große Wendepunkt für Kolumbien, oder gibt es noch andere Umstände, die zu dieser Verbesserung der kolumbianischen Auswahl in der WM-Qualifikation beigetragen haben?
Die Ankunft von Pekerman hat bei der kolumbianischen Auswahl in Bezug auf die Spielweise, die Ergebnisse und das Selbstvertrauen zweifellos eine Wende eingeleitet. Er hat versucht, uns das Selbstvertrauen zu geben, das nötig ist, um befreit aufzuspielen und unseren gewohnten Ansatz beizubehalten, nämlich möglichst auf Augenhöhe mit dem Gegner zu spielen und immer den Sieg zu suchen, ohne uns auf Spekulationen einzulassen - zu Hause und auswärts. Inzwischen haben wir uns im südamerikanischen Wettbewerb zu einer reiferen und ausgeglicheneren Mannschaft entwickelt.

Ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft im Augenblick Ihr Hauptziel? Welche anderen Ziele haben Sie sich gesteckt?
Die WM-Teilnahme mit meiner Nationalmannschaft ist das Hauptziel, aber es geht mir nicht nur darum, dabei zu sein, sondern ich will eine Hauptrolle spielen. Ich glaube, wir haben eine gute Mannschaft. Ich hoffe, dass wir uns auf individueller Ebene und auch als Mannschaft noch weiterentwickeln und stark verbessern können, damit wir uns zunächst einmal für Brasilien qualifizieren und später dort eine Hauptrolle spielen können.

Hat diese FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ noch eine andere Bedeutung, weil sie in Brasilien stattfindet?
Ja, natürlich. Das ist näher an unserem Land dran, in Lateinamerika, bei Leuten, mit denen uns ein bestimmtes Feeling verbindet. Falls wir uns qualifizieren können, werden wir im Land eine gewisse Unterstützung erfahren.

Könnte es vorher nicht noch einen Erfolg mit Atlético Madrid in der spanischen Liga geben?
Das ist noch ein weiter Weg, aber wir werden weiterhin Spiel für Spiel kämpfen. Wo wir dann am Saisonende stehen, wird man sehen. Jetzt kommt es darauf an, Spiele zu gewinnen und weiter Punkte zu sammeln.

Noch eine letzte Frage: Sie haben sich im Laufe des letzten Jahres technisch enorm verbessert. Zu Beginn Ihrer Karriere konnten Sie sich vor allem mit Ihrer Kopfballstärke profilieren, aber jetzt scheinen Sie Ihre Schussstärke mit dem linken Fuß verbessert zu haben, was vor allem auch durch die fast identischen Tore gegen Chelsea, Athletic Bilbao, Valencia und Paraguay belegt wird. Haben Sie speziell daran gearbeitet?
Ja, ich habe daran gearbeitet. Wenn es die Möglichkeit zu einem Einzeltraining gibt, versuche ich sie zu nutzen, um an meiner Technik zu feilen. In diesem Fall habe ich versucht, meine Schussstärke mit links zu verbessern, und die Ergebnisse sind sichtbar. In dieser Saison habe ich sogar die meisten meiner Tore mit links erzielt. Außerdem waren es ehrlich gesagt sehr schöne, hochklassige Tore. Es ist immer gut, an sich zu arbeiten, um in allen möglichen Bereichen Verbesserungen zu erzielen.