Das mit dem Salto lässt Miroslav Klose inzwischen lieber. Zu gefährlich. "Das würde noch gehen", auch mit 34, sagte der deutsche Nationalspieler am Montag lächelnd, "aber ich will ja 2014 noch dabei sein." Die WM also ist das große Ziel - und keineswegs der Torrekord des großen Gerd Müller, von dem Klose noch ganze drei Treffer entfernt ist.

"Das ist ein absoluter Witz, mich mit ihm zu vergleichen", betonte Klose dann auch wieder einmal demütig, "ihn darf man mit niemandem vergleichen. Was er geleistet hat, die Anzahl der Spiele und der Tore, ist einmalig. Das habe ich ihm auch schon persönlich gesagt."

Doch verschließen kann sich Miroslav Klose der Diskussion natürlich nicht. Er, der neue Bomber der Nation? 65 Tore hat Klose seit 2001 in 125 Länderspielen erzielt, Müller war in 62 Spielen auf 68 Treffer gekommen. "Selbstverständlich wird er das schaffen, wenn er sich nicht verletzt", sagt Bundestrainer Joachim Löw. Spätestens seit seinem Treffer beim 6:1 in der Republik Irland ist Klose in Schlagdistanz zu einer Legende.

Wer aber diesen Miroslav Klose kennt, so unaffektiert, so bescheiden, der weiß, dass ihm der Rekord nicht viel bedeuten würde. "Vielleicht irgendwann, wenn ich mal meine Schuhe an den Nagel hänge, würde es mich stolz machen. Aber mein Weg ist noch lange nicht zuende", sagt Klose. Es gibt schließlich noch die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Angesichts von Kloses Erfolgen und Toren, die Löw am Montag nochmals hervorhob ("15 Tore bei Weltmeisterschaften sprechen ja Bände"), erscheint es absurd, dass sich der Angreifer von Lazio Rom Kritik anhören muss. Doch der stets angriffswütige Bayern-Präsident Uli Hoeneß rechnete vor kurzem im Spiegel-Interview vor, Klose habe "80 Prozent seiner Tore gegen Liechtenstein und Co. erzielt". Nicht gegen große Gegner, eben.

Klose machen solche Aussagen "einfach nur noch müde". Im Spätherbst seiner Karriere ist ihm Rechtfertigungsdruck fremd geworden, am liebsten will er deshalb "über so etwas gar nicht so groß reden".

Viel lieber redet er über Fair Play, das er vorlebt wie wenige andere. Am Dienstag wird er mit einer Medaille des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) geehrt, weil er ein mit der Hand erzieltes Tor für Lazio beim SSC Neapel hatte annullieren lassen. "Das war für mich selbstverständlich. Ich weiß, wie viele junge Zuschauer wir haben. Das ist eine Vorbildfunktion, die etwas verloren gegangen ist. Wir müssen wieder Vorbilder werden, Fairness im Sport bewahren."

Miroslav Klose ist eben kein Mensch, der abhebt. Neben dem Spielfeld ohnehin nicht - und auf dem Platz jetzt auch nicht mehr. Zu gefährlich.