Alle Serien reißen bekanntlich irgendwann einmal ab, davon können auch die Kolumbianer und die Argentinier ein Lied singen. 1993 traf die Albiceleste mit Nationaltrainer Alfio Basile nach einer Serie von 33 Partien ohne Niederlage in Barranquilla ein. Diesen Weg wollte man in Gruppe A der Qualifikation für die WM-Endrunde 1994 in den USA natürlich unbedingt fortsetzen. Allerdings hatte man die Rechnung ohne Kolumbien gemacht, das damals von Francisco Maturana trainiert wurde.

Die Kolumbianer setzten sich unter der Führung des genialen Carlos Valderrama mit 2:1 durch und beendeten damit die Erfolgsserie des Rivalen. Damals ahnten nur wenige, dass dieser Schlag nur ein Vorgeschmack auf das war, was 21 Tage später folgen sollte.

Nachfolgend lässt FIFA.com den Nachmittag des 5. September 1993 noch einmal Revue passieren, an dem Argentinien die wohl bitterste Niederlage seiner Fussballgeschichte hinnehmen musste.

Das Geschehen
5. September 1993, Estadio Monumental, Buenos Aires (Argentinien)

Argentinien - Kolumbien 0:5
Torschützen: Rincón (41. und 62.), Asprilla (49. und 64.) und Valencia (84.) für Kolumbien

Argentinien: Sergio Goycochea; Julio Saldaña, Jorge Borelli, Oscar Ruggeri, Ricardo Altamirano; Gustavo Zapata, Fernando Redondo (69., Alberto Acosta), Diego Simeone, Leonardo Rodríguez (54., Claudio García); Ramón Medina Bello, Gabriel Batistuta. Trainer: Alfio Basile.
Kolumbien: Oscar Córdoba; Luis Herrera, Luis Perea, Alexis Mendoza, Wilson Pérez; Leonel Álvarez, Gabriel Gómez, Carlos Valderrama, Freddy Rincón; Faustino Asprilla, Adolfo Valencia. Trainer: Francisco Maturana.

Die Kulisse
Die argentinischen Fans strömten in Massen ins Estadio Monumental, um die Qualifikation für die WM 1994 in den USA zu feiern. Allerdings brauchte Argentinien an diesem letzten Spieltag einen Sieg, um an den Cafeteros vorbeizuziehen, die in der Tabelle einen Punkt Vorsprung hatten, und sich damit die direkte Qualifikation für Nordamerika zu sichern. Andernfalls wäre ein Playoff-Spiel zu bestreiten. Den Kolumbianern würde ein Remis genügen, was aber angesichts des Spielverlaufs in den ersten Minuten schwer zu realisieren schien.

Das Team von Alfio Basile, der mit der argentinischen Nationalmannschaft bereits zwei Mal die Copa América gewonnen hatte, machte von der ersten Minute an Druck und prüfte den damals noch jungen aber hervorragenden Oscar Córdoba. Aber als die Minuten vergingen und man auf den letzten Metern ein ums andere Mal scheiterte, wurden die Gastgeber langsam nervös, insbesondere angesichts der guten Konterattacken, die El Pibe Valderrama immer wieder einleitete. Die talentierte Nummer zehn bediente Rincón, der Goycochea ausdribbelte und das Leder vor den Augen eines überraschten Diego Maradona im Netz versenkte, der die Partie als Fan von der Tribüne aus verfolgte.

Die zweite Spielhälfte begann für die Argentinier denkbar schlecht. Das Team, das eigentlich auf den Ausgleich drängen wollte, wurde stattdessen in der Defensive eingeschnürt. Valderrama schaltete und waltete nach Belieben, und 20 Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit stand es bereits 4:0, weil diverse Konter von Asprilla (zwei Treffer) und Rincón (ein weiterer Treffer) meisterhaft verwertet wurden. Angesichts dieses Spielstands verfolgten die Argentinier nun mit bangem Blick die Partie zwischen Paraguay und Peru. Warum? Bei einem Sieg Paraguays hätten die Argentinier in diesem Augenblick aufgrund der schlechteren Tordifferenz keine Chance mehr gehabt, sich für die WM zu qualifizieren. Aber der Vize-Weltmeister von 1990 hatte Glück: Paraguay musste sich gegen die Peruaner mit einem 2:2 zufrieden geben.

Die argentinischen Zuschauer waren wütend über die schwache Leistung ihrer Mannschaft und begannen, jedes Zuspiel der Kolumbianer zu bejubeln. Wenige Minuten vor Schluss machten diese in Gestalt von El Tren Valencia das 5:0 perfekt. Das Team um Carlos Valderrama verließ das Stadion in euphorischer Stimmung, nachdem man sich unter dem Beifall der argentinischen Fans für die WM qualifiziert hatte. Das wütende Publikum forderte hingegen für das nun anstehende Play-off-Spiel gegen Australien die Rückkehr Diego Maradonas ins Team.

Der Star
Angesichts der großartigen Mannschaftsleistung an diesem Nachmittag wäre es ungerecht, hier nur einen Spieler zu erwähnen. Córdoba war mit einer ganzen Reihe von Glanzparaden maßgeblich am Erfolg beteiligt, ebenso wie Valderrama, der Denker und Lenker im Mittelfeld. Asprilla und Rincón setzten sich im Angriff durch und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie alle, sowie der defensive Mittelfeldspieler Leonel Álvarez als ausgleichendes Element, spielten Schlüsselrollen im denkwürdigsten Spiel der kolumbianischen Fussballgeschichte.

Die Reaktionen
"Das war ein hervorragendes Ergebnis, denn damit haben wir der Welt gezeigt, dass Kolumbien mit den ganz Großen mithalten kann. Nicht umsonst haben wir uns für drei Weltmeisterschaften in Folge qualifiziert. Einige Leute sind der Ansicht, dieser Sieg habe uns verblendet, aber der Fussball ist eine Maschinerie der Illusionen und Enttäuschungen, in der es sich negativ auswirkt, wenn man nie gewinnt. Dieses Ergebnis hat nichts mit den nachfolgenden Ereignissen zu tun."
Francisco Maturana (Trainer, Kolumbien)

"Als wir das dritte, vierte und fünfte Tor gemacht haben, habe ich Pacho angesehen und ihm gesagt 'das wird kompliziert'. Man würde sagen, dass wir die Besten der Welt seien. Hätten wir verloren, wären wir die Schlechtesten gewesen. Aber dieses 5:0 hat mir wegen der unruhigen Zustände im Land Sorgen bereitet."
Hernán Gómez (Assistent von Francisco Maturana)

Ich wollte nie wieder an diese Partie denken. Das war wie eine Naturkatastrophe, ein Tag, an dem ich am liebsten ein Loch gegraben und mich hineingelegt hätte."
Alfio Basile (Trainer, Argentinien)

Was geschah danach?
Kolumbien reiste 1994 in einer Favoritenrolle zur Weltmeisterschaft in die USA. Das Team schied allerdings nach Niederlagen gegen Rumänien (1:3) und die USA (1:2) in Gruppe A überraschend bereits nach der ersten Runde aus. Zwar verabschiedete man sich mit einem 2:0-Sieg gegen die Schweiz aus dem Wettbewerb, dieser konnte aber nicht über das tragische Ereignis hinwegtrösten, zu dem es einige Tage später kam. Andrés Escobar, dem gegen die Gastgeber ein Eigentor unterlaufen war, wurde in Medellín erschossen. In rein fussballerischer Hinsicht wird noch heute darüber diskutiert, ob der Sieg gegen Argentinien gut oder schlecht für den kolumbianischen Fussball war: Während einige der Ansicht sind, dass die Cafeteros sich dadurch unter den großen der Welt etablierten, vertreten andere die Meinung, das 5:0 sei ein trügerisches Resultat gewesen und habe die Spieler verblendet.

Für die Argentinier bleibt diese Niederlage eine der bittersten in der Fussballgeschichte des Landes. Die Zeitschrift El Gráfico erschien damals mit einem schwarzen Titelblatt, auf dem das Wort "Schande!" prangte. In anderen Medien wurde Basile als Nationaltrainer in Frage gestellt. Für die Playoff-Spiele gegen Australien berief der Trainer Maradona wieder ins Team. Mit einem 1:1 in Sydney und einem 1:0-Sieg in Buenos Aires setzte man sich schließlich durch. Torschütze im Heimspiel war Gabriel Batistuta. Bei der WM in den USA zog die Albiceleste als bester Drittplatzierter ins Achtelfinale ein. Dort musste man sich mit 2:3 gegen Rumänien geschlagen geben.