Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ist die größte Sportveranstaltung der Welt, der heilige Gral für alle Spieler aus jeder Ecke des Erdballs. Bevor die internationale Elite sich bei der Endrunde miteinander messen kann, stehen jedoch titanische Ausscheidungsspiele an – selbst die größten Nationen müssen hin und wieder um ihre Teilnahme zittern.
Während die Qualifikation für Russland 2018 weiter läuft, blickt FIFA.com auf unglaubliche Qualifikationsspiele der Vergangenheit zurück.

Nur wenige davon waren ähnlich dramatisch wie der Klassiker zwischen der Elfenbeinküste und Kamerun in Abidjan im September 2005. Die Unzähmbaren Löwen verdarben damals den Ivorern die Feiern, die bereits organisiert waren, um die erstmalige Qualifikation des Landes für eine FIFA WM-Endrunde zu bejubeln.

Das Geschehen
4. September 2005, Stade Houphouet-Boigny, Abidjan

Elfenbeinküste - Kamerun 2:3
Torschützen: Elfenbeinküste: Drogba 38., 47.; Kamerun: Webo 30., 44., 87.

Elfenbeinküste: Gnanhouan, Boka, K. Toure, Zokora, Zoro (Meite 57.), Domoraud, Guel (Fae 46.), B. Kalou, Tiene (Demel 85.), Drogba, Dindane

Kamerun: Hamidou, Song, Kalla, Wome (Atouba 77.), Fotso Njitap, Saidou, Makoun (Meyong Ze 81.), Olembe (Djemba Djemba 70.), Webo, Douala, Eto'o

Die Kulisse
Nach der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ in Zürich erwartete man in der afrikanischen Gruppe 3 einen Zweikampf um den Gruppensieg zwischen Kamerun und Ägypten. Die im Aufschwung befindliche Mannschaft der Elfenbeinküste hingegen wurde von allen Seiten bemitleidet, da man ihr trotz des unbestrittenen Potenzials keine Chance im Kampf mit den zwei kontinentalen Spitzenteams einräumte. Schließlich hatten die Ivorer zuvor sogar die Qualifikation zum CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2004 in Tunesien verpasst.

Doch es dauerte nicht lange, bis die Hackordnung in dieser Gruppe ganz anders aussah. Tatsächlich hatten die Ivorer derart viele Punkte gesammelt, dass sie schon im vorletzten Qualifikationsspiel gegen den Tabellenzweiten Kamerun mit einem Sieg im eigenen Stadion die Teilnahme an der WM in Deutschland hätten unter Dach und Fach bringen können. Die Kameruner wiederum wussten, dass ein Unentschieden oder gar eine Niederlage alle Hoffnungen auf die fünfte WM-Teilnahme in Folge zunichte machen würde.

Die Handlung
Die Stimmung an diesem Nachmittag war von einer nervösen Erwartungshaltung geprägt. Hinzu kam eine überaus drückende feuchte Hitze, in der das reichlich heruntergekommene Stade Houphouet-Boigny zum Schauplatz des Spiels wurde. Das Stadion war hoffnungslos überfüllt und die Zuschauer besetzten auch die Gänge, Treppen und alle anderen Stellen im Stadion, von denen aus etwas zu sehen war.

Die ivorischen Fans schlugen ihre Trommeln mit geradezu hypnotischer Intensität - und über allem lag eine äußerst angespannte Atmosphäre. Der Stammtorhüter der Gastgeber, Jean Jacques Tizie, konnte wegen einer Verletzung nicht spielen, und für ihn war der nicht unumstrittene Gerard Gnanhouan in die Mannschaft gerückt. Auch die Auswahl von Tchiressoa Guel als Kapitän hatte für Aufsehen gesorgt, da er zu jener Zeit keinen Verein hatte. Nach einer halben Stunde schienen sich die schlimmsten Befürchtungen der Fans zu bewahrheiten, als sich der sonst sehr zuverlässige Kolo Touré einen groben Abwehrschnitzer leistete und Achille Webo das Geschenk dankend annahm, um mit einem Heber die Führung für die Gäste zu markieren.

Drogba, der in der sechsten Minute die erste echte Chance zur Führung verpasst hatte, erzielte kurz darauf den Ausgleich nach schöner Vorarbeit von Aruna Dindane auf dem Flügel (38.). Doch fast mit dem Halbzeitpfiff verstummten die Gesänge der einheimischen Zuschauer erneut, als Webo per Kopf eine schöne Kombination von Eto'o, Salomon Olembe und Jean Makoun abschloss.

Wieder mussten die Ivorer einem Rückstand hinterher laufen, und wieder gelang Drogba der Ausgleich, diesmal mit einem perfekt angeschnittenen Freistoß aus der Distanz, nach dem die Fans vor Begeisterung die Nationalhymne anstimmten. Es schien, als würden die Kameruner Löwen ihre Chance nicht nutzen können, und als Guy Demel für die letzten Minuten eingewechselt wurde, um die Abwehr der Hausherren zu verstärken, war klar, dass Trainer Henri Michel sich mit einem Unentschieden zufrieden geben und die Qualifikation im letzten Spiel in Sudan sichern wollte.

Doch dann bekam Kamerun drei Minuten vor Schluss vom tunesischen Schiedsrichter Mourad Daami einen Freistoß zugesprochen. Geremi Fotso Njitap trat an und ließ einen seiner berüchtigten Gewaltschüsse los. Der Ball knallte gegen die Querlatte und sprang zurück ins Feld, wo Webo erneut zur Stelle war und per Kopf aus dem Gewühl heraus seinen Hattrick perfekt machte. Kamerun hatte sich im letzten Moment den dringend benötigten Sieg gesichert.

Der Star
Pierre Achille Webo Kouamo, so sein voller Name, war der aktuelle Sturmpartner von Eto'o. Während Eto'o in der Endphase seiner Karriere unter Verletzungen und Formschwankungen litt, war jener Nachmittag in Abidjan einer der Höhepunkte seiner Karriere. In seinem Heimatland genießt er seither einen geradezu mythischen Ruf.

Die Reaktionen
"Ein fantastisches Fussballspiel. Niemand hat eine Vorstellung davon, wie viel diese drei Punkte für uns bedeuteten. Wir waren schon vor dem Spiel vorsichtig optimistisch und wussten, dass wir äußerst entschlossen zu Werke gehen mussten, wenn wir unseren Traum von der WM-Teilnahme noch weiter träumen wollten."
Achille Webo, dreifacher Torschütze, Kamerun

Was geschah danach?
Nachdem sie die schwere Hürde Elfenbeinküste genommen hatten, ließen die Kameruner letztlich die Chance auf eine Teilnahme in Deutschland doch noch ungenutzt. Mit einem Sieg im letzten Qualifikationsspiel zu Hause gegen Ägypten hätte sich Kamerun zum fünften Mal in Folge für die WM qualifiziert. Alles schien nach Plan zu verlaufen, als Rudolph Douala die Nerven mit dem Führungstor in der 21. Minute beruhigte. Doch als Mohamed Shawky elf Minuten vor Schluss der Ausgleich gelang, machte sich Panik breit, und die Feiern auf den Tribünen endeten jäh.

Kamerun versuchte alles, um noch zum Siegtreffer zu kommen und bekam in der letzten Minute von Schiedsrichter Komlan Coulibaly aus Mali einen Elfmeter zugesprochen. Es war die letzte Aktion des Spiels - doch der Schuss von Pierre Womé ging an den Pfosten und sprang aus dem Gefahrenbereich. Die Ivorer hatten wenige Minuten zuvor ihre Partie in Omdurman gegen Sudan mit einem 3:1-Sieg beendet und warteten angespannt im Mittelkreis auf das Ergebnis aus Yaounde. Als die Nachricht vom Unentschieden durchkam, gab es kein Halten mehr.