FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Uruguay 1930™

13 Juli - 30 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1930™

Varallo: "Bei der WM 1930 ernährten wir Spieler uns mit viel Fleisch"

© AFP
  • ​Varallo sprach darüber, wie man als Fussballer in den 1930ern lebte
  • Viel Fleisch - aber keine Salami!
  • Briefe und Geschenke aus aller Welt

Francisco Varallo hat es genossen, bei der ersten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ überhaupt gespielt zu haben. Und dann wurde er sogar noch 100 Jahre alt, so dass er seine Geschichte immer und immer wieder erzählen konnte. FIFA.com hatte das Privileg, sie sich ebenfalls anhören zu dürfen.

Varallo war gerade einmal 20 Jahre jung, als er 1930 im Endspiel in Uruguay dabei war. 2010, kurz bevor er starb, empfing er uns in seinem Zuhause und hatte viele interessante Geschichten zu erzählen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die WM 1930?
Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Argentinien hatte ein fantastisches Team, in dem ich zuvor erst einmal, zwei Monate vor dem Turnier, zum Einsatz gekommen war. Als junger Spieler blickte ich ehrfürchtig zu den damaligen Stars wie Luis Monti, Manuel Ferreira oder Guillermo Stábile auf. Zu jener Zeit war es üblich, dass die Startaufstellung nicht vom Trainer, sondern von den erfahrensten Spielern der Mannschaft festgelegt wurde. Vor meinem WM-Debüt gegen Frankreich fragte ich Ferreira, den Kapitän, wie ich spielen sollte. Er antwortete: 'Spiel einfach Dein Spiel und zeige, was du kannst.' Und daran hielt ich mich.

Nach der 2:1-Halbzeitführung hatte Argentinien schon die Hand am Pokal...
Gegen Chile verletzte ich mich am Knie und ließ deshalb das Halbfinale gegen die USA aus, um fürs Endspiel wieder einigermaßen fit zu sein. Ich hatte immer noch Schmerzen und hätte eigentlich nicht spielen sollen, aber für dein Land willst du einfach alles geben. In der zweiten Halbzeit spürte ich mein Knie immer stärker. Wir waren bereits nur noch zu zehnt, und dann fielen noch zwei meiner Mitspieler mit Verletzungen aus. Auswechslungen gab es damals noch nicht, und zu acht waren wir chancenlos. Die Uruguayer, die nach der Pause deutlich stärker wurden, hatten den Sieg absolut verdient - aber für uns war es natürlich eine ganz bittere Niederlage.

In den letzten 80 Jahren hat sich der Fussball in vielerlei Hinsicht stark verändert. Wie hielten Sie es zu Ihrer Zeit zum Beispiel mit dem Training und der Ernährung?
Im Team trainierten wir höchstens dreimal pro Woche, doch ich legte oft Sonderschichten ein. Als ich in La Plata spielte, ging ich häufig zum Joggen in einen Park, und bei Boca durfte ich für meine zusätzlichen Einheiten sogar den Platz benutzen. Ich hatte immer Spaß daran, mich zu bewegen, und machte bis vor wenigen Jahren regelmäßig Sport.

Ernährungsberater gab es damals noch nicht. Stábile meinte nur, wir sollten keine Salami-Sandwiches essen. Ich ernährte mich immer gesund und vielfältig, wozu für einen Argentinier natürlich viel Fleisch gehörte. Vor den Spielen langte ich immer besonders kräftig zu. Roberto Cherro fragte mich oft: 'Panchito, wie kannst Du nur so viel essen?', worauf ich stets antwortete: 'Hungrig kann ich keine Tore schießen!' Auf Alkohol, Zigaretten und Süßgetränke verzichteten wir gänzlich, und wir aßen nicht so viel Pasta, wie das die Sportler heute tun. So schlecht kann dieser Speiseplan nicht gewesen sein - immerhin habe ich noch alle meine Zähne! Bestimmt spielten auch die Erbanlagen eine Rolle, aber ich war nie dick und immer recht muskulös und ging während meiner ganzen Karriere nie zu einem Arzt. Es ist fantastisch, welche Fortschritte seither im medizinischen Bereich gemacht wurden. Mein Knie kam nach der Verletzung, die ich mir in Uruguay zugezogen hatte, nie mehr ganz in Ordnung. Heutzutage werden die Spieler operiert und stehen kurze Zeit später schon wieder auf dem Platz!

Wie sah das Leben eines Fussballers damals aus?
Ich wuchs in einer mittelständischen Familie auf. Meine drei Brüder und ich hatten immer genug zu essen und konnten alle eine Ausbildung absolvieren. Ferien gab es damals nicht; stattdessen machten die Leute Ausflüge aufs Land oder nach Buenos Aires. Als ich für Boca spielte, konnte ich mir ein Auto leisten und fuhr oft nach Mar del Plata ans Meer. Ich liebte es, schnell zu fahren - die 400 Kilometer Schotterstraße nach Mar del Plata schaffte ich in vier Stunden - und saß bis weit nach meinem 80. Geburtstag noch selbst hinter dem Steuer. Die Bremsen musste ich in all diesen Jahren nie reparieren lassen, weil ich sie nur selten brauchte.

Sind Sie sich bewusst, welch wichtigen Platz Sie in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ einnehmen? Besonders staune ich, dass mich auch so viele junge Menschen erkennen. Bei meinem Besuch in Frankreich kamen Leute aus Deutschland, Polen, England, der Schweiz und vielen anderen Ländern auf mich zu und wollten mir die Hand schütteln. Ich bekomme immer noch Briefe und manchmal sogar Geschenke von Fans, was mich sehr berührt. Das alles habe ich nur dem Fussball zu verdanken! Hier in La Plata kennt mich sowieso jeder, von den Kindern bis zu den Senioren, und die Stadt hat mich sogar zum Ehrenbürger ernannt. Ohnehin scheint mir, dass ich in letzter Zeit immer öfter geehrt werde. Mein bescheidener Beitrag zur WM-Geschichte ist offenbar noch nicht in Vergessenheit geraten.

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