FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Pelé: "Ich bin für den Fussball geboren"

Er nahm an vier FIFA Fussball-Weltmeisterschaften teil und hielt drei Mal den Pokal in die Höhe. Und dennoch ist die nächste Endrunde diejenige, auf die er sich besonders freut, obwohl er sie nur von außen in Anzug und Krawatte miterleben wird.

O Rei Pelé ist mit seinen 71 Jahren ein engagierter Botschafter für Brasilien 2014, ein Turnier, das er voller Aufregung erwartet. Obwohl ihm seine über alles geliebte Seleçao in letzter Zeit so manche Sorge bereitet hat.

FIFA.com hatte die Gelegenheit, mit dem legendären Brasilianer über das Turnier in seinem Heimatland und über seine Erwartungen an die brasilianische Nationalmannschaft zu sprechen, die vor eigenem Publikum vor einer großen Herausforderung steht.

Ich bin für den Fussball geboren - wie Beethoven für die Musik und Michelangelo für die Malerei geboren wurde.

Pelé, wie fühlen Sie sich auf dem Weg zu dieser FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™?Es ist zweifellos eine sehr spezielle und sehr wichtige Zeit für mich. Endlich kommt die WM in mein Land! Ich unterstützte bereits die Turniere in Korea und Japan, in den USA - wo es übrigens eines der am besten organisierten Wettbewerbe zu sehen gab - und in Südafrika. Jetzt ist mein Land an der Reihe. Ich möchte zum Team gehören, auch wenn es außerhalb des Platzes ist.* [lacht]*

Welche Erwartungen herrschen in Brasilien?In Brasilien ist der Fussball das tägliche Brot. Brasilien lebt Fussball! Die Erwartungen und die Ziele sind sehr hoch. Alle wissen, dass es am Anfang einige Probleme gab, doch jetzt ist alles geregelt. Alles passt. Präsidentin Dilma Rousseff arbeitet sehr hart für das Wohl dieses Turniers. Jetzt rudern wir alle in die richtige Richtung.

Es ist eine große Gelegenheit, nicht nur in fussballerischer Hinsicht. Brasilien muss alles zeigen, was es hat. Wir werden viele Menschen empfangen und müssen die Gelegenheit nutzen, um als Land zu wachsen. Wirtschaftlich erleben wir zurzeit eine sehr gute Phase, und wir müssen die Gelegenheit nutzen, um noch weiter vorwärts zu kommen.

In der Seleçao werden junge Spieler wie Neymar und Ganso für das Team von entscheidender Bedeutung sein. Glauben Sie, dass der Druck für sie zu groß sein könnte?Nun, das hängt davon ab, was sie mit "jung" meinen. Sie sind 20 Jahre alt. Ich war bei meiner ersten Weltmeisterschaft 17. Sie sind also nicht mehr ganz so klein. [lacht] Der Druck ist groß, weil sie momentan die großen Stars sind. Doch unabhängig von den einzelnen Spielern ist das Wichtigste, dass die Nationalelf als Team funktioniert. Brasilien hat immer große Spieler, sowohl zu Hause wie auch im Ausland. Dieses ganze Talent muss organisiert und koordiniert werden. Und noch haben wir etwas Zeit.

Bei meiner letzten Weltmeisterschaft 1970 waren große Namen im brasilianischen Team: Rivelino, Tostao, Pelé - doch wir waren auch sehr gut organisiert, es herrschte große mannschaftliche Geschlossenheit. Es war eine sehr starke Gruppe, und ich denke, das war der Schlüssel.

Und glauben Sie, dass sich die Vorbereitungen auf dem richtigen Weg befinden?Das hoffe ich! Zumindest vertrauen wir dem Trainer und geben ihm Zeit, damit er seine Philosophie umsetzen kann. Wenn man den Trainer austauscht, tauscht dieser die Spieler aus, und das ist nicht gut. Wir dürfen nicht vergessen, dass Brasilien eine große Verantwortung trägt, da es zu Hause spielt und die Menschen sehr anspruchsvoll sein werden.

Welche der erfahrenen Spieler werden Ihrer Meinung nach entscheidend sein, um diese Herausforderung anzunehmen?Wir verfügen über große Namen, aber bis dahin sind es noch zwei Jahre. Es handelt sich um eine langfristige Arbeit. Es ist wichtig, schon jetzt mit einem seriösen Plan und sehr viel Disziplin zu beginnen. Die Spieler müssen sich daran gewöhnen, zusammen zu spielen. Die jüngsten Ergebnisse lassen keinen anderen Schluss zu. Die Niederlande, Spanien, der FC Barcelona - es sind Spielerkollektive, die seit langer Zeit zusammenspielen.

Stichwort Barcelona: Sie haben gesehen, wie das Team bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Japan gegen Ihr Santos gewonnen hat. Hat Sie der Unterschied überrascht?Ehrlich gesagt, nicht sehr. Ich habe sie in der letzten Zeit beobachtet. Dieses Barça ist wie Santos zu meiner Zeit oder Benfica, Ajax, der AC Mailand oder Real Madrid in ihrer jeweils goldenen Ära. Es waren Mannschaften, die jeweils der Maßstab ihrer Zeit waren. Ich wiederhole mich: Ich denke, dass der Schlüssel darin liegt, eine Mannschaft über längere Zeit hinweg zusammenzuhalten. Und beachten Sie, dass Barcelona die Basis der spanischen Nationalmannschaft ist. Diese Erfolge hängen zusammen. So wie damals die Erfolge von Ajax und der Niederlande oder von Santos und Brasilien.

Ist es die Spielweise, die sich durchsetzen wird?Die Menschen wollen diesen Fussball sehen, dieses Spektakel. Ich selbst hoffe schon, dass es die Grundlage für den Fussball der Zukunft ist, in dem die Technik die Oberhand über die Kraft behält. Deutschland zum Beispiel praktiziert heute einen technisch anspruchsvolleren Fussball. Das ist der Fussball, den wir sehen wollen: Der Ball muss laufen, nicht die Spieler, und dies kann nur geschehen, wenn die Mannschaft gut organisiert ist. So ist Barça heute, so war damals mein Santos - ich habe großes Glück gehabt.

Aber Ihre Karriere basierte nicht auf Glück, sondern auf Talent...Mein Vater sagte immer zu mir: 'Du bist zum Fussballspielen geboren. Du hast eine Begabung dafür. Doch wenn du dich nicht vorbereitest, wenn du nicht trainierst und viel übst, wirst du nicht besser sein als der Rest.' Er hatte sehr Recht. Aber gut, ich bin für den Fussball geboren - wie Beethoven für die Musik und Michelangelo für die Malerei geboren wurde.

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