In der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 setzt der winzige Inselstaat St. Kitts und Nevis in erster Linie auf die Athletik, die schiere Kraft und mögliche Tore seines beliebten Sohnes, des großen Atiba Harris.

Als einer der wenigen Auslands-Profis im Team der Sugar Boyz begann Harris seine Fussballkarriere in England als Jugendlicher bei den Queens Park Rangers und Newcastle, bevor er auf Drängen seines Vaters nach Hause zurückkehrte, um dort die Schule abzuschließen. Der dynamische Stürmer landete dann bei Cadiz, wo er der erste Spieler von St. Kitts und Nevis wurde, der in Spaniens Fussball spielte. Anschließend wechselte er in die U.S.-amerikanische Profiliga MLS.

Kurz vor seiner ersten Saison bei Chivas USA in Los Angeles brennt Atiba, der zuvor zwei Jahre bei Real Salt Lake unter Vertrag stand (ebenfalls als erster Spieler aus St. Kitts und Nevis, der jemals Profifussball in den Staaten spielte), auf das erste Spiel seines Teams gegen das nicht allzu stark einzuschätzende Belize.

"Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an die Spielweise in den Vereinigten Staaten gewöhnt habe", erzählte der 23-Jährige FIFA.com. "Auf den Inseln, von denen ich komme, und auch in England, wo ich das Spiel gelernt habe, wird Fussball mit viel Körpereinsatz gespielt. Einige in den USA halten mich für einen unfairen Spieler, aber ich setze ja nur meine Kraft und meinen Körper ein.

Einige Dinge, die von den Schiedsrichtern in der MLS abgepfiffen werden, würden in England oder der Karibik von den Unparteiischen gar nicht beachtet", fügt er hinzu und grinst.

Doch Harris ist weit mehr als ein Spieler, der von der Härte lebt, vielmehr haben ihn seine Schnelligkeit und sein Torinstinkt zum Dreh- und Angelpunkt des Teams von St. Kitts gemacht, das sich ansonsten aus heimischen Amateurspielern, talentierten Fussballern von U.S.-Universitäten und einer Reihe von Spielern aus niedrigen englischen Ligen zusammensetzt. Mit seinen sieben Treffern in 22 Länderspielern avancierte der Stürmer aus Los Angeles zur großen Hoffnung seiner Nationalelf für 2008.

"Er ist das Gesicht des Profifussballs von St. Kitts und Nevis", erklärte der Cheftrainer und frühere Nationalspieler Leonard Taylor, mittlerweile in seinem dritten Jahr verantwortlich für die Geschicke der Sugar Boyz. "Er ist ein kompletter Stürmer und hat sein Handwerk hier auf den Inseln gelernt. Für die anderen ist er damit ein Vorbild. Er ist stark und entschlossen und wir setzen vor allem auf ihn."

Der Trainer von Chivas USA und ehemalige U.S.-Starspieler Preki teilt Leonards hohe Meinung von Harris. "Er kann sehr gut den Ball halten und ist ein äußerst schneller Spieler", erklärte er etwas mehr als zwei Monate vor Beginn der neuen MLS-Saison. "Wir erwarten Großes von ihm."

Obwohl St. Kitts und Nevis mit einer Bevölkerung von etwas mehr als 40.000 Menschen und einer Fläche von gerade einmal 169 Quadratkilometern die kleinste Nation Amerikas ist, ist man doch klarer Favorit in der ersten CONCACAF-Qualifikationsrunde, in der es in Hin- und Rückspiel gegen Belize geht, das in Mittelamerika am schwächsten eingeschätzte Team, in der Weltrangliste auf Position 201 von 208.

Kitts und Nevis dagegen liegt auf einem respektablen 151. Platz und bot zuletzt in einer Reihe von Freundschaftsspielen gegen Bermuda, Antigua und Barbuda, bei denen auch ein Sieg heraussprang, gute Leistungen.

Da Belize aus Mittelamerika kein geeignetes Stadion für das Hinspiel am 6. Februar bereitstellen konnte, wird die erste Partie in Guatemala-Stadt ausgetragen. Das Rückspiel am 26. Februar findet dann in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts, statt.

"Ich möchte Belize nicht abschreiben, setze aber schon darauf, dass wir sie schlagen werden", erklärte der junge Atiba, der bereits vor vier Jahren dabei war, als man in der Qualifikation für Deutschland 2006 durch einen Sieg gegen Barbados und die Amerikanischen Jungferninseln die erste Gruppenphase erreichte.

Mexiko wartet
Dieses Mal dürfte der Weg in die Gruppenphase jedoch um einiges schwieriger werden. Falls man Belize schlägt, geht es nämlich gegen die historisch stärkste Mannschaft der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone.

"Wenn wir Belize schlagen, werden wir uns in einer Sackgasse gegen Mexiko wieder finden", erklärte Trainer Leonard dazu.

"Ich glaube, dass wir sie ärgern können", verkündet dagegen ein enthusiastischer Harris, der in den Gruppenspielen der Qualifikation für Deutschland in dem Team stand, das einer mexikanischen B-Elf mit dem Gesamtergebnis von 0:13 aus zwei Spielen unterlag. "Als wir in der Qualifikation für 2006 auf sie trafen, fehlten noch unsere anderen im Ausland tätigen Spieler. Ich selbst war damals auch noch sehr jung."

"Wenn sie dieses Mal wieder eine Nachwuchsmannschaft oder ihre Ersatzspieler einsetzen wollen, dann hätten wir damit kein Problem", warnt Harris. "Dann würden sie jedoch das Spiel verlieren. Die Dinge ändern sich in der Karibik und man sollte uns nicht auf die leichte Schulter nehmen."

Mit schierer Kraft und viel Talent sind die Sugar Boyz und ihr Starstürmer Harris offenbar bereit, in der Qualifikation einen großen Kampf zu liefern.