
Mit Ausnahme Europas ist die Qualifikation für die FIFA Fussball- Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ rund um die Welt in vollem Gang – und hat schon zahlreiche Opfer gefordert. Ein Drittel der gestarteten Teams ist bereits ausgeschieden.
Aus und vorbei ist die WM-Ausscheidung auch für die Mannschaft aus der VR China. Dabei waren die Chinesen mit großen Ambitionen in die dritte Qualifikationsrunde der asiatischen Fussballkonföderation (AFC) gestartet. Unter ihrem neuen Trainer José Camacho wollten sie sich für die zuletzt enttäuschenden Ergebnisse rehabilitieren und ihrer Favoritenrolle in der Gruppe A gerecht werden. Doch die chinesischen Kicker gerieten schnell in Rücklage. Sie patzten gleich mehrfach und landeten letztlich nur auf dem dritten Rang hinter Jordanien und Irak, die damit in die nächste Runde einzogen. Der 4:0-Kantersieg zum Schluss gegen Singapur war da ein schwacher Trost. China VR war draußen – einmal mehr muss man sagen, denn seit dem WM-Debüt 2002 haben es die Chinesen nie mehr in die Finalrunde der Asienausscheidung geschafft. Entsprechend groß war die Ernüchterung bei den Spielern, Offiziellen und Trainern.
Gründe für das Scheitern gibt es viele. "Wir sind uns einig, dass sich das chinesische Team ändern muss" sagte etwa Camacho bei einer Medienkonferenz vor dem abschließnden Sieg gegen Singapur am 15. November. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir können uns noch in vielen Bereichen verbessern, angefangen beim Training. Wir müssen mehr trainieren und dann mehr Spiele bestreiten, um besser zu werden."
Trotz des unerwartet frühen Ausscheidens setzt der chinesische Fussballverband weiterhin auf Camacho. Der ehemalige spanische Nationaltrainer soll nun die nötigen Veränderungen an die Hand nehmen und in den kommenden Monaten die erforderliche Basis legen, indem er die Trainer der chinesischen Profiliga in Sachen Trainingsmethodik auf den neusten Stand bringt.
Sambisches Pingpong
Auch Kapitän Li Weifeng ist von den Fähigkeiten des ehemaligen Trainers von Benfica und Real Madrid überzeugt. Ein Trainerwechsel – wie so oft in der Vergangenheit – ist für ihn deshalb keine Lösung – ganz im Gegenteil.
"Der chinesische Fussball war zehn Jahre lang auf dem Holzweg. Während andere große Fortschritte erzielten, machten wir einen Rückschritt", sagte Li vor Reportern. "Camacho hatte zu wenig Zeit. Wir sollten deshalb Geduld haben und seiner Linie folgen. Die chinesischen Spieler sind in ihrem taktischen Verständnis ganz offensichtlich noch nicht so weit, als dass sie den Anweisungen des Trainers folgen könnten. Es ist so, als ob ein Chinese ein sambisches Tischtennisteam trainieren und sofort Erfolg haben müsste."
Neben China blieben im November noch weitere ehemalige WM-Teilnehmer auf der Strecke, allen voran die DVR Korea (1966 und 2010), die am 11. November gegen Usbekistan – immerhin Halbfinalist beim Asien-Pokal im letzten Jahr – die zweite 0:1-Niederlage in Folge einstecken und damit als erster WM-Teilnehmer von 2010 die Segel streichen musste.
In der Gruppe C erreichten damit Usbekistan und Japan die nächste Runde. In der Gruppe D wurde Australien seiner Favoritenrolle gerecht. Nach der überraschenden 0:1-Niederlage gegen Oman machten die Australier vier Tage später mit einem 1:0-Auswärtssieg gegen Thailand alles klar und holten sich souverän den Gruppensieg. Noch bestechender war der Auftritt Irans in der Gruppe E. Die Mannschaft, die nach 1978, 1998 und 2006 ihre vierte WM-Qualifikation anstrebt, blieb ungeschlagen. Krönender Abschluss war der 4:1-Auswärtserfolg gegen die Mannschaft aus Indonesien, die damit weiter auf ihre zweite WM-Teilnahme nach 1938 – damals noch in den Farben Niederländisch Ostindiens – warten muss.
"Asien wird derzeit von drei Königen regiert: Australien, Japan und der Republik Korea. Wir setzen alles daran, Iran als vierten König zu inthronisieren. Das ist unser Ziel für die nahe Zukunft", betonte Carlos Queiroz, Irans überaus erfahrener Trainer, nach dem Sieg in Jakarta.
Sechs der zehn Teilnehmer der vierten Qualifikationsrunde stehen damit fest. Die restlichen vier Tickets werden am 29. Februar am letzten Spieltag der dritten Ausscheidungsrunde vergeben. Hinter Australien kämpfen in der Gruppe D Saudiarabien, Oman und Thailand um Platz zwei. In der Gruppe E hat Katar, WM-Gastgeber 2022, die besten Karten vor dem Nachbarn aus Bahrain, der allerdings schon drei Punkte und neun Tore zurückliegt.
In der überraschend ausgeglichenen Gruppe B liefern sich WM-Stammgast Korea Republik, Libanon und Kuwait einen spannenden Dreikampf, während die Vereinigten Arabischen Emirate (WM-Teilnehmer 1990) abgeschlagen auf dem letzten Platz liegen. Erstaunlich schwer tun sich die Koreaner, die ihre achte WM-Qualifikation in Folge anpeilen, bislang aber eine eklatante Auswärtsschwäche zeigten: Nach einem 1:1 im September gegen Kuwait verloren sie im November zuerst gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (0:2) und dann auch noch gegen die Mannschaft aus Libanon (1:2), die sie zum Auftakt noch mit 6:0 bezwungen hatten. Der Verband zog daraufhin im Dezember die Reissleine und entließ Trainer Cho Kwang-Rae. Dabei haben es die Koreaner noch immer selbst in der Hand. Im Februar reicht ihnen zu Hause gegen Kuwait bereits ein Punkt, um weiterzukommen.
Überraschung in der Karibik
Überraschungen gab es auch in Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF), wo in der zweiten Runde gleich drei der sechs gesetzten Teams strauchelten. Die ehemaligen WM-Teilnehmer Haiti und Trinidad und Tobago verpassten den nötigen Gruppensieg ebenso wie die Mannschaft aus Grenada, die als nominelle Nummer eins in der Gruppe E in sechs Spielen gleich vier Niederlagen kassierte und mit dem letzten Platz vorliebnehmen musste.
Katzenjammer auf der einen, Jubel auf der anderen Seite, insbesondere bei den goldenen Jaguaren aus Guyana, die im November am vorletzten Spieltag zu Hause Trinidad und Tobago mit 2:1 bezwangen. Der WM-Teilnehmer von 2006 vermochte sich vier Tage später in Port of Spain zwar mit 2:0 zu revanchieren, musste sich hinter Guyana aber dennoch mit Platz zwei begnügen. Ein Punkt fehlte, womit die Vorschlussrunde der CONCACAF-Ausscheidung erstmals seit 30 Jahren ohne die Soca Warriors über die Bühne gehen wird.
"Das ist für Guyana ein historischer Moment. Wir haben gezeigt, was man mit Willen, Entschlossenheit und Vertrauen in sich selbst und sein Land alles erreichen kann", sagte Guyanas Trainer Jamaal Shabazz, nachdem sein Team seine Heimat Trinidad ausgeschaltet hatte. "Von dem haben wir geträumt. Mit vereinten Kräften haben wir es geschafft."
Riesig war die Freude auch auf Antigua und Barbuda, als die Spieler des Antillenstaats am 11. November Haitis Traum einer erneuten WM-Teilnahme nach 1974 jäh zunichte machten. Der Ministaat mit nur gerade 90 000 Einwohnern – verglichen mit rund zehn Millionen auf Haiti – schaffte im ausverkauften Kricketstadion in der Hauptstadt St. John’s eine Riesensensation. Acht Minuten vor Schluss zirkelte der 30-jährige Routinier Kerry Skepple den Ball ins Netz und sicherte seinem Team damit einen nie erwarteten 1:0-Erfolg. Wie Trinidad und Tobago vermochte sich Haiti vier Tage später zwar vor heimischem Publikum zu rehabilitieren, doch die Auswärtspleite wog zu schwer. Mit zwei Punkten Rückstand blieb nur Rang zwei.
"Wir können in der Karibik eine Macht werden. Wir können hier jeden schlagen", ist Antigua und Barbudas Stürmer Peter Byers überzeugt, der mit acht Treffern die Torschützenliste der Teams anführt, die sich noch für Brasilien 2014 qualifizieren können. Nach dem Coup gegen Haiti wartet auf Byers und seine Teamkollegen in der dritten Qualifikationsrunde erneut eine Herkulesaufgabe. Zusammen mit Guatemala, das sich in Runde zwei ebenfalls qualifiziert hat, treffen sie nun auf die beiden Schwergewichte USA und Jamaika.
Die Guatemalteken, die zum Zeitpunkt der Setzung für die zweite Runde in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste noch hinter Grenada lagen und damit auf dem Papier nur die Nummer zwei waren, erwiesen sich in der Gruppe E als klar stärkste Mannschaft. Sechs Siege in sechs Spielen lautete die beeindruckende Bilanz – darunter zwei Siege gegen das Team aus Grenada, das nicht über den letzten Platz hinauskam.
Keine Überraschung gab es in den drei anderen Gruppen. Wie erwartet zogen El Salvador, Panama und Kanada in die nächste Runde ein. Während El Salvador und Panama mit dem Punktemaximum durchmarschierten, musste Kanada kämpfen. Ärgster Verfolger war lange Zeit St. Kitts und Nevis, doch mit einem 0:0 in Basseterre hielten die Nordamerikaner die Insulaner auf Distanz, ehe sie am letzten Spieltag mit einem 4:0-Heimsieg alles klar machten.
Kaum Überraschungen in Afrika
Während die CONCACAF und die AFC bereits die zweite oder gar dritte Qualifikationsrunde austrugen, starteten Afrika und Ozeanien erst gerade ins Rennen.
Afrika begann seine Ausscheidung mit einer K.-o.-Runde mit Hin- und Rückspielen zwischen den 22 am schlechtesten klassierten Teams der Konföderation. Neun der elf Duelle verliefen nach Papierform. Nur Äquatorial-Guinea und Lesotho vermochten dank Heimsiegen in die Phalanx der gesetzten Teams einzudringen. Das Nachsehen hatten die höher kotierten Mannschaften aus Madagaskar und Burundi. Für Lesotho war es gar der erste Sieg in einem WM-Qualifikationsspiel überhaupt.
"Das hat dem ganzen Land enorm Auftrieb gegeben und das Team ungemein gefreut", erzählte Lesothos Trainer Leslie Notsi FIFA World nach dem 2:2-Unentschieden im Rückspiel in der burundischen Hauptstadt Bujumbura, das dem Team den Einzug in die zweite Runde sicherte."„Wir sind über Johannesburg zurückgeflogen und haben dann den Bus nach Maseru genommen. Um 23 Uhr erreichten wir endlich die Grenze, wo wir frenetisch empfangen wurden."
Die anderen Favoriten hielten sich währenddessen mehr oder weniger schadlos. Kurzen Prozess machten Kenia, Namibia, Äthiopien, die DR Kongo und Kongo. Die fünf siegten mit jeweils mindestens fünf Toren Vorsprung. Zittern mussten dagegen Ruanda und Togo (WM-Teilnehmer 2006), die letztlich aber beide mit einem blauen Auge davonkamen.
Nach einem 1:1 im Hinspiel ließen die Ruander auf eigenem Boden nichts anbrennen und bodigten Eritrea mit 3:1. Weit weniger souverän lösten die Sparrow Hawks, die im Hinspiel ebenfalls 1:1 gespielt hatten, die Aufgabe. Gegen Guinea-Bissau kamen die Togolesen auch vor heimischer Kulisse nicht wirklich auf Touren und mussten nach der frühen Führung bis zum Schluss bangen, ehe der 1:0-Sieg feststand. Die Erleichterung war enorm, zumal Starstürmer Emmanuel Adebayor fast zwei Jahre nach seinem Rücktritt eigens für dieses so wichtige Spiel sein Comeback gegeben hatte. Für Interimstrainer Didier Six gab es nach dem erlösenden Sieg gleich doppelten Grund zur Freude. Der ehemalige französische Nationalspieler erhielt vom togolesischen Verband kurzerhand einen Vertrag bis 2014.
Erfolg im 31. Anlauf
Noch größer war der Jubel weiter östlich, als Amerikanisch-Samoa gegen Tonga zum Auftakt der Ozeanienqualifikation 2:1 gewann und damit seinen allerersten Erfolg in einem internationalen Pflichtspiel landete – dies im 31. Anlauf. 30 Niederlagen, darunter allein deren zwölf in den drei Anläufen zur WM-Qualifikation bei einem Torverhältnis von 2:129, waren dem historischen Moment vorausgegangen. Tiefpunkt war zweifellos die 0:31-Pleite gegen Australien im April 2001, die noch heute Weltrekord ist.
Nach dem sensationellen Auftakt in der ersten Qualifikationsrunde, in der die vier am schlechtesten klassierten Teams der Konföderation gegeneinander antreten mussten, setzte das Team aus Amerikanisch-Samoa mit einem 1:1 gegen die Cook-Inseln gleich noch einen drauf und hatte so weiter gute Chancen, in die zweite Runde einzuziehen. Im dritten Spiel wurden die Überflieger dann aber unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Lange Zeit waren sie auf Kurs und hätten zehn Minuten vor Schluss beinahe die neuerliche Sensation perfekt gemacht, doch der Pfosten rettete für Samoa. In der letzten Minute kam dann die jähe Bruchlandung. Die Amerikanisch- Samoaner liefen in einen Konter, den Silao Malo für Samoa kaltblütig abschloss. Das Team der Stunde war damit unsanft gelandet – ein bitteres Ende einer ansonsten denkwürdigen Woche. Nach der ersten Enttäuschung überwog denn auch die Freude über eine für einmal wirklich historische Leistung.
"Das war Amateurfussball vom Feinsten", freute sich Trainer Thomas Rongen. "Der Fussball kann manchmal brutal sein. 23 Männer haben alles gegeben, ohne etwas dafür zu bekommen. Einige haben extra frei und damit Lohneinbussen in Kauf genommen. Unser Torhüter war schon beim 0:31 gegen Australien dabei. Nach dem Sieg gegen Tonga kam er zu mir. Er weinte und sagte: 'Nun kann ich meinen Kindern sagen, dass ich ein Sieger bin.' Dieser Moment war noch schöner als der Sieg."
Enges Rennen in Südamerika
Noch kein Thema ist die Weltmeisterschaft in Europa. Während auf dem Alten Kontinent der Wettlauf um die WM-Fahrkarten erst nach der UEFA EURO 2012 im September losgeht, ist der Wettstreit in Südamerika bereits voll entbrannt. Schon im Oktober begann die CONMEBOL-Ausscheidung, die ein wahrer Marathon ist. Denn gespielt wird in einer einzigen Gruppe mit Hin- und Rückspielen zwischen allen neun Teams. Bis sich das Teilnehmerfeld lichtet, wird es somit wohl noch einige Zeit dauern, zumal die Unterschiede minimal sind. Das zeigten auch die Spiele im November, nachdem schon die ersten beiden Runden im Oktober äußerst eng verlaufen waren.
Praktisch alle Teams mussten denn auch schon Federn lassen. Einzige Ausnahme war die Mannschaft aus Uruguay, die ihren Anfangsschwung mitnahm und am 11. November Chile gleich mit 4:0 abfertigte. Während alle anderen Teams schon mindestens einmal verloren haben, sind die Uruguayer nach drei Spielen noch ungeschlagen. Sieben Punkte haben sie auf dem Konto, nur gerade vier mehr als Peru auf Rang acht.
Wie eng alle zusammen sind, zeigt auch, dass im November kein einziges Team zwei Siege einfahren konnte – auch nicht der zweifache Weltmeister Argentinien, der noch immer nach seiner Form sucht. Nach dem mageren 1:1 zu Hause gegen Schlusslicht Bolivien zeigte die Albiceleste beim 2:1-Auswärtssieg gegen Kolumbien immerhin einen Aufwärtstrend.
Wiedergutmachung gelang im zweiten Novemberspiel auch den Chilenen. Nach der Schlappe gegen Uruguay schlugen sie Paraguay mit 2:0. Für die Paraguayer war es nach dem 2:1 gegen Ecuador vier Tage zuvor derweil ein herber Rückschlag. Dass in Südamerika derzeit jeder gegen jeden gewinnen kann, bewiesen auch die Ecuadorianer, die sich mit einem 2:0 gegen Peru eindrucksvoll zurückmeldeten. Weiter auf der Erfolgsspur sind die Venezolaner, die sich als einziges südamerikanisches Team noch nie für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zu qualifi zieren vermochten. Mit einem Unentschieden auswärts gegen Kolumbien und einem Heimsieg gegen Bolivien machten sie deutlich, dass sie diese Scharte endlich auswetzen wollen.
Nach fast einem Viertel des Pensums liegen Venezuela, Uruguay und Argentinien nach Punkten in der Tabelle derzeit gleichauf. Die Uruguayer haben allerdings ein Spiel weniger absolviert.
Nun gibt es erst einmal sechs Monate Pause, ehe der Marathon im Juni weitergeht. Für die Teams die Gelegenheit, an ihrer Abstimmung zu feilen und für die restliche Strecke neuen Schwung zu holen. Den können die Teams gut gebrauchen, denn der Weg ist noch lang, das bestätigt auch der argentinische Stürmer Gonzalo Higuaín: "Jetzt haben wir sechs Monate Zeit, unsere Form zu finden. Wir haben einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, aber die Qualifikation ist noch lang …"



























