Itaquera im Wandel der Zeit
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Wie sah Itaquera vor 100 Jahren aus? Gab es Fussball in diesem Viertel? Gab es bereits einen Fussballplatz in der Nähe des zukünftigen Standorts der Arena von São Paulo? Um diese und viele andere Fragen zu beantworten, haben die Verantwortlichen des Fussballmuseums von São Paulo eine Forschungsgruppe auf die Beine gestellt, um das Geheimnis von Itaquera zu lüften.

Bislang weiß man lediglich, dass die Flussufer von Itaquera traditionell eine Hochburg des organisierten Amateurfussballs waren, des sogenannten Futebol de Várzea (Als Várzea werden im brasilianischen Portugiesisch die Freiflächen an den Ufern der Flüsse bezeichnet). Zahlreiche Teams wurden hier ins Leben gerufen. Dies liegt sicher auch daran, dass das Viertel nicht gerade einen Steinwurf vom Zentrum der Millionenmetropole entfernt ist. Auch heute gibt es noch zahlreiche Fussballfelder an den Flussufern von Itaquera.

Beim Futebol de Várzea handelt sich allerdings um ein Phänomen, das nach und nach aus den großen Städten verschwunden ist. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele brachliegende Felder als Fussballplätze genutzt. Diverse brasilianische Stars sammelten hier ihre ersten Erfahrungen. In São Paulo trugen vor allem die Fabriken und die daraus hervorgehenden Arbeiterteams zur Entwicklung des Fussballs bei.

Der Bau der Arena von São Paulo lässt auch Erinnerungen an das Pacaembu-Stadion wach werden, das Austragungsort der FIFA WM 1950 war. Laut Museumsleiterin Clara Azevedo galt das Stadion, das näher am Zentrum als an Itaquera gelegen war, zum Bauzeitpunkt in den späten 30er-Jahren als abgelegen.

"Das Pacaembu-Stadion gilt heute als zentral gelegen. Zum Zeitpunkt des Baus, in der Nähe des Krankenhauses Santa Casa [da Misericordia], war das aber ganz und gar nicht der Fall. Die Lichtbilder vom Bau des Pacaembu-Stadions zeigen einen gering besiedelten Ort. Das Stadion war enorm wichtig für die damalige Entwicklung. Die gleiche Bedeutung wird die Arena von São Paulo für den Osten der Stadt haben, der eine enorme Größe hat. Es ist ein Ort, der extrem schnell wächst, und viele Leute aus der Stadt haben noch keinen Fuß dorthin gesetzt", urteilt die Museumsleiterin.

Den Untersuchungen zufolge gab es im Pacaembu-Viertel früher sogar zwei Wasserfälle in unmittelbarer Stadionnähe. Ein Lichtbild von 1945 zeigt eine große, vollständig unbebaute Fläche direkt neben dem Stadion. Einige Jahre später änderte sich allerdings das Bild. Zahlreiche Wohnanlagen entstanden. Heutzutage ist das Viertel nicht nur zentral gelegen, sondern verfügt auch über eine ausgezeichnete Infrastruktur, die neben Wohnanlagen auch viele Geschäfte für eine Bevölkerung mit hoher Kaufkraft bietet. Es ist zweifelsohne eines der besseren Wohngegenden von São Paulo.

Der Bau des Pacaembu-Stadions hat dem Fussball in São Paulo zudem eine neue Dimension verliehen. Bis zu seiner Einweihung im Jahr 1940 verfügte die Stadt über kein einziges großes Zentrum für sportliche Aktivitäten. Das Morumbi-Stadion, das das größte Stadion der Stadt werden sollte, entstand erst in den 60er Jahren.