Zum ersten Mal seit der WM 1998 in Frankreich wird Costa Rica nicht als Vertreter der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone (CONCACAF) an einer Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Die Ticos, die in der letzten Qualifikationsrunde monatelang Tabellenführer gewesen waren, legten in der Endphase eine verheerende Negativserie hin und scheiterten schließlich in der Playoff-Runde an Uruguay.

Während die costa-ricanischen Fans und Spieler nun betrübt sind, befindet sich das Nachbarland Honduras im Ausnahmezustand, nachdem man sich erstmals seit 1982 wieder für eine WM qualifizieren konnte und nun gemeinsam mit den WM-Stammgästen Mexiko und USA zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ fährt. FIFA.com lässt 16 ereignisreiche Monate in der Neuen Welt Revue passieren.

Denkwürdige Momente
Die beiden "Großen" wieder ganz vorne
Die USA und Mexiko – die unangefochtenen Top-Teams dieser Region – belegten wenig überraschend die beiden ersten Plätze der sechs Mannschaften umfassenden letzten Qualifikationsrunde. Die U.S. Boys sicherten sich mit beeindruckenden 20 Punkten den Gruppensieg, während sich die Mexikaner erst von einem desaströsen Auftakt erholen mussten, ehe sie nach einem starken Finish doch noch Platz zwei erreichten – mit nur einen Punkt Rückstand auf den nördlichen Nachbarn.

Beide Teams konnten vor allem von ihrer Heimstärke profitieren, denn beide blieben auf heimischem Boden ohne Niederlage. Mexiko hatte seinen Erfolg vor allem der Rückkehr des ehemaligen Trainers Javier Aguirre, der im April 2009 den erfolglosen Schweden Sven-Göran Eriksson abgelöst hatte, und den starken Leistungen des Routiniers Cuauhtémoc Blanco im Endspurt der Qualifikation zu verdanken. Die U.S.-Amerikaner zeigten hingegen eine konstante Leistung, da es Trainer Bob Bradley gelang, aus herausragenden Spielern wie Landon Donovan, Michael Bradley oder dem jungen Torjäger Jozy Altidore das Beste herauszuholen.

Erfolgreiche Aufholjagd der "Catrachos"
Die zweikampfstarken und beweglichen Honduraner ließen sich buchstäblich bis zur letzten Minute Zeit, um das erste WM-Ticket seit der WM 1982 in Spanien zu lösen. Nach einer beeindruckenden Qualifikation, in der unter anderem Mexiko besiegt wurde, schien die Elf von Reinaldo Rueda in der letzten Qualifikationsrunde bereits vom Ausscheiden bedroht zu sein.

Nach der Heimniederlage gegen die USA am vorletzten Spieltag, dem 1:0-Sieg in El Salvador durch einen Treffer des erfahrenen Torjägers Carlos Pavón sowie dem Punktverlust von Costa Rica in den USA werden die Catrachos wieder auf der großen Bühne des Weltfussballs zu sehen sein. Für dieses fussballverrückte mittelamerikanische Land, das von politischer Instabilität geprägt ist, war dies ein enormer Erfolg – und zudem mehr als verdient. Das dynamische Spiel von Amado Guevara, Wilson Palacios und Goalgetter Pavón könnten die Honduraner im kommenden Jahr zu einem gefährlichen Außenseiter machen.

Ernüchterung in der Karibik
Nach der erstmaligen Qualifikation für eine WM-Endrunde vor vier Jahren wirkte Trinidad und Tobago diesmal nur wie ein Schatten seiner selbst. Angesichts einer Mannschaft mit hohem Durchschnittsalter und eines Trainerwechsels während der Qualifikation (Russell Latapy ersetzte Francisco Maturana) schienen die Soca Warriors niemals konkurrenzfähig zu sein und brachten kein System in ihr Spiel. Letzten Endes holten sie nur sechs Punkte aus den letzten zehn Spielen, und auch das Torverhältnis von 10:22 spricht Bände. Diese Qualifikation müsste für Latapy und Dwight Yorke, die im letzten Qualifikationsspiel noch immer Teil der Mannschaft waren, eigentlich das Ende ihrer aktiven Laufbahn bedeuten.

"Ticos" verlieren im Playoff
Die Costa Ricaner qualifizierten sich sowohl für die WM 2002 als auch für die WM 2006 und schienen auch diesmal auf einem guten Weg zu sein, diese Erfolge zu wiederholen. Dann legten die Ticos, die monatelang Tabellenführer gewesen waren, jedoch im August und September 2009 eine katastrophale Negativserie mit drei Niederlagen in Folge (Torverhältnis 0:8) hin. Dieses Formtief führte zur Entlassung von Trainer Rodrigo Kenton, doch für seinen Nachfolger René Simões war die Zeit zu knapp, um die Mannschaft wieder auf WM-Kurs zu bringen. Nach anfänglicher 2:0-Führung gegen die USA am letzten Spieltag mussten sie aufgrund einer beeindruckenden Aufholjagd der Nordamerikaner den letzten direkten Qualifikationsplatz an Honduras abgeben. Nach der Heimniederlage im Hinspiel der Playoff-Runde in San José gegen Uruguay war das beachtliche 1:1-Unentschieden im Rückspiel in Montevideo zu wenig.

Stars und Entdeckungen
Mexiko hat sein erfolgreiches Offensivspiel vor allem Giovani dos Santos und dem wieselflinken Flügelspieler Andrés Guardado zu verdanken. Kapitän Rafa Marquez merkte man zwar sein Alter an, doch nach einer überstandenen schweren Knieverletzung erwies er sich als großer Rückhalt seiner Mannschaft. Die Rückkehr von Cuauhtémoc Blanco, der bereits sein Karriereende bekannt gegeben hatte, trug ebenfalls ihren Teil zum Erfolg der Aguirre-Elf bei. Der Routinier konnte nahtlos an seine frühere Form anknüpfen und verhalf den Mittelamerikanern doch nur zur Qualifikation. Jozy Altidore avancierte nicht zuletzt dank der beiden Mittelfeldstrategen Landon Donovan und Michael Bradley zum besten Torschützen der USA, während Tim Howard wie gewohnt ein sicherer Rückhalt zwischen den Pfosten war. Die Formstärke von Honduras in der letzten Phase der Qualifikation ist auch ein Verdienst von Spielmacher Guevara, des Allrounders Palacios und des erfahrenen Stürmers Pavón, während bei Costa Rica Bryan Ruiz der unumstrittene Star war.

Zitat
"Wir sind überglücklich, wir können gar nicht beschreiben, wie wir uns fühlen. Es ist einfach unglaublich! Das war ein hartes Stück Arbeit, doch Honduras hat sich die Qualifikation verdient. Wir hatten bereits resigniert, aber dann sahen wir die Fans auf den Rängen jubeln. Wir fragten uns, was los war. Dann sagte man uns, dass die USA den Ausgleich geschafft hätten. Wir begannen herumzulaufen und zu jubeln, denn wir haben uns die WM-Teilnahme redlich verdient."
Carlos Pavón (Honduras) über den turbulenten letzten Spieltag der Qualifikation

Statistik
0 – So viele Heimspiele haben die USA und Mexiko in der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika verloren. Dies zeigt deutlich, dass es in der CONCACAF-Zone nirgendwo so schön ist wie zu Hause.

Qualifizierte Mannschaften
USA
Mexiko
Honduras

Die besten Torschützen
10 – Rudis Corrales (ELS)
7 – Luton Shelton (JAM)
7 – Carlos Pavón (HON)
6 – Ali Gerba (CAN)
6 – Jozy Altidore (USA)
6 – Álvaro Saborio (CRC)
6 – Bryan Ruiz (CRC)
6 – Carlos Costly (HON)
6 – Eliseo Quintanilla (ELS)