Die europäischen Fussball-Großmächte haben mit mehr oder weniger Mühe alle die Qualifikationshürde genommen und werden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ vertreten sein.

Die Türkei, bei der Weltmeisterschaft 2002 in Korea/Japan noch Dritter; Kroatien, Dritter des Turniers in Frankreich 1998; Schweden und Bulgarien, die 1994 in den USA den dritten beziehungsweise vierten Platz belegten; Polen, Dritter der Turniere 1982 in Spanien und 1974 in Deutschland; aber auch Russland, die Ukraine, die Tschechische Republik und Rumänien zählen zu den großen Verlierern der Europa-Zone, die den Sprung nach Südafrika nicht schaffen konnten.

Auf dem Weg nach Südafrika
Spanien (zehn Siege) und die Niederlande (acht Siege in einer Gruppe mit fünf Mannschaften) gaben nicht einen einzigen Punkt ab und dominierten ihre jeweilige Qualifikationsgruppe mit ebenso spektakulärem wie höchst effizientem Fussball. Die Verpflichtungen von Vicente del Bosque, der Luis Aragones ersetzte, beziehungsweise von Bert van Marwijk, der an die Stelle von Marco van Basten trat, haben den Triumphmarsch dieser beiden Weltklasseteams in keiner Weise gestoppt. Ganz im Gegenteil. 

Eine winzige Stufe tiefer stehen mit Deutschland (acht Siege und zwei Unentschieden) und Italien (sieben Siege und drei Unentschieden) zwei Teams, die ihrem Ruf als starke Turniermannschaften alle Ehre machten und sich ebenfalls ungeschlagen für das große Fussballfest im nächsten Jahr qualifizieren konnten. Bemerkenswert war auch der Durchmarsch Englands (neun Siege und eine Niederlage), das unter der Leitung seines neuen Nationaltrainers Fabio Capello wieder zu alter Stärke gefunden hat, nachdem die Three Lions in der Qualifikation zur UEFA Europameisterschaft 2008 noch gescheitert waren.

Für die große Überraschung sorgten Mannschaften aus den vier Qualifikationsgruppen, aus denen am Ende auch die Gewinner der Playoff-Runde stammten. Das von Morten Olsen angeführte Dänemark erkämpfte sich das Ticket für seine vierte Endrunden-Teilnahme in der schwierigen Gruppe 1 vor Portugal und den ausgeschiedenen Schweden. Die Portugiesen hingegen kamen nach einem katastrophalen Start in die WM-Qualifikation schließlich doch noch in Fahrt und setzten sich am Ende trotz des Ausfalls von Cristiano Ronaldo mit Leichtigkeit in ihren Playoff-Partien (1:0, 1:0) gegen die ehrgeizige Mannschaft Bosnien-Herzegowinas durch.

In der Gruppe 2 konnte die Schweiz einen ähnlichen Erfolg feiern. Die Eidgenossen schnappten sich dank einer Spielergeneration, die endlich zur Weltklasse vorstoßen konnte, mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor Griechenland Tabellenplatz eins. Zudem braucht sich das Land wohl keine Sorgen um die Zukunft zu machen, denn in Form der frisch gebackenen U-17-Weltmeister aus der Schweiz sitzen bereits die Nachfolger in den Startlöchern. Der Europameister von 2004 hingegen konnte das Ticket nach Südafrika durch einen knappen Playoff-Erfolg über die Ukraine (0:0, 1:0), die ihrem Superstar Andriy Shevchenko somit keine letzte WM-Teilnahme bescheren konnte, in allerletzter Minute doch noch lösen.

In der bis zum Schluss offenen Gruppe 3 sorgte die Slowakei für die absolute Sensation und verwies als Tabellenerster mit zwei beziehungsweise sechs Punkten mehr auf dem Konto Slowenien und die Tschechische Republik auf die Plätze zwei und drei. Der Abstand zu den viertplatzierten Nordiren betrug bereits sieben Zähler und Polen landete gar mit elf Punkten weniger auf der fünften Position. Slowenien wiederum glich zu Hause einer uneinnehmbaren Festung und ließ bei seinen Heimspielen keinen einzigen Gegentreffer zu. Am Ende konnte sich das Team in der Addition aus Hin- und Rückspiel nach der Playoff-Runde (1:2, 1:0) gegen Russland durchsetzen. Slowenien ist außerdem das bisher einzige Team in der Geschichte der Playoffs im Rahmen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, das nach einer Hinspielniederlage das Ruder noch herumreißen und sich am Ende qualifizieren konnte. Nachdem Russland sich in der Gruppe 4 über lange Zeit ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Deutschland geliefert hatte, sind die Osteuropäer kurz vor dem Erfolg doch noch eingebrochen. Guus Hiddink hat somit um Haaresbreite das Kunststück verfehlt, mit vier verschiedenen Nationalmannschaften vier WM-Endrunden bestritten zu haben.

Serbien profitierte von einem Fehlstart Frankreichs, das in seinem Auftaktspiel für die WM-Qualifikation eine herbe 1:3-Niederlage in Österreich einstecken musste, und landete am Ende in der Gruppe 7 auf dem ersten Platz. Der seit elf Spielen ungeschlagene Vize-Weltmeister konnte schließlich aber doch noch auf den WM-Zug aufspringen, nachdem er der Republik Irland in der Playoff-Runde dessen einzige Niederlage in zwölf Begegnungen zufügen konnte (1:0, 1:1).

Stars und Entdeckungen
Auch wenn die Fans dies eher von Angelos Charisteas erwartet hatten, wurde sein 29-jähriger Landsmann Theofanis Gekas mit zehn Treffern Torschützenkönig der WM-Qualifikation. Der 23-jährige bosnische Torjäger Edin Dzeko, der beim deutschen Bundesligisten VfL Wolfsburg unter Vertrag steht und insgesamt neun Tore erzielen konnte, sorgte im Laufe dieser WM-Qualifikation ebenfalls für Furore.

Der 21-jährige Nicklas Bendtner wurde zu Dänemarks Spieler des Jahres 2009 gewählt und gilt als Dreh- und Angelpunkt im Sturm der dänischen Nationalelf. Der Neu-Portugiese Liedson konnte mit bravourösen Leistungen den ausgefallenen Weltklassestürmer Cristiano Ronaldo würdig vertreten.

Der 23-jährige Mittelfeldspieler Marek Hamsik steht symbolisch für eine slowakische Nationalelf, die mittlerweile zur Weltspitze aufgeschlossen hat. Frankreich seinerseits kann seinem neuen 23-jährigen Torhüter Hugo Lloris, der als wahrscheinlicher Nachfolger von Fabien Barthez gilt, ein großes Dankeschön aussprechen. Und Italien hat mit dem 26-jährigen Federico Marchetti ebenfalls einen würdigen Vertreter für Gianluigi Buffon gefunden.

Zitat
"Capello schüchtert mich förmlich ein. Ich glaube, der entscheidende Faktor des Erneuerungsprozesses der englischen Nationalmannschaft ist, dass ein gesetzter Spieler seinen Stammplatz verliert, wenn er ein schlechtes Spiel macht."
Wayne Rooney (Stürmer, England)

Statistik
4 – Insgesamt vier Mannschaften kassierten in der Qualifikation keine Niederlage: Deutschland, Spanien, Italien und die Niederlande. Andererseits ergatterten San Marino und Andorra mit jeweils zehn Niederlagen keinen einzigen Punkt. Und während England in zehn Partien stolze 34 Tore erzielen konnte, gelang Malta kein einziger Treffer.

Qualifizierte Mannschaften
Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien

Die besten Torschützen
1. Theofanis Gekas (GRE) - 10 Tore
2. Wayne Rooney (ENG), Edin Dzeko (BIH) - 9
4. Miroslav Klose (GER), David Villa (ESP) - 7
6. Ebi Smolarek (POL), Stanislav Sestak (SVK), Marc Janko (AUT), Elyaniv Barda (ISR), Wesley Sonck (BEL), Lukas Podolski (GER), Andriy Shevchenko (UKR) und Robbie Keane (IRL) - 6