In der Afrika-Zone gab es während des Qualifikationswettbewerbs Drama, Spannung und Begeisterung satt. Am Ende kehrte Algerien an der Seite von vier traditionellen Spitzenmannschaften des Kontinents auf die Weltbühne zurück.
Denkwürdige Momente
Nordafrikanischer Kampfgeist
Die Intensität und Leidenschaft, mit der die Begegnung zwischen Algerien und Ägypten geführt wurde, die über den letzten Startplatz der Afrika-Zone für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 entschied, ist bereits zu einem wichtigen Kapitel in der Geschichte der WM-Qualifikation des Kontinents geworden. Die nordafrikanischen Rivalen mussten zum ersten Mal in der Geschichte der Afrika-Qualifikation ein Entscheidungsspiel bestreiten, um den Gruppensieger zu ermitteln. Am Ende schob sich Algerien doch noch am amtierenden Afrika-Meister vorbei. Die Algerier setzten sich mit einem wunderschönen Tor gegen Ägypten durch, das wohl in jedem Spiel einen würdigen Siegtreffer abgegeben hätte. Der Treffer, den Antar Yahia im neutralen Sudan kurz vor der Halbzeit mit einem Volleyschuss aus unglaublich spitzem Winkel erzielte, hat jetzt schon Kultstatus. Die Begeisterung, mit der nach dem Spiel gefeiert wurde, ist ein weiterer Beleg dafür, was der Fussball alles bewirken kann. Ägypten hatte sich nach einem schlechten Start in der Gruppe wieder nach oben gekämpft. Ein dramatischer Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit des letzten Gruppenspiels hatte dann dazu geführt, dass dieses schicksalhafte Entscheidungsspiel ausgetragen werden musste. Obwohl die Ägypter bei den letzten beiden Auflagen des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals jeweils den Titel gewonnen haben, werden sie bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft wieder einmal nicht dabei sein.
Elfenbeinküste ungeschlagen
Die Elfenbeinküste schloss den Qualifikationswettbewerb für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 ungeschlagen ab. Das Team kassierte in zwölf Spielen keine einzige Niederlage. Der Start in die erste Runde fiel im letzten Jahr zunächst etwas schleppend aus, weil der neue Trainer Vahid Halilhodzic in den ersten vier Spielen mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen hatte. Nachdem diese Hürde dann aber einmal überwunden war, nahmen die Ivorer die Vorrunde geradezu im Sturmlauf. Zu Beginn der zweiten Runde rechneten sie dann damit, dass Burkina Faso und Guinea wahre Härtetests darstellen würden. Dann aber fegten sie ihre westafrikanischen Kontrahenten relativ problemlos weg und konnten gegen beide sowohl zu Hause als auch auswärts Siege verbuchen. Das Team von der Elfenbeinküste gab nur einmal Punkte ab, und zwar im vorletzten Qualifikationsspiel in Malawi. Allerdings brauchten die Ivorer hier auch nur noch ein Unentschieden, um sich zum zweiten Mal in Folge die WM-Teilnahme zu sichern.
Spektakuläre Aufholjagd
Kamerun hatte in den ersten beiden Spielen der letzten Qualifikationsrunde gerade einmal einen mageren Punkt geholt und rangierte am Tabellenende. Zu diesem Zeitpunkt trennte man sich vom routinierten Nationaltrainer Otto Pfister und schien sich in einer prekären Lage zu befinden. Allerdings erwies es sich die Verpflichtung des Franzosen Paul LeGuen für die letzten vier Spiele des Wettbewerbs im Nachhinein als wahrer Geniestreich. Der ehemalige Trainer von Olympique Lyon, den Glasgow Rangers und Paris Saint Germain setzte eine ganze Reihe von verbesserten Bedingungen im Umfeld der Spieler durch und brachte außerdem ein dreiköpfiges Assistenten-Team mit. Außerdem setzte er Samuel Eto’o als Mannschaftskapitän ein und verlieh dem Team so eine ganz neue Dynamik. Das Ergebnis waren vier Siege in Folge und die sechste Qualifikation für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft. Damit hält die Mannschaft in Afrika den Rekord.
"Black Stars" glänzen
Ghana hatte bereits vier Mal den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal gewonnen, bevor das Land sich 2006 endlich zum ersten Mal für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Inzwischen haben sich die Black Stars aber zu einer Mannschaft entwickelt, die wirkt, als wäre sie schon seit Jahrzehnten auf dem globalen Parkett aktiv. Die Ghanaer qualifizierten sich bereits zwei Spieltage vor Schluss als erste Mannschaft Afrikas für Südafrika 2010. Dabei ließen sie sich auch von der mit Stars gespickten Mannschaft Malis nicht aufhalten.
In letzter Minute
Nigeria war beim vorletzten Gruppenspiel gegen Mosambik schon so gut wie ausgeschieden, als der eingewechselte Obinna Nsofor kurz vor Schluss doch noch den Siegtreffer erzielte. Damit blieben die Nigerianer vor dem letzten Qualifikationswochenende im Rennen um die Plätze für Südafrika 2010. Obwohl sie vor der letzten Partie zwei Punkte hinter Tunesien rangierten, machten sie am Ende die Qualifikation noch perfekt. Nach anfänglichem Rückstand setzte sich Nigeria mit 3:2 in Kenia durch. Gleichzeitig besiegte Mosambik die Tunesier mit einem späten Treffer in Maputo.
Stars und Entdeckungen
Samuel Eto'o wurde bereits drei Mal zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt und gehört zu den absoluten Weltstars, die dieser Kontinent hervorgebracht hat. Allerdings hat er sich sein großes Ansehen bisher vorwiegend mit Erfolgen auf Vereinsebene aufgebaut. Mit Kamerun gewann er zwar zwei Mal den Titel beim Afrikanischen Nationen-Pokal, war bei der letzten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft jedoch nicht dabei. In diesem Qualifikationswettbewerb hat Eto'o die Initiative ergriffen und Kamerun manchmal fast im Alleingang vorangebracht. Am Ende brachte er es in der Vorrunde auf neun Treffer und wurde von Paul LeGuen zum neuen Mannschaftskapitän eines Teams ernannt, das eine rasante Entwicklung durchmachte.
Aufgrund einer karrierebedrohenden Knieverletzung musste Stephen Appiah auf Vereinsebene über ein Jahr lang pausieren. Zudem war er deswegen vereinslos, bis er kürzlich vom italienischen Klub FC Bologna unter Vertrag genommen wurde. Appiah scheute jedoch keine Anstrengungen und blieb trotz mangelnder Spielpraxis und Fitness ein wertvolles Mitglied der ghanaischen Nationalelf. Der elegante Mittelfeldspieler der beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2008 in seinem Heimatland zum Zuschauen verdammt gewesen war, trug sogar ein Tor zur Qualifikation seines Teams bei.
Moumouni Dagano war der Erfolgsgarant Burkina Fasos, das die erste Runde der Afrika-Qualifikation mit weißer Weste abschloss. Am Ende des Wettbewerbs war er mit zwölf Toren in zwölf Spielen bester Torschütze der Afrika-Zone, kam bei allen Spielen für sein Land zum Einsatz, konnte aber nicht verhindern, dass sein Team in der letzten Runde noch von der Elfenbeinküste überholt wurde.
Zitat
"Unser Erfolgsgeheimnis war ganz einfach. Algerien hat von den anderen großen Namen des Weltfussballs nichts zu befürchten. Wir haben uns gesagt, dass wir genauso gut sind wie alle anderen und daher auf jeden Fall das Recht haben, bei der WM-Endrunde dabei zu sein. Wir hatten nicht die Absicht, uns die Chance auf die Qualifikation durch die Hände gleiten zu lassen."
Karim Ziani (Mittelfeldspieler, Algerien)
Qualifizierte Mannschaften
Algerien, Kamerun, Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria
Die besten Torschützen
Moumouni Dagano (Burkina Faso, 12 Tore)
Samuel Eto'o (Kamerun, 9 Tore)
Frédéric Kanouté (Mali, 8 Tore)
Razak Omotoyossi (Benin, 8 Tore)


