Die letzten europäischen WM-Tickets sind vergeben. Griechenland, Slowenien, Portugal und Frankreich haben ihre Playoff-Duelle gegen die Ukraine, Russland, Bosnien-Herzegowina und die Republik Irland für sich entschieden.

Damit stehen die letzten vier Teilnehmer an der FIFA WM 2010 aus der Europa-Zone fest. Neun weitere Verbände hatten sich zuvor bereits direkt qualifiziert, nämlich Dänemark, Deutschland, England, Italien, die Niederlande, Serbien, die Schweiz, die Slowakei und Spanien.

UKRAINE – GRIECHENLAND 0:1 (Hinspiel 0:0)
Tor: Dimitrios Salpingidis (31.) für Griechenland

Spielbericht
"König Otto" und sein nächster Streich: Auflaufen ließ Trainer Otto Rehhagel seine Mannschaft formal im 4-5-1, aber mit zwei Offensivkräften im Mittelfeld, die Angelos Charisteas unterstützen sollten. So gewann der deutsche Altmeister auf der Trainerbank das Duell gegen eine ukrainische Auswahl, in der alles auf Andriy Shevchenko ausgerichtet war. Nach dem Rückstand rannte die Ukraine dann kopflos an und schaffte es so nicht, die Hintermannschaft der Griechen ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Die wiederum hatte allem Anschein nach zu ihrer Abgeklärtheit der UEFA EURO 2004 zurück gefunden und ist nun zum zweiten Mal bei der Endrunde einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft dabei.

Der entscheidende Moment
In der 30. Minute fuhren die Griechen einen Bilderbuchkonter. Georgios Samaras spielte steil durch die Mitte auf Dimitrios Salpingidis. Der Stürmer von Panathinaikos Athen, 2006 Torschützenkönig in Griechenland, hatte keine Mühe mehr, Andriy Pyatov mit einem satten Linksschuss zu überwinden.

Der Spieler der Partie
Mit seinen 32 Jahren kann Georgios Karagounis so leicht nichts mehr erschüttern. Der Kapitän der Griechen war Herr im Mittelfeld, half unablässig hinten aus, dirigierte seine Vorderleute, leitete Konter ein und grätschte, was das Zeug hielt. Dabei ist Karagounis seit 1999 dabei, es war sein 90. Länderspiel. Von seiner Frische und seinem Siegeswillen hat der Routinier aber offenbar nichts eingebüßt.


SLOWENIEN – RUSSLAND 1:0 (Hinspiel 1:2)
Tor: Zlatko Dedic (44') für Slowenien

Spielbericht
Im heimischen Maribor, wo Slowenien in der gesamten Qualifikation noch nicht verloren und noch nicht einmal ein einziges Gegentor kassiert hatte, gewannen die Hausherren das robust und sehr intensiv geführte Duell. Russland fand nie zu seinem Spiel und musste die Partie zu allem Überfluss auch noch mit neun Mann beenden. Zu oft ließen sich die Gäste provozieren, zu oft fehlte es am letzten Pass oder am Abschluss. Die Elf von Matjaz Kek ihrerseits schoss auch nicht gerade oft auf das gegnerische Tor, war aber effektiver. Damit steht Slowenien zum zweiten Mal in seiner Geschichte in einer WM-Endrunde, wogegen Guus Hiddink in seiner Paradedisziplin gescheitert ist und sich nicht zum vierten Mal mit einer vierten Mannschaft für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifizieren konnte.

Der entscheidende Moment
Kurz vor der Pause war es, als Valter Birsa einen langen Ball die rechte Seitenlinie entlang spielte und sich unversehens zwei russische Verteidiger zwei slowenischen Angreifern gegenüber sahen. Eine Absicherung gab es nicht, und weil sich Zlatko Dedic seiner Bewachung entziehen konnte, hatte der russische Keeper Igor Afinkeev keine Chance mehr.

Der Spieler der Partie
Robert Koren (29), Mittelfeldspieler von West Bromwich Albion, war über die vollen 90 Minuten der Taktgeber seiner Mannschaft. Sein 43. Länderspiel dürfte gleichzeitig auch die beste Partie seiner bisherigen Karriere gewesen sein.


BOSNIEN-HERZEGOWINA – PORTUGAL 0:1 (Hinspiel 0:1)
Tor: Raul Meireles (56.) für Portugal

Spielbericht
Gegen übermotivierte Bosnier zeigte sich Portugal schlicht abgeklärter. Die Gäste ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und warteten einfach ab. Nachdem die erste Druckphase dann überstanden war, setzte Portugal den robusteren und kampfstärkeren Hausherren seine überlegene Technik entgegen. So verrann die Zeit, und die Schützlinge von Miroslav Blazevic rannten immer blinder an, was in der Hinausstellung von Sejad Salihovic (77.) gipfelte. Portugal nimmt damit zum fünften Mal insgesamt und zum dritten Mal in Folge an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teil.

Der entscheidende Moment
Fast eine Stunde war gespielt, da entledigte sich Nani mit einem Kabinettstückchen an der Strafraumgrenze gleich zweier Verteidiger und schob das Leder weiter zum völlig freistehenden Raul Meireles. Der Spieler von Porto bedankte sich anschließend artig mit dem Treffer des Tages.

Der Spieler der Partie
Nani war Dreh- und Angelpunkt beinahe aller Angriffsaktionen der Portugiesen. Der Flügelflitzer von Manchester United erzielte nicht nur den Siegtreffer, auch sonst gab er einige Torschüsse ab, mit denen Kenan Hasagic seine liebe Mühe hatte. Zudem war er immer anspielbar, hielt den Ball und nahm so den Bosniern immer wieder den Schwung.

FRANKREICH – REPUBLIK IRLAND 1:1 (Hinspiel 1:0)
Tore: Robbie Keane (32.) für die Republik Irland, William Gallas (103.) für Frankreich

Spielbericht
Frankreich fand eine Halbzeit lang nicht statt. Irland spielte euphorisch, aufgedreht, sich auf jeden Ball stürzend. Das Tor von Robbie Keane war der gerechte Lohn für diese kraftraubende Spielweise, und schon zu diesem Zeitpunkt hatte Hugo Lloris im französischen Tor einen höheren Rückstand verhindert. Im zweiten Durchgang steigerte sich Frankreich etwas, war aber jederzeit der Entscheidung durch die Iren unterworfen. Die Qualifikation entschied sich schließlich in der Verlängerung aus dem Gewühl heraus. Frankreich musste lange zittern, steht nun aber zum vierten Mal in Folge in einer WM-Endrunde.

Der entscheidende Moment
Als seien 180 Minuten Spannung in einem Playoff-Duell noch nicht genug, wurde das Spiel auch noch in einer dramatischen Verlängerung entschieden. Dabei hätte die Partie schon in der regulären Spielzeit jede Sekunde in die eine oder die andere Richtung kippen können. Es war ein Spiel, das mit viel Glück entschieden wurde. Die Iren können jedenfalls hoch erhobenen Hauptes nach Hause fahren.

Der Spieler der Partie
Lange hat Frankreich den Nachfolger von Fabien Barthez gesucht. Spätestens seit diesem Playoff-Duell steht fest, dass er Hugo Lloris heißt. Der Schlussmann von Olympique Lyon hatte schon im Hinspiel reihenweise Glanzparaden gezeigt und war ein überragender Rückhalt für sein Team.