Die Vorzeichen für die dänische Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation standen angesichts der starken Konkurrenz aus Schweden und Portugal im Vorfeld alles andere als gut, doch Danish Dynamite schloss letztendlich die Gruppe eins der Europa-Qualifikation souverän als Tabellen-Erster ab.

Zum vierten Mal nehmen die Skandinavier im kommenden Jahr in Südafrika nun also an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teil. Bisher stehen zwei Achtelfinal- und eine Viertelfinalteilnahme zu Buche. FIFA.com sprach exklusiv mit Dänemarks Trainer Morten Olsen über die abgelaufene WM-Quali, die Zukunft und die Ziele am Kap der guten Hoffnung.

Herr Olsen, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erreichen der WM-Endrunde. Sie haben durch das 1:0 gegen Schweden am vorletzten Spieltag die Qualifikation bereits perfekt gemacht. Haben Sie danach mit der Mannschaft gefeiert?
Ja, natürlich! Für uns war es sehr wichtig, dass wir uns wieder qualifiziert haben. Wir waren bei der letzten WM nicht dabei. In einer sehr schwierigen Qualifikationsrunde, in der sicherlich Portugal Favorit war, standen wir zwei Spieltage vor Schluss schon als Gruppensieger fest. Das ist einmalig im dänischen Fussball. Das war hervorragend.

Im letzten Spiel gab es vor eigenem Publikum noch eine 0:1-Niederlage gegen Ungarn - die einzige Pleite in der gesamten WM-Qualifikation. Fehlte da die letzte Motivation?
Die Spieler sind mit einer guten Mentalität in das Duell gegangen. Wir haben unsere Chancen nicht verwandelt, deswegen haben wir verloren. Wir haben eine gute erste und eine schlechte zweite Hälfte gespielt. Zugegeben, so kurz nach der Qualifikation war es mental schwierig für uns.

Hat Sie die Stärke Ihres Teams überrascht, schließlich haben Sie sich in einer Gruppe mit Portugal und Schweden durchgesetzt...
Wir hatten in einigen Spielen Glück, das braucht jede Mannschaft. Wir hatten aber auch sehr viel Pech mit Verletzungen. Insgesamt haben wir 37 oder 38 Spieler eingesetzt. In jedem Spiel sind wir mit einer anderen Mannschaft aufgelaufen, und trotzdem hatten wir Erfolg. Angesichts dessen ist die Qualifikation natürlich fantastisch.

Wer hat Sie in der WM-Qualifikation im Gesamten überrascht bzw. enttäuscht?
In unserer Gruppe war Portugal Favorit. Sie gehören spielerisch sicherlich zu den besten Teams im Weltfussball. Aber sie haben die Chancen nicht verwertet, und das macht den Unterschied. Frankreich muss in die Relegation. Die sind normalerweise auch direkt qualifiziert. Ansonsten haben sich die großen Mannschaften alle qualifiziert. Die Unterschiede im Weltfussball und gerade auch im europäischen Vergleich sind nicht groß. Das hat auch die Qualifikation gezeigt. Da zählt oftmals allein die Tagesform. Das wird auch sehr wichtig bei der Weltmeisterschaft sein.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Teams?
Unsere Stärke ist, dass jeder Spieler seine Aufgabe kennt. Wir haben unser Konzept, unsere Philosophie. Dazu gibt es einige Schlüsselspieler, wie Daniel Agger (FC Liverpool), Christian Poulsen (Juventus Turin) oder Daniel Jensen (Werder Bremen). Das sind Spieler, die schon lange dabei sind. Das ist wichtig, gerade für die jungen Spieler, die erstmals bei einer WM dabei sein werden. Für uns ist die Mannschaft das Wichtigste.

Was sind Ihre Ziele mit der Mannschaft in Südafrika?
Das ist schwer zu sagen. Die Qualifikation dauerte fast anderthalb Jahre, die Endrunde nur vier Wochen. Wir müssen erst einmal schauen, dass wir unsere besten Spieler in Südafrika dabei haben und wir in guter Verfassung sind. Wenn das der Fall ist, haben wir eine gute Mannschaft. Dazu gilt es abzuwarten, gegen wen wir in der Gruppe spielen. Dänemark ist kein Favorit, aber wenn die besten Spieler dabei sind, das war in der Quali nicht immer so, ist vieles möglich. Das Wichtigste bei einer WM ist, dass man zeigt, dass man Fussball spielen kann. Wir haben 2002 die Gruppenphase überstanden, und das hoffen wir auch wieder mit gutem Fussball zu schaffen.

Die WM in Südafrika wird ja eine ganz besondere WM, nämlich die erste auf afrikanischem Boden...
Jede WM ist etwas ganz Besonderes. Es ist fantastisch, dass die WM erstmals in Afrika stattfindet, denn damit wird sie den Menschen dort viel näher gebracht, aber jede WM hat ihren ganz eigenen Reiz und ihre ganz eigene Atmosphäre. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Begeisterung in Asien 2002 und daran, dass es für alle eine fantastische Erfahrung war. Für mich und für alle Spieler ist die Teilnahme an einer WM die höchste Ehre.

Sie haben die WM 2002 angesprochen, bei der es die Republik Korea bis ins Halbfinale geschafft hat. Können Sie sich vorstellen, dass sich der "Heimvorteil" 2010 für die afrikanischen Nationen ähnlich positiv auswirkt?
Auf dem eigenen Kontinent zu spielen ist sicher eine Riesenmotivation, so viel steht fest. Aber ich bin überzeugt, dass der Erfolg von Südkorea 2002 nicht allein darauf beruhte, dass man Gastgeber war. Man darf nicht vergessen, dass diese Mannschaft sich vor der WM sehr lange und äußerst intensiv vorbereitet hat. Das war fast wie bei einer Klubmannschaft. Auch die klimatischen Bedingungen waren 2002 ein wichtiger Faktor, denn insbesondere die europäischen Mannschaften konnten nicht ihren üblichen Stil praktizieren. In Südafrika ist wohl Winter, wenn die WM dort stattfindet. Daher dürfte es für die europäischen Mannschaften dieses Mal eigentlich nicht so schwer werden. Aber das soll nicht heißen, dass es nicht auch eine afrikanische Mannschaft ganz nach oben schaffen kann.

Wenn die WM 2010 in Südafrika ansteht, werden Sie seit zehn Jahren dänischer Nationaltrainer sein. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Das weiß ich noch nicht. Unser Ziel war es, bei der WM 2010 dabei zu sein. Vielleicht gehe ich danach zurück in den Klubfussball, oder ich bleibe bei der Nationalmannschaft. Wie es weitergeht, entscheide ich in den kommenden Monaten.

Sie waren Kapitän der dänischen Mannschaft, die 1986 in Mexiko alle sehr beeindrucken konnte. Was hat diese Mannschaft so außergewöhnlich gemacht?
Ich denke, dass es einfach eine ganz besondere Spielergeneration war. Wir hatten eine hervorragende fussballerische Ausbildung genossen, insbesondere was die technischen und taktischen Aspekte des Spiels angeht. Das war die Grundvoraussetzung dafür, dass wir Karriere machen konnten. Außerdem hatten wir das Glück, dass viele unserer Spieler entsprechend bei den besten Klubs in Europa aktiv waren.  

Hat sich die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ stark verändert, seit Sie 1986 selbst als Spieler teilgenommen haben?
Nun, die WM war immer schon sehr beliebt, aber jetzt ist sie stärker als je zuvor - ein wahrhaft globales Ereignis. Ich denke mal, dass es ganz egal ist, in welchem Land der Welt man 2010 ist - irgendjemand wird bestimmt die WM schauen. Alle freuen sich darauf, auch Menschen, die eigentlich dem Fussball nicht besonders nahe stehen. Was Größe und Attraktivität angeht, sind wohl nur die Olympischen Spiele halbwegs vergleichbar.

Denken Sie im Rückblick manchmal, dass Sie diese WM auch hätten gewinnen können?
Wir hätten sie ganz bestimmt gewinnen können, davon bin ich überzeugt. Wir hatten alle das gleiche Gefühl. Es war eine außergewöhnliche Gruppe von Spielern, die genau zur rechten Zeit zusammen gekommen war. Mit ein bisschen Glück hätten wir vielleicht anstelle von Argentinien ganz oben stehen können. Aber ich blicke keineswegs mit Enttäuschung zurück. Die WM in Mexiko war eine großartige Erfahrung, nicht nur für uns, sondern auch für die Fans, die uns überall hin begleitet haben. Die Dänen gehörten damals zu den ersten Fans, die sich die Gesichter anmalten und solche Turniere zu echten Fussballfesten machten. Sie haben anderen Fans gezeigt, dass man durchaus ein leidenschaftlicher Anhänger seiner Mannschaft sein kann, ohne aber aggressiv oder gewalttätig zu sein. Unsere Fans waren ein tolles Beispiel dafür. Das war für unser Land sehr wichtig.

War es für Sie immer die größte Ehre, Ihr Land zu repräsentieren?
Auf jeden Fall. Ich habe 19, fast 20 Jahre für Dänemark gespielt und bin jetzt seit fast zehn Jahren Nationaltrainer. Ich habe also mein halbes Leben der Nationalmannschaft gewidmet. Am besten ist, dass ich immer noch das gleiche Gefühl habe, wie ganz am Anfang. Außerdem kann ich sehen, dass die jungen Spieler ebenso stolz sind, wie ich. Das ist wirklich fantastisch. Wenn ich dieses Gefühl nicht mehr empfinde, dann weiß ich, dass es an der Zeit ist, aufzuhören.