Carlos Queiroz ist auf die Herausforderung bestens vorbereitet. Der portugiesische Nationaltrainer weiß genau wie sein Team, dass in nächster Zeit viel auf dem Spiel steht: das Ticket für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™. Der Lostopf für die europäische Playoff-Runde hat als Gegner Bosnien-Herzegowina ausgespuckt. Auf dem Papier haben die Portugiesen gegen die Balkannation zwar Favoritenstatus, aber wer am Ende wirklich die Nase vorn hat, zeigt sich erst nach den 180 Spielminuten von Hin- und Rückspiel.

Dem Trainer ist das natürlich bewusst, und so ist er auch vorsichtig bei der Bewertung des Gegners. Allerdings gibt er sich trotzdem ausgesprochen optimistisch. Außerdem analysiert er die Möglichkeiten seiner Mannschaft und ihres Stars Cristiano Ronaldo und setzt sich ausführlich mit dem schwachen Start der Portugiesen in der Qualifikation auseinander. All dies können Sie im nachfolgenden Exklusiv-Interview mit FIFA.com nachlesen.

Herr Queiroz, sagen Sie uns Ihre Meinung zur Auslosung der europäischen Playoff-Runde, die vor Kurzem in Zürich stattfand?
Das ist etwas ganz Besonderes für die Fussballfans und wird sehr interessant werden. Es stehen vier hochklassige Partien auf dem Programm, und ich bin sicher, dass wir ein sehr hohes Niveau sehen werden. Ich muss sagen, dass es für mich und für die portugiesische Mannschaft etwas ganz Besonderes ist, hier dabei zu sein. Ich sehe es als eine Art Vorbereitung für Südafrika. Wir gehen das Ganze positiv an.

Und was halten Sie von Bosnien-Herzegowina?
Das ist eine fantastische Mannschaft mit hervorragenden Spielern, die inzwischen international Erfahrung gesammelt haben. Es wird sehr schwer sein, auswärts gegen sie zu spielen, weil die Atmosphäre im Stadion unglaublich sein wird. Ich war vorher schon einmal dort und glaube, dass das Publikum einer der Gründe dafür ist, dass die Mannschaft so weit gekommen ist. Wir müssen sehr vorsichtig sein und uns sorgfältig vorbereiten, um dort guten Fussball zeigen zu können. Wenn wir das nicht tun, werden wir eine böse Überraschung erleben. Wenn wir das Niveau beibehalten, das wir in den letzten Monaten gezeigt haben, sind unsere Chancen allerdings gut.

Bedeutet es für Sie und die Mannschaft zusätzlichen Druck, diese Playoff-Runde bestreiten zu müssen?
Im Fussball steht man immer unter Druck. Ich mag den Druck. Er gehört zu unserem Leben. Wir spielen, um zu gewinnen, seit wir beschlossen haben, unser Leben dem Fussball zu widmen. Unter Druck haben wir immer die beste Leistung gebracht und das meiste erreicht. Ich weiß nicht, warum es dieses Mal anders sein sollte.

Das Rückspiel findet in Bosnien statt. Hätten Sie es vorgezogen, in Portugal zu spielen?
Das ist mir egal. Das hat die Auslosung so ergeben. Wir müssen uns darauf konzentrieren, wie wir gegen Bosnien gewinnen können. Die erste Partie ist ein Heimspiel. Wir werden sehen, wie gut die Bosnier ihr Spiel in Portugal durchbringen können. Dadurch können wir besser vorbereitet ins Rückspiel gehen.

Cristiano Ronaldo ist verletzt. Haben Sie einen "Plan B" für den Fall, dass er für die Partie ausfällt?
Cristiano wird spielen, das steht außer Frage.

Sind Sie sicher?
Ja, absolut sicher.

Gibt es in den Reihen Ihres nächsten Gegners einen Spieler, der Sie besonders beeindruckt?
Ja. Das ist zweifellos Edin Dzeko. Es ist kein Zufall, dass er zu den 30 Kandidaten gehört, die von der französischen Fussballzeitschrift "France Football" für den Goldenen Ball nominiert wurden. Er ist ein beeindruckender Spieler, der in letzter Zeit sehr gute Leistungen gezeigt hat. Aber natürlich ist er nicht der Einzige. Wir müssen jetzt beginnen, die bosnische Mannschaft gründlich zu analysieren, damit wir besser gegen sie spielen und ihre positiven Eigenschaften neutralisieren können.

Portugal ist schlecht in die Qualifikation gestartet und man musste schon befürchten, dass das Team bei der WM nicht dabei sein würde. Glauben Sie, dass die Mannschaft nun in Bestform in die Playoff-Runde geht?
Wir haben zu Beginn der Qualifikation einige Fehler begangen. Damals hat es negative Vorstellungen gegeben, das möchte ich gar nicht bestreiten. Aber seitdem hat die Mannschaft sich verbessert und guten Fussball gezeigt. Ich würde sogar sagen brillanten Fussball. In den Partien gegen Dänemark, Schweden und Ungarn hat unsere Mannschaft eine fantastische Vorstellung geboten. Dort haben wir unter Beweis gestellt, dass wir unser Potenzial derzeit voll ausschöpfen.

Was haben Sie an der Mannschaft verändert, um diese Leistungssteigerung herbeizuführen?
Um ehrlich zu sein, hatten wir viele Verletzungsprobleme. Außerdem waren einige Spieler vereinslos und befanden sich in einer unsicheren Lage. Und dann haben noch einige unserer Nationalspieler ihre Karriere beendet, und wir mussten die Mannschaft neu aufbauen und neue Elemente einbinden. Wenn man mitten in der Qualifikation zu diesem Schritt gezwungen ist, dann ist das eine wirklich schwierige Angelegenheit. Aber wir haben es geschafft und sind jetzt hier. Das ist das Entscheidende.

Falls Sie sich für Südafrika qualifizieren, glauben Sie dann, dass Portugal als Favorit auf den WM-Titel betrachtet werden sollte?
Ich glaube, das Schwierigste für uns ist die Qualifikation. Falls wir dieses Ziel erreichen, gehört Portugal in Südafrika auf jeden Fall zu den Anwärtern auf den Titel oder zumindest auf einen Platz auf dem Treppchen.

Sie scheinen sehr überzeugt zu sein...
Ich bin 100 Prozent optimistisch und überzeugt davon, dass wir dabei sein werden. Daran habe ich keinen Zweifel.