Die gerade zu Ende gegangene WM-Qualifikation in der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone war spannend wie selten zuvor. Zwar lagen am Ende erneut die traditionellen Favoriten USA und Mexiko ganz vorn, doch bis dahin hatte es so manche Überraschung gegeben und keine Mannschaft hatte ihr Ticket vor dem vorletzten Spieltag bereits sicher in der Tasche.
FIFA.com blickt zurück auf 16 lange Monate voller Spannung und Dramatik in der "Neuen Welt".
Abschlusstabelle
USA, 20 Punkte (qualifiziert)
Mexiko, 19 Punkte (qualifiziert)
Honduras, 16 Punkte (qualifiziert)
Costa Rica, 16 Punkte (Playoff gegen Uruguay)
El Salvador, 8 Punkte (ausgeschieden)
Trinidad und Tobago, 6 Punkte (ausgeschieden)
Die Großen Zwei erneut ganz vorn
Am Ende zeigte die Tabelle das erwartete Bild: Die USA und Mexiko, die gemeinsam neun der letzten zehn Kontinentalmeisterschaften gewonnen haben und schon seit längerem zu den WM-Stammgästen gehören, belegten auch in der Qualifikation für Südafrika die zwei vordersten Plätze. Doch für beide Teams war der Weg dorthin alles andere als eine leichte Sache. Mexiko startete unter dem schwedischen Trainer Sven-Goran Eriksson in die Qualifikation und hatte große Probleme. Zwischenzeitlich belegte das Team nach Auswärts-Niederlagen in Honduras und den USA nicht einmal einen der direkten Qualifikationsplätze. Die Wende in Bezug auf die Leistungen und damit auch auf das Selbstvertrauen kam mit der Rückkehr des Ex-Nationaltrainers Javier Aguirre im April 2009. Zwar ging das erste Spiel unter Aguirre gegen El Salvador auch noch verloren, doch dann folgten der große Umschwung und sechs Spiele in Folge ohne Niederlage, womit Mexiko letztlich knapp hinter den USA auf Platz zwei landete. Der Trainer, der zuvor bei Osasuna und Atletico Madrid in der spanischen Liga aktiv war, holte das Beste aus seinen jungen Nachwuchstalenten heraus, namentlich Giovani dos Santos und Andres Guardado. Außerdem holte er den erfahrenen Veteranen Cuauhtémoc Blanco aus dem Ruhestand zurück. Im mexikanischen Lager entstand unterdessen ein vorbildlicher Kampf- und Teamgeist.
Die USA konnten sich zwar am Ende über den ersten Platz in der Tabelle freuen, doch auch für sie lief keineswegs alles nach Plan. Die Schützlinge von Bob Bradley präsentierten sich von Beginn an in recht guter Verfassung und konnten meist auch dann noch zufriedenstellende Ergebnisse holen, wenn die Leistung des Teams einmal nicht überzeugend war. Eine 1:3-Schlappe in Costa Rica und eine nicht ganz unerwartete Niederlage im Azteken-Stadion von Mexiko-City blieben die einzigen Misserfolge im Verlauf der sehr professionell und konzentriert absolvierten Qualifikation. Am letzten Spieltag gerieten die USA in Washington DC mit 0:2 gegen Costa Rica in Rückstand, doch sie kämpften sich ins Spiel zurück und erzielten in allerletzter Minute noch den Ausgleichstreffer. Damit konnte die Mannschaft die stolze Serie bewahren, seit 2001 kein Qualifikationsspiel auf heimischem Boden verloren zu haben. "Das ist fantastisch. Wir haben in dieser Qualifikation vor allem erkennen können, dass die gesamte CONCACAF-Zone deutlich stärker geworden ist. Honduras, Costa Rica, Mexiko und die USA - wir haben uns einen echten Kampf geliefert. Dass wir am Ende den ersten Platz belegt haben, ist eine wirklich großartige Leistung", so Mittelfeldspieler Michael Bradley.
Costa Rica kläglich gescheitert - Honduras dabei
Wie dicht die Teams leistungsmäßig mittlerweile beieinander liegen, wurde durch das bis zur letzten Sekunde spannende Drama zwischen Honduras und Costa Rica deutlich. Die Honduraner verloren ihr vorletztes Spiel im heimischen San Pedro Sula gegen die USA und mussten daher am letzten Spieltag unbedingt in El Salvador gewinnen und gleichzeitig darauf hoffen, dass Costa Rica in den USA nicht siegen würde. Costa Rica, das bei den letzten zwei WM-Endrunden dabei war und lange Zeit die Tabelle anführte, sah sich schon fast in Südafrika, nachdem Brian Ruiz in der ersten Halbzeit zwei Mal gegen die schwach wirkenden Amerikaner getroffen hatte. Doch dann riss bei Costa Rica der Faden und die Partie endete noch mit einem Unentschieden. Da Honduras gleichzeitig durch einen Treffer von Carlos Pavon mit 1:0 in San Salvador gewann, sicherte sich das Land seine erste Endrundenteilnahme seit 1982. Am Ende trennten nur vier Punkte die ersten vier Teams der Kontinentalzone - ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich die Mannschaften verbessert haben. Jedenfalls dürften die Teams im kommenden Jahr die stärksten sein, die die CONCACAF-Zone jemals bei einer WM-Endrunde vertreten haben.
Costa Rica, das am Ende den undankbaren vierten Platz belegte, muss nun versuchen, sich in einer Playoff-Runde gegen Uruguay durchzusetzen, wenn es mit der dritten Teilnahme an einer WM-Endrunde etwas werden soll. Die Playoff-Runde wird mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Costa Rica hat am 14. November Heimrecht im Hinspiel. Das Rückspiel findet vier Tage später in Montevideo statt.
Die Kellerkinder
Trinidad und Tobago, das sich überraschend für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ qualifizieren konnte, war in dieser Qualifikation nur noch ein Schatten seiner selbst. Weder unter Trainer Francisco Maturana noch unter dem ehemaligen Spieler Russell Latapy kamen die Soca Warriors je richtig in Tritt. Sie holten aus den zehn Spielen der abschließenden Qualifikationsrunde gerade einmal sechs Punkte und landeten auf dem letzten Platz. El Salvador seinerseits konnte zwei Punkte mehr holen als Trinidad und Tobago, nachdem sich das Team unter dem neuen Trainer Carlos de los Cobos deutlich gesteigert hatte.
Die besten Akteure
Jozy Altidore war mit sechs Treffern der erfolgreichste Torschütze der USA. Den immer stärkeren Stürmer sollte man im kommenden Jahr in Südafrika unbedingt im Auge behalten. Der Mexikaner Giovani dos Santos widerlegte all seine Kritiker durch eine Reihe herausragender Partien, tatkräftig unterstützt von Blanco, Guardado und Memo Ochoa im Tor. Honduras wiederum hat den durchweg starken Auftritten von Torjäger Carlos Pavon, Wilson Palacios, Maynor Figueroa und Mittelfeldregisseur Amado Guevara viel zu verdanken. Und trotz des Leistungseinbruchs zum Ende der Qualifikation gab es auch bei Costa Rica einige Akteure, die sich durch starke Leistungen auszeichneten, allen voran Ruiz, Walter Centeno und der junge Torhüter Keilor Navas.
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