Dirk Kuyt ist Publikumsliebling und Stammspieler, sowohl bei seinem Klub wie auch in der Nationalmannschaft. Er spielt eine Schlüsselrolle im Team der Niederlande, das sich bereits im Juni als erste europäische Mannschaft für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ qualifizieren konnte. Auch beim FC Liverpool kommt der schnelle Flügelspieler regelmäßig zum Einsatz. Seit seinem Wechsel von Feyenoord Rotterdam hat er sich an der Anfield Road zum Publikumsliebling entwickelt.
2004 wurde er von den niederländischen Fussballlegende Marco van Basten erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Seitdem gehört er zur Stammformation und vertrat sein Land bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ und der UEFA EURO 2008. Mittlerweile bringt er es auf 58 Länderspieleinsätze. Von den WM-Qualifikationsspielen der Niederlande versäumte er kein einziges. Nun hofft er, 2010 in Südafrika für Furore sorgen zu können, nachdem die Niederlande beim Turnier in Deutschland enttäuschend früh ausschieden.
Kuyt traf sich im Vorfeld des Freundschaftsspiels gegen Australien am Wochenende mit FIFA.com und sprach über die Hoffnungen der Niederländer für Südafrika, die Befriedigung, für Liverpool zu spielen, und die Freude, dem Fussball etwas zurückzugeben.
Verlief die WM-Qualifikation aus Ihrer Perspektive genauso reibungslos wie für die Beobachter?
Sogar noch besser. Die Qualifikation ist immer eine heikle Sache. Man spielt immer gegen sehr starke Länder. Aber wir haben jedes Spiel gewonnen und sind mit diesen Ergebnissen mehr als zufrieden. Schottland und Norwegen sind durchaus starke Mannschaften, aber weil wir so gut gespielt haben, sah alles noch leichter aus als es tatsächlich war.
Hat Trainer Bert van Marwijk etwas ganz besonderes dazu beigetragen, dass die Mannschaft in der WM-Qualifikation so gut abschneiden konnte?
Nun, die Qualifikationsrunden liefen für uns auch in den Jahren zuvor (vor dem Amtsantritt von van Marwijk) stets gut. Wir haben uns für die WM in Deutschland qualifiziert und auch für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Auch mit dem neuen Trainer lief es prima. Wir hatten schon vorher eine sehr gute Truppe zusammen, und wir haben einen guten Trainer, der unermüdlich daran arbeitet, diese Mannschaft voran zu bringen und sie noch besser zu machen.
Die WM 2006 in Deutschland endete für die Niederlande allerdings enttäuschend. Ist Südafrika 2010 für die Niederlande eine Möglichkeit, sich dafür schadlos zu halten?
2006 waren wir in den Gruppenspielen ziemlich gut. Aber dann trafen wir auf Portugal und konnten die Gelegenheit nicht nutzen. Wir hatten alle das Gefühl, wir hätten mehr erreichen können. Es stehen jetzt noch ein paar Jungs von damals in der Mannschaft, und für einige Spieler ist es auch die letzte Gelegenheit, etwas bei einer WM zu erreichen. Ich finde, dass wir einen Kader mit vielen sehr talentierten Spielern haben. Es sind zwar nur noch sechs, sieben Monate bis zur Weltmeisterschaft, aber wir können uns mit der Mannschaft trotzdem noch weiter entwickeln und dann besser abschneiden, als beim letzten Mal.
Hat sich die Mannschaft ein bestimmtes Ziel gesetzt, wie weit man in Südafrika kommen kann?
Letztlich versucht man natürlich, jedes Spiel zu gewinnen und den Titel zu holen. Aber man weiß natürlich, dass Länder wie Spanien, Argentinien, Brasilien, Frankreich, Italien ebenfalls sehr hochklassige Mannschaften haben. Es wird also sehr schwer, den Pokal zu holen. Wir werden jedenfalls versuchen, so gut wie möglich abzuschneiden und die bestmögliche Platzierung zu schaffen. Wir glauben fest an uns. Wir wissen zwar, dass wir viele sehr gute Spieler haben, aber wir versuchen trotzdem, das Mannschaftsgefüge noch weiter zu verbessern und auch hier noch Fortschritte zu machen. Wir sollten als Mannschaft so weitermachen wie bisher und zusätzlich versuchen, uns noch besser kennen zu lernen und die Freundschaften zwischen uns weiter zu stärken. Letztlich werden wohl sehr kleine Details bei der Weltmeisterschaft den Ausschlag geben.
In der Vergangenheit hat es immer wieder Probleme innerhalb der niederländischen Mannschaft gegeben. Ist es eine gute Gruppe, die jetzt den Kader bildet?
Ich denke, dass es eine sehr gute Gruppe ist. Die meisten Spieler sind schon seit längerer Zeit zusammen. Was in der Vergangenheit war, sollte auch in der Vergangenheit bleiben. Ich sehe im Moment keinerlei Probleme, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es während der Weltmeisterschaft zu irgendwelchen Missklängen in der Mannschaft kommen soll.
Mit dem FC Liverpool mussten Sie zu Beginn der Saison ein paar Niederlagen hinnehmen. Wie entwickelt sich die Saison jetzt?
Ich war sehr enttäuscht, dass wir am Anfang zwei Niederlagen kassiert haben. Danach lief es dann aber besser und wir haben mehrere Spiele in Folge gewonnen. Dann jedoch folgte wieder eine Niederlage, auswärts gegen Chelsea an der Stamford Bridge. Das war ein sehr schweres Spiel, aber ich finde trotzdem, dass wir hätten mehr erreichen können. Die Liga ist sehr anspruchsvoll, und die Saison ist sehr lang. Folglich hat Liverpool noch alle Chancen. Wir müssen uns als Mannschaft weiter vorarbeiten und uns auf unser Spiel konzentrieren. Dann können wir die nächsten Spiele gewinnen. Ich bin sicher, dass wir in einem Monat oder ein paar Monaten ganz vorn dabei sein werden. Der Ausgang der Spiele ist oft von Kleinigkeiten abhängig. Genau das war auch in Chelsea der Fall.
Es wird viel darüber gesprochen, dass Liverpool seit 19 Jahren keinen Meistertitel feiern konnte. Spielt dieser Faktor in den Köpfen der Spieler eine Rolle, oder sorgt er vielleicht sogar für noch mehr Entschlossenheit?
Jeder weiß, wie liebend gern die Fans den Meisterpokal der Premier League hier sehen würden. Als Spieler des FC Liverpool will man grundsätzlich jedes Spiel gewinnen. Am Beginn der Saison nimmt man sich also vor, so viele Titel und Pokale wie möglich zu holen. Der Meisterpokal der Premier League ist allerdings etwas ganz besonderes, für die Fans, für das Team und für jeden, der Liverpool liebt. Das kann man deutlich spüren.
Sie wirken sehr zufrieden und sind im Team fest etabliert. Genießen Sie das Leben in Liverpool auf und abseits des Fussballplatzes?
Ich bin ein sehr zufriedener Mensch. Ich liebe Liverpool und die netten, warmherzigen und respektvollen Menschen hier. Außerdem liebe ich natürlich auch den FC Liverpool. Jeder Tag, den ich hier sein kann, macht mich noch glücklicher. Ich versuche, so gut und noch so lange wie möglich für Liverpool zu spielen.
Sie sind bei den Fans sehr beliebt. Wie sehr inspiriert Sie die Atmosphäre an der Anfield Road?
Es ist eine unglaubliche Erfahrung, hier in England zu spielen, wo die Leute so fussballbegeistert sind. Für Liverpool zu spielen, ist fantastisch und durch die Fans bekommt es alles eine noch größere Bedeutung. Ich hatte noch nie solch fantastische Fans erlebt, bevor ich nach Anfield gekommen bin. Und ich war es immerhin gewöhnt, für Feyenoord vor einem fantastischen Publikum zu spielen, das bestimmt das beste in den Niederlanden ist. Doch hier an der Anfield Road ist es nochmal eine andere Dimension. Es hilft uns sehr, insbesondere wenn wir in einer schwierigen Situation stecken. Die Anhänger sind wirklich sehr wichtig für uns.
Machen Sie sich schon Gedanken darüber, für welchen Verein Sie längerfristig spielen wollen. Denken Sie vielleicht über eine Rückkehr in die Niederlande nach?
Ich habe gerade erst meinen Vertrag bei Liverpool verlängert und bin darüber mehr als glücklich. Ich will versuchen, so lange wie möglich (in Liverpool) weiterzumachen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Für Feyenoord Rotterdam habe ich jedenfalls immer ganz besondere Gefühle. Das war ein sehr wichtiger Klub für mich und ist es immer noch. Doch im Moment bin ich in Liverpool rundum zufrieden und glücklich.
Welche persönlichen Ziele haben sie kurz- und langfristig?
Für mich geht es einfach darum, jedes Spiel zu gewinnen. Ich bin ein Siegertyp. Für mich ist das Wichtigste, immer das nächste Spiel zu gewinnen. Ich will einfach alles gewinnen. Mir ist jedes Spiel gleich wichtig. Wenn man dafür kämpft, jedes Spiel zu gewinnen, dann gewinnt man Titel und Pokale - und nur darum geht es mir.
Sie wurden schon auf vielen verschiedenen Positionen eingesetzt. Spielen Sie persönlich lieber außen oder in der Mitte?
Das ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich habe während meiner ganzen Karriere immer wieder auf verschiedenen Positionen gespielt. Ich denke eigentlich, dass ich ein geborener Stürmer bin. Es ist für mich keinerlei Problem, auf jeder beliebigen Position zu spielen. Ich habe einfach Spaß daran, solange ich der Mannschaft von Nutzen sein kann.
Sagen Sie uns doch zum Abschluss noch etwas über die Dirk-Kuyt-Stiftung, die Sie gegründet haben, um benachteiligten Kindern in ihrem Heimatland und in anderen Ländern zu helfen. Was bringt Ihnen das und wie wichtig ist es Ihnen?
Wir haben die Dirk-Kuyt-Stiftung vor einigen Jahren gemeinsam mit ein paar Leuten aus meinem Heimatort gegründet. Das ist eine ziemlich aufregende Sache, denn die Stiftung ist in sehr kurzer Zeit ziemlich groß geworden. Wir haben schon eine ganze Menge Gutes bewirken können. Derzeit unterstützen wir in erster Linie behinderte Menschen, die die verschiedensten Sportarten betreiben wollen. In den Niederlanden gibt es ziemlich viele Aktivitäten. Ich bin sehr glücklich, dass ich an so etwas mitarbeiten kann, denn ich habe dem Fussball viel zu verdanken, und es ist toll, wenn man dann etwas zurückgeben kann.
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