Er ist zwar schon 33 Jahre alt und hat 102 Länderspiele für Dänemark auf dem Buckel, doch Jon Dahl Tomasson entspricht keineswegs dem Klischee vom ruhigen und erfahrenen Veteran. Denn noch immer sprudelt es mit derart großem Enthusiasmus aus dem mit allen Wassern gewaschenen dänischen Mannschaftskapitän heraus, dass man ihn jederzeit für einen erfolgshungrigen Youngster halten könnte.
Allerdings hat Tomasson auch allen Grund zur Begeisterung. Denn er scheint auf dem besten Wege, die Nationalmannschaft seines Landes wieder auf die größte Fussballbühne zurückzuführen. Und auf dem Weg dorthin kann er sogar noch ein paar Rekorde brechen. Wenn alles nach Plan verläuft, reisen die Dänen im nächsten Jahr mit einem Kapitän Tomasson zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™, der sich als Rekord-Feldspieler und auch als Rekordtorschütze der Nationalmannschaft etabliert hat.
Dem Stürmer von Feyenoord Rotterdam fehlt nur noch ein einziges Tor, um mit dem bisherigen Rekordtorjäger Poul Nielsen gleichzuziehen, der es auf 52 Treffer für Dänemark brachte. Und mit sechs weiteren Länderspielen würde Tomasson außerdem den Rekord von 107 Einsätzen von Thomas Helveg brechen. Tomasson gibt gern zu, dass er diese beiden Rekorde fest im Blick hat.
Doch oberste Priorität hat eindeutig die Qualifikation für Südafrika. Dänemark ist der WM-Endrunde im kommenden Jahr schon ganz nahe. Das Team hat vor den letzten zwei Partien gegen Schweden und Ungarn an der Spitze der Gruppe A einen Vorsprung von drei Punkten. Angesichts der Wichtigkeit der kommenden Spiele könnte man vielleicht meinen, dass Tomasson erste Anzeichen von Nervosität zeigt. Doch weit gefehlt.
Jon, unser Gespräch findet kurz vor zwei überaus wichtigen WM-Qualifikationsspielen statt. Wie fühlen Sie sich?
Ich freue mich wirklich sehr auf diese beiden Spiele. Es dürften tolle Partien werden, mit echtem Finalcharakter. Für uns ist es natürlich toll, dass wir als Gruppenerster in diese Spiele gehen. Es geht jetzt darum, diese Position auch nach den Spielen noch einzunehmen.
Ist es ein großer Vorteil, dass Sie beide Spiele zu Hause bestreiten?
Oh ja, das ist ein sehr wichtiger Faktor. Da kommt uns der Spielplan sehr zugute. Das Publikum hier in Dänemark kann ein sehr großer Vorteil sein. Das haben wir beispielsweise gegen Portugal ganz deutlich gesehen, als die Zuschauer für eine fantastische Atmosphäre gesorgt haben. Wenn die Spiele in dieser Phase derart eng sind, dann können schon Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Ich hoffe, dass die Fans den Ausschlag zu unseren Gunsten geben.
Die erste große Herausforderung ist natürlich das skandinavische Derby...
Das ist wirklich ein ganz unglaublich wichtiges Spiel. Natürlich sagen Fussballspieler immer, dass das nächste Spiel das wichtigste ist. Aber in diesem Fall stimmt es für uns wirklich. Dänemark gegen Schweden ist in Skandinavien immer ein großer Knaller, egal unter welchen Umständen. Für beide Länder hat dieses Duell einen besonderen Stellenwert. Und dieses Mal ist es etwas ganz besonderes, weil in Bezug auf die WM-Teilnahme so viel auf dem Spiel steht. Wir sind sehr optimistisch, denn wir sind in einer guten Ausgangsposition und haben in unseren letzten Spielen gegen Schweden einige gute Ergebnisse erzielt. Wir werden natürlich voll auf Sieg spielen, denn wenn wir die drei Punkte holen, dann können wir uns wohl schon ein schönes Hotel in Südafrika suchen!
Sind Sie enttäuscht, dass Sie in den letzten zwei Qualifikationsspielen, zu Hause gegen Portugal und auswärts gegen Albanien, nur unentschieden gespielt haben, nachdem Sie in beiden Partien zwischenzeitlich geführt hatten, und so der Qualifikation nicht noch näher sind?
Natürlich ist man enttäuscht, wenn man noch Punkte abgibt, nachdem man schon geführt hat. Aber rückblickend müssen wir das Unentschieden gegen Portugal als gutes Ergebnis sehen. Portugal ist eine großartige Mannschaft. Und sie hätten den Sieg viel dringender gebraucht als wir. Gegen Albanien war es eine ganz andere Sache. Da waren wir wirklich nicht gut genug und haben bekommen, was wir verdienten.
Ist ein Erfolg in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ besonders wichtig, nachdem Sie die beiden letzten großen Turniere verpasst haben?
Ja, da gibt es gar keinen Zweifel. Wir haben zwei wichtige Turniere in Folge verpasst, das ist nicht unsere Art. Es wäre schon besonders wichtig, dass wir uns für Südafrika qualifizieren. Jeder will bei den großen Turnieren dabei sein und in den letzten 25 Jahren hat sich Dänemark daran gewöhnt, immer dabei zu sein. Es war schon hart, dass wir die Teilnahme 2006 und 2008 verpasst haben. Insbesondere als Spieler kann man es sich nicht leisten, viele große Turniere zu verpassen.
Welches ist Ihre schönste Erinnerung an eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™?
Die WM 1986 ist die erste, an die ich mich als Fan richtig erinnern kann. Das war etwas ganz Besonderes. Dieses Turnier ist in die dänische Fussballgeschichte eingegangen. Damals haben wir erkannt, dass wir mit den anderen Ländern mithalten und sehr schönen Fussball spielen können. Meine schönste Erinnerung insgesamt ist natürlich die WM 2002. Dass ich bei einer WM spielen konnte, war die Erfüllung eines Traums für mich. Ich weiß noch, wie ich dachte: 'Besser kann es gar nicht werden.' Dass wir sogar Frankreich, den amtierenden Weltmeister, schlagen konnten, war nur das Tüpfelchen auf dem 'i'.
Ihnen fehlt nur noch ein Tor, um mit dem verstorbenen Poul Nielsen als Dänemarks erfolgreichster Torjäger aller Zeiten gleichzuziehen. Haben Sie über diesen Rekord schon viel nachgedacht?
Natürlich. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das nicht im Hinterkopf hätte. Ich fände es toll, diesen Rekord einzustellen, und wäre sehr stolz, wenn es meiner wäre. Das wäre eine Sache, die man seinen Kindern erzählen kann. Ja, ich würde liebend gern ein bisschen Fussballgeschichte schreiben und mich in das Buch der Rekorde eintragen. Ganz besonders würde es mir natürlich gefallen, dieses Tor in einem der nächsten zwei Spiele zu schießen. Gegen Schweden wäre es die absolute Krönung.
Sie kommen auch langsam in die Nähe des Länderspielrekords für Feldspieler von Thomas Helveg. Was aber ist mit den 129 Einsätzen von Torhüter Peter Schmeichel? Schaffen Sie die möglicherweise auch?
[lacht] Wer weiß? Noch 27 weitere Länderspiele scheint auf den ersten Blick ziemlich viel, aber im Fussball darf man niemals Nie sagen. Aber ich glaube nicht, dass Peter sich jetzt schon Sorgen machen sollte!
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie lange Sie noch in der Nationalmannschaft spielen möchten?
Ehrlich gesagt denke ich im Moment überhaupt nicht ans Aufhören. Man stellt mit dieser Frage im Moment ziemlich häufig und ich kann auch verstehen warum, aber ich plane nicht, meine Karriere bald zu beenden. Glücklicherweise habe ich körperlich keinerlei Probleme und so lange das so bleibt, gibt es keinen Grund aufzuhören. Ich spiele sehr gern für mein Land und bin sehr stolz darauf, dass ich der Kapitän bin. Aber man weiß ja, dass sich im Fussball alles ganz schnell ändern kann. Daher will ich auch nicht sagen, dass ich noch viele Jahre weiterspielen will, denn es gibt einfach zu viele Faktoren, die das beeinflussen können.
Sie sind zu Ihrem früheren Klub Feyenoord Rotterdam zurückgekehrt. War das ein bisschen so etwas wie eine Heimkehr, nachdem Sie bei ihrem ersten Vertrag in Rotterdam so viele Erfolge hatten?
Ja, sicher. Rotterdam ist wirklich so etwas wie eine Heimat für mich. Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt wieder bei Feyenoord bin. Die letzte Saison war für uns wegen zahlreicher Verletzungen und entsprechend schlechter Ergebnisse eine echte Katastrophe. Doch in dieser Saison läuft es besser. Wir haben eine sehr gute, sehr junge Mannschaft und uns gehört die Zukunft.
Die Eredivisie hat sich ziemlich verändert, während Sie weg waren. Der aktuelle Meister AZ Alkmaar mischt jetzt munter mit den großen Drei um den Titel mit, und auch Twente Enschede muss man jetzt auf der Rechnung haben.
Ja, das ist tatsächlich nicht mehr so wie 2002, als ich das letzte Jahr hier gespielt habe. Damals stand am Saisonende immer einer der großen Drei ganz oben. Man muss den neuen Herausforderern hoch anrechnen, dass sie die Kluft schließen konnten. Mehrere Klubs haben ziemlich beeindruckende Strukturen hinter den Kulissen aufgebaut. Das hat ihnen ermöglicht, sich zu steigern und einige Topspieler zu holen.
Der letzte Meistertitel für Feyenoord liegt schon über zehn Jahre zurück. Denken Sie, dass Sie in dieser Saison wieder die Spitze erobern können?
Hoffentlich! Unser Minimalziel ist ein Platz unter den besten fünf Teams, aber ich bin ziemlich sicher, dass wir eine der Mannschaften sind, die um den Titel mitspielen können. Das Wichtigste für uns ist in dieser Saison, dass wir unsere Leistungen auf dem Platz bringen.
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