Gianluca Zambrotta, Weltmeister von 2006, gehört nach wie vor zu den wichtigsten Stützen der italienischen Defensive. Der Erfolgshunger des 87-fachen Nationalspielers (zwei Tore) ist selbst nach 15 erfolgreichen Profijahren seit seinem Debüt bei Como Calcio, zwei italienischen Meistertiteln mit Juventus Turin (2002, 2003) sowie einem spanischen Supercup mit dem FC Barcelona (2006) noch lange nicht gestillt. Ganz im Gegenteil: Der linke Außenverteidiger, der bei der UEFA EURO 2004 und der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™ jeweils in das All-Star-Team gewählt wurde, erwartet mit großer Ungeduld die kommende WM.

Der 32-jährige Akteur des AC Mailand unterhielt sich in einem Exklusivgespräch mit FIFA.com über die Situation in der WM-Qualifikation, die Turnierfavoriten, die afrikanischen Mannschaften sowie über weitere Themen rund um sein wichtigstes Ziel: Südafrika 2010.

In der Qualifikation für die FIFA Fussball-WM 2010™ hat Italien zu Hause gegen die Republik Irland im April lediglich ein 1:1-Unentschieden erreicht. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?
Das war eine sehr schwierige Partie. Die Tatsache, dass Irlands Trainer Giovanni Trapattoni uns natürlich bestens kennt, hat sicherlich zu diesem zwiespältigen Ergebnis beigetragen.

In Zukunft könnte Italien eventuell auf weitere Verstärkung im Sturm zählen, wenn Amauri spielberechtigt wäre...
Ich glaube, er hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Doch er wäre natürlich willkommen, falls seine Einstellung selbst bei einem Aufeinandertreffen mit seinem Geburtsland Brasilien optimal ist [lacht]! Aber im Ernst - ich hoffe, dass er für uns spielen wird, denn er ist sehr stark. 

Es heißt, in Italien gäbe es nicht mehr so viele gute Verteidiger wie in der Vergangenheit?
Ich halte nichts von solchen pauschalen Behauptungen. Spieler wie Davide Santon von Inter Mailand oder Marco Motta vom AS Rom sind die Zukunft des italienischen Fussballs. Und auch Andrea Dossena beispielsweise hat vergangene Saison beim FC Liverpool geglänzt, vor allem in der UEFA Champions League.

Kehren wir zu den angenehmen Erinnerungen zurück: Was bleibt Ihnen von Deutschland 2006?
Der Sieg, natürlich! Wenn ich daran denke, ist das schlicht und ergreifend eine große Freude. Zweifellos war dies die größte Befriedigung in meiner Karriere als Fussballer.

Nach einer wenig überzeugenden Vorstellung beim FIFA Konföderationen-Pokal ein Jahr vor der kommenden Weltmeisterschaft kritisieren die italienischen Medien eine überalterte Squadra Azzurra. Was ist Ihre Meinung dazu?
Ach, ich werde 2010 doch erst 33 sein, finden Sie das etwa alt? Spaß beiseite - Trainer Marcello Lippi hat bereits damit begonnen, die Auswahlmannschaft zu verjüngen. Und viele jungen Spieler klopfen bereits an die Tür und sind bereit, jederzeit integriert zu werden. Wir werden sehen.

Die kommende Weltmeisterschaft wird die erste auf afrikanischem Boden sein - wie sind Ihre Erwartungen?
Es ist eine wunderbare Sache, dass die Elite des Fussballs sich in Afrika trifft. Ich erinnere mich noch gut an die Erfahrungen in Korea/Japan 2002. Sportlich war das für uns natürlich eine Enttäuschung, doch die Organisation und die Stimmung waren ausgezeichnet. Ich hoffe und ich glaube, dass wir in Südafrika genauso zufrieden sein werden.

Und glauben Sie, dass ein afrikanisches Team den Pokal holen kann?
Ja. Der afrikanische Fussball hat inzwischen das höchste Niveau erreicht, und diese Weltmeisterschaft könnte für die starken Mannschaften des Kontinents, wie etwa Ghana, Elfenbeinküste, Nigeria, Tunesien, Marokko oder Kamerun, der Knackpunkt sein. Ehrlich gesagt denke ich, dass eines dieser Länder mindestens ins Halbfinale kommt.

Und welche Mannschaften sind Ihre weiteren Favoriten?
Bei diesen großen Turnieren ist immer mit den traditionell großen Fussballnationen zu rechnen: Brasilien, Argentinien, Deutschland, England und natürlich Italien! Doch man wird besonders auf den amtierenden Europameister Spanien achten müssen. Sie sind sehr, sehr stark.

Wie ergeht es Ihnen nun beim AC Mailand?
Auf persönlicher Ebene bin ich sehr zufrieden, ich habe wieder zu meiner Bestform gefunden. Andererseits verlief die vergangene Saison nicht optimal, denn wir hatten ständig eine große Anzahl von Verletzten zu beklagen. Wir haben aber dennoch das einzig vernünftige Ziel erreicht: den dritten Rang und damit die Qualifikation für die kommende Champions League. Das war sehr wichtig. Es wäre für uns, die Fans und die Klubführung ein Desaster gewesen, wenn wir diesen Platz nicht erreicht hätten.

Sie können bereits auf eine lange Karriere zurückblicken - zum Abschluss möchten wir gerne von Ihnen wissen, welcher ihrer ehemaligen Mitspieler Sie am meisten beeindruckt hat?
Ich muss sagen, dass ich das Glück hatte, mit nicht wenigen wahren Champions zu spielen - Zinedine Zidane, Ronaldinho oder Kaká beispielsweise. Doch ich habe noch niemals einen Spieler gesehen, der mit dem Ball dieselben Dinge anstellen kann wie Lionel Messi. Er ist ganz einfach unglaublich.