Der morgige 17. März ist der irische Nationalfeiertag St. Patricks Day. Es ist einer der bekanntesten und sicher auch einer der am ausgelassensten gefeierten Nationalfeiertage der Welt.
Während die Iren den Missionar feiern, der einst das Christentum auf die Grüne Insel brachte, können sie ihr Glas auch auf einen anderen Ausländer erheben, dessen Geburtstag zufällig mit dem des Nationalheiligen zusammenfällt. Giovanni Trapattoni, der morgen 70 wird, hat in seinen zehn Monaten als Trainer der Republik Irland dafür gesorgt, dass die Iren auch ihn gebührend feiern werden.
Unter dem italienischen Trainer-Urgestein wurde die Mannschaft der Republik Irland, die in der insgesamt äußerst unbefriedigenden Qualifikation für die UEFA EURO 2008 unter anderem eine 2:5-Niederlage in Zypern kassiert hatte, so erfolgreich umgebaut, dass sie derzeit in ihrer Qualifikationsgruppe für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ gemeinsam mit Italien auf Platz eins liegt. Ausgerechnet sein Heimatland ist nun also der schärfste Konkurrent Irlands. Eine Situation, die die Herausforderung für den Mann, der in 35 Jahren am Spielfeldrand eine Sammlung nationaler und europäischer Titel angehäuft hat, bei der nur Sir Alex Ferguson und Jock Stein mithalten können, nur noch größer macht.
Kurz vor seinem runden Geburtstag sprach Trapattoni exklusiv mit FIFA.com über seine Fussballphilosophie, seine Zukunft und die Aufgabe, die Republik Irland zur WM-Endrunde zu führen.
Nach vier Spieltagen ist Ihre Mannschaft noch ungeschlagen und rangiert gemeinsam mit Weltmeister Italien an der Tabellenspitze. Haben Sie sich einen solchen Start gewünscht?
Ja, und ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft hat in unseren ersten Partien sehr gut gespielt und einige sehr wichtige Ergebnisse erzielt. Ich hoffe, dass die Spieler auch weiterhin mit dieser Mentalität und positiven Einstellung spielen, die bisher für uns so wichtig waren.
Was hat Sie an der Republik Irland gereizt? Gefällt Ihnen Ihre Aufgabe?
Meine Arbeit hier gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich auch für ein anderes Land entscheiden können, aber ich fand, dass hier alle Bedingungen gut waren. Ganz wichtig war bei der Entscheidung auch Liam Brady [Anm. d. Red.: Trapattonis Assistenztrainer], ein Mann, den ich kenne und respektiere und der mir bei einigen besonderen Aspekten meiner Aufgabe wertvolle Hilfe leisten konnte. Außerdem kenne ich den englischen Fussball sehr gut und kannte daher auch schon viele irische Spieler. Ich erkannte, dass sie die gleiche Mentalität haben, wie ich selbst: Sie sind mit Herz und Seele dabei. Das gefiel mir sofort und ich war sicher, dass wir gut zusammenarbeiten würden. Als ich zum ersten Mal mit den Spielern zusammentraf habe ich ihnen gesagt, dass sie mir vertrauen sollen, denn ich verfüge über die Erfahrung, die Mannschaft nach vorn zu bringen. Glücklicherweise haben sie mich voller Begeisterung akzeptiert.
Sie haben schon Klubs in Deutschland, Österreich und Portugal trainiert und sind jetzt erstmals Trainer einer ausländischen Nationalmannschaft. Ist es eine besondere Herausforderung, im Ausland zu trainieren?
Ich bin in Italien aufgewachsen, doch ich respektiere stets, dass jede Nation ihre eigene Mentalität und Kultur hat. Das gilt ganz besonders für den Fussball. Doch in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Fussball in dieser Hinsicht wohl sehr stark verändert. Heute wechseln sehr viele Spieler zu Klubs in anderen Ländern und in nahezu allen Umkleidekabinen gibt es einen bunten Mix der Kulturen. Es hat eine echte Globalisierung im Fussball stattgefunden. Meiner Meinung nach hat das dem Spiel sehr gut getan. Im europäischen Fussball ist das Niveau heute äußerst hoch, ganz besonders in Ligen wie England und Spanien. Gerade in diesen Ligen ist mittlerweile eine Menge Geld im Spiel, das verwendet wird, um die vielen verschiedenen Kulturen in einigen großartigen Teams zu vereinen.
Sie haben Liam Brady schon angesprochen, der in den 80er Jahren bei Juventus Turin unter Ihnen gespielt hat. Außerdem haben Sie auch Marco Tardelli in Ihren Trainerstab geholt. Wie wichtig sind diese zwei Männer für das Erreichen Ihrer Ziele?
Assistenztrainer sind für jeden Trainer überaus wichtig. Ich kann mich glücklich schätzen, hier zwei wahre Meister an meiner Seite zu haben. Liam war viele Jahre lang Spielführer der irischen Nationalmannschaft und hat in Italien unter mir sehr gut gespielt. Marco ist, wie jeder weiß, ein echter Weltmeister. Es ist sehr wichtig für die Spieler, solche Figuren zu haben, zu denen sie aufblicken können. Liam ist außerdem sehr wichtig, da er den Spielern bestimmte kleine Details des Trainings und unseres taktischen Systems besser erklären kann, als es mir im Moment möglich ist.
Ihr Landsmann Fabio Capello hat als Trainer der englischen Nationalmannschaft ebenfalls einen hervorragenden Start hingelegt. Denken Sie, dass italienische Trainer besonders gut für diesen Job geeignet sind?
Das liegt wohl nicht so sehr daran, dass Italiener ein besonderes Talent hierfür haben, sondern ist das Ergebnis der Erfahrung, die Fabio und ich haben, insbesondere die Erfahrung als Trainer im Ausland. Fabio war Trainer bei Real Madrid, einem der größten und berühmtesten Klubs der Welt, und ich selbst habe Klubs wie Bayern München und Benfica Lissabon trainiert. In solchen Jobs muss man sich mit zahlreichen Fussballkulturen auseinander setzen, und das ist eine gute Vorbereitung auf die Arbeit als Trainer einer ausländischen Nationalmannschaft. Aber natürlich kenne auch ich nicht alle Antworten. Die Erfahrung ist lediglich ein hilfreicher Faktor.
Luis Aragonés hat im Alter von 69 Jahren mit Spanien die UEFA EURO 2008 gewonnen, und Sir Alex Ferguson gewinnt mit Manchester United Titel in Europa und der ganzen Welt. Denken Sie, dass der Wert der Erfahrung jetzt uneingeschränkt anerkannt wird?
Es ist sicher richtig, wenn man sagt, dass Erfahrung heute wieder sehr in Mode ist. In meinen Augen ist Fussball wie eine Schule: Man hört nie auf zu lernen. Vielleicht sind Menschen wie ich selbst und Alex Ferguson einfach etwas länger zur Schule gegangen, als die meisten anderen!
Wie haben Ihre Freunde in Italien reagiert, als die Auslosung ergab, dass Sie in der WM-Qualifikation gegen Italien spielen müssen?
Oh, nach dieser Auslosung haben sich sehr viele Leute gemeldet (lacht). Sie haben alle das gleiche gesagt: Es sei doch nicht so wichtig, dass Irland diese Spiele gewinnt! Im Ernst: Ich bin sehr zufrieden damit. Ich halte es für einen Glücksfall, gegen Italien anzutreten. Es ist eine Ehre. Natürlich wird das eine merkwürdige Situation für mich, denn ich bin stolz, Italiener zu sein. Doch ich bin auch ein Profi und sehr stolz darauf, Trainer der irischen Nationalmannschaft zu sein. Es wird also kein Problem geben. Aber ich erwarte durchaus, dass es ein emotionaler Moment wird, wenn die Nationalhymnen gespielt werden.
Sie stehen kurz vor Ihrem 70. Geburtstag. Da ist die nächste Frage fast unvermeidlich: Ist das Ihr letzter Job im Fussball?
Wer weiß? Ich denke, dass man diese Dinge Gott überlassen sollte. Ich bin dankbar, dass ich immer noch gesund bin und genügend motiviert, weiter zu arbeiten. Ich habe noch keine Pläne gemacht, die über die Herausforderung hinausgehen, Irland nach Südafrika zu bringen. Wir werden einfach sehen, was passiert.
Ist Ihre Familie damit einverstanden, dass Sie immer noch arbeiten?
Nun, mein Sohn und meine Töchter sind glücklich, dass ich weitermache. Aber meine Frau fragt mich immer: 'Wann hörst Du auf? Wann hörst Du auf?' Ich sage ihr immer: 'Später!' Sie versucht immer, mich vom Fussball loszueisen, aber sie hat nicht viel Erfolg dabei (lacht).
Können wir erwarten, Giovanni Trapattoni und die Republik Irland im nächsten Jahr in Südafrika zu sehen?
Ich denke, dass wir es schaffen können, aber wir werden auch etwas Glück brauchen, was die Spiele und die Fitness unserer Schlüsselspieler angeht. Ich kann also leider nicht versprechen, dass wir dabei sein werden, aber ich bin optimistisch.
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