David Villa, Torschützenkönig der UEFA EURO 2008, hat sich in wenigen Jahren zum neuen Idol des spanischen Fussballs entwickelt. Dies liegt indes nicht allein an seiner erstaunlichen Trefferbilanz. Der Aufstieg des Torjägers des FC Valencia ist ebenso seinem Charakter als aufopferungsvoller Kämpfer und unermüdlicher Arbeiter auf dem Feld zu verdanken.
Villa ist trotz seines aktuellen Erfolges und des kontinentalen Titels mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben und strahlt aufrichtige Bescheidenheit aus, wenn er versichert, dass er bis zum letzten Tag dazulernen möchte. Seine Bewunderung für Luis Enrique und Juanele, zwei ehemalige Nationalspieler aus seiner geliebten Geburtsregion im nordspanischen Asturien, zeigt seine Heimatverbundenheit.
FIFA.com traf den Stürmer des FC Valencia zu einem Gespräch über die kommenden Herausforderungen und Ziele mit der Nationalmannschaft, den historischen Triumph bei der Europameisterschaft und über die Debatten über seinen Vorgänger als Nummer sieben der spanischen Nationalmannschaft, den Königlichen Raúl Gonzalez.
David Villa, wie ist nach dem Ausscheiden des FC Valencia aus dem UEFA-Pokal und den zuletzt durchwachsenen Leistungen in der Meisterschaft die Stimmung in der Mannschaft?
Wir hatten hohe Ziele im UEFA-Pokal, was die momentane Situation in dieser Saison sehr schwierig macht. Nun müssen wir uns auf die Liga konzentrieren, doch ehrlich gesagt erscheint es fast unmöglich, in diesem Jahr noch die Meisterschaft zu gewinnen. In jedem Fall ist es das erklärte Ziel, einen Platz unter den ersten Vier zu erreichen, damit wir im kommenden Jahr in der Champions League dabei sein können, was sowohl in sportlicher wie in finanzieller Hinsicht sehr wichtig für den Klub ist.
Mit der spanischen Nationalmannschaft treffen Sie in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ Ende März zwei Mal in Folge auf das Team der Türkei. Bisher hat sich Spanien keine Blöße gegeben. Entscheidet dieses Duell mit den Türken darüber, wer die Gruppe 5 gewinnt?
Es wird praktisch eine K.o.-Runde mit Hin- und Rückspiel. Wir wussten von Anfang an, dass die Türkei der schwierigste Gegner sein würde. Wir gehen mit einem deutlichen Punktevorsprung in dieses Duell, und unser Ziel ist es, den Vorsprung weiter auszubauen und nach diesen zwei Begegnungen einen entscheidenden Schritt in Richtung Südafrika 2010 getan zu haben. Je früher wir die Qualifikation besiegeln, desto besser für uns alle.
Gibt es etwas, worauf gegen das türkische Team besonders geachtet werden muss?
Wir müssen natürlich ihre Stärken und Schwächen studieren. In erster Linie müssen wir aber unserem Stil treu bleiben, denn dies hat uns gute Ergebnisse eingebracht. Wir werden versuchen, in guter Verfassung zu sein, weiter an unseren Schwächen zu arbeiten und unsere Stärken zu verbessern.
Und welche Schwächen könnte die Mannschaft Spaniens wohl haben, die seit 2006 nicht mehr verloren hat?
Ich denke, im Fussball ist es vor allem eine Schwäche, seine Schwächen zuzugeben. Aber jede Mannschaft auf der Welt hat welche, und auch wenn wir uns momentan in einer guten Phase befinden, gibt es immer Dinge zu verbessern.
Wie hat sich die Verpflichtung des neuen Trainers Vicente del Bosque auf die Nationalmannschaft ausgewirkt?
Vielleicht hat sich die Arbeitsweise etwas geändert. Jeder Trainer hat seinen Stil, eine bestimmte Strategie und Arbeitsweise im Training. Aber die Gruppe ist dieselbe, und auch das Umfeld ist gleich geblieben, deshalb war es ein ruhiger Übergang. Spanien hat bereits seit einigen Jahren, und nicht erst seit der Europameisterschaft, sehr gute Leistungen gezeigt, wichtige Spiele gewonnen und kaum Niederlagen kassiert. Dies alles hat dazu beigetragen, dass der Trainerwechsel kein so großer Einschnitt war, wie wenn die Dinge schlecht gelaufen wären.
Sie sind neben dem Belgier Wesley Sonck und dem Engländer Wayne Rooney der erfolgreichste Torschütze in der laufenden Qualifikation. Haben Sie sich eine bestimmte Trefferzahl als Ziel gesetzt?
Nein, ich werde weiter versuchen, so viele Tore wie möglich zu erzielen, um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft rechnerisch so früh wie möglich perfekt zu machen. Das ist letztlich das Ziel. Das Wichtigste ist die Teilnahme an der Endrunde. Es ist ein schönes Erlebnis, in der Qualifikation spielen zu dürfen, doch sie ist nichts weiter als eine Zwischenstation. Wenn es am Ende nicht reicht, um sich für die Endrunde zu qualifizieren, dann war es völlig unwichtig, viele Tore zu schießen.
Welches ist das Ziel Spaniens bei der Weltmeisterschaft?
Ich wiederhole mich zwar, aber das Wichtigste ist zunächst, die Qualifikation zu schaffen und bei der WM dabei zu sein. Wir müssen vorsichtig und realistisch sein, denn wir haben das Ticket noch nicht gebucht. Wenn wir so weitermachen wie bisher, stehen die Chancen natürlich sehr gut. Und danach wird Spanien wie so oft zu den Favoriten zählen, und ich hoffe, dass wir es mit der nötigen Bescheidenheit und durch harte Arbeit schaffen, bis ins Finale zu kommen. Als Europameister wird sehr viel mehr von uns erwartet werden, wir müssen unseren Stil beibehalten.
Und den bitteren Nachgeschmack von Deutschland 2006 vergessen machen...
Das ist richtig, denn letztlich blieb im Nachhinein ein sehr schlechtes Gefühl. Ich denke wirklich, dass wir die beste Mannschaft der Gruppenphase waren. Wir hatten im Achtelfinale Pech und trafen auf ein französisches Team, das uns zwar nicht überlegen, aber definitiv effizienter war und uns aus dem Wettbewerb warf. So ist das in einer Endrunde, man muss ausnahmslos immer hochkonzentriert sein. Denn selbst wenn man seine Sache sehr gut gemacht hat, bedeutet ein einziger schlechter Tag oft das Ausscheiden.
Und diese Lektion hatte das Team bei der Europameisterschaft verinnerlicht. Was war der Schlüssel des Erfolgs?
Es gab viele Faktoren. Die harte Arbeit der Mannschaft, den Willen, dieses Ziel zu erreichen, die gute Zusammenarbeit von Trainerstab und Spielern. Spanien hat seine Sache gut gemacht, und wir haben nicht einfach nur gewonnen, sondern sind aufgrund unserer Spielweise ein verdienter Europameister, was auf der ganzen Welt anerkannt wird. Außerdem freuen wir uns sehr darüber, endlich diesen Fluch beendet zu haben, der uns verfolgte. Beim nächsten großen Endrundenturnier werden die Klischees, die uns begleitet haben, verschwunden und die Stimmung in der Nationalmannschaft sehr viel besser sein.
Das Team wurde mit Lob überhäuft. Wie sind Sie mit all diesen Lobeshymnen umgegangen, sowohl auf mannschaftlicher Ebene, wie auch in Ihrem Fall als Torschützenkönig in persönlicher Hinsicht?
Ich sage immer, dass Lobeshymnen einen oft schwächen. Doch in diesem Fall beweisen wir auch nach der Europameisterschaft immer wieder aufs Neue, dass wir mit derselben Lust und Freude spielen. Wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus, sondern arbeiten hart dafür, dass wir weiter Lob ernten. Vor allem sind wir uns der Tatsache sehr bewusst, dass dieses Team noch vor drei Jahren sehr stark kritisiert wurde, und diese Situation möchten wir nicht erneut erleben. Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre so weitermachen.
Das spanische Team ist eine junge Mannschaft, und es kommen immer mehr Talente hinzu, die noch jünger sind. Wer ist für Sie der vielversprechendste junge Spieler?
Er ist zwar kein Versprechen mehr, sondern bereits Realität, aber ich habe eine große Schwäche für Cesc Fábregas. Er ist sehr jung, hat bereits an zwei Endrunden teilgenommen und war sehr wichtig für die Nationalmannschaft. Er wird in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Sie haben Raúl bereits als Nummer sieben und als Torjäger der Nationalmannschaft entthront, wann denken Sie, dass Sie ihn auch als erfolgreichsten Torschützen in der Geschichte ablösen können?
Ich habe niemanden entthront. Ich habe in meinem Klub einfach gute Leistungen gezeigt, und der Nationaltrainer gab mir eine Chance. Das mit der Nummer sieben hat zu vielen überflüssigen Debatten geführt. Ich habe unter den verfügbaren Optionen einfach die Nummer gewählt, die mir am meisten gefällt, das ist alles. Ich wollte keine Debatten. Tatsächlich haben Raúl und ich zusammen in der Nationalmannschaft gespielt. Ich habe niemandem etwas weggenommen. Was die Tore angeht, würde es mich natürlich freuen, wenn ich diese Marke übertreffen könnte, auch wenn das sehr schwierig sein wird. Ich habe bisher 25 Treffer erzielt und er 44 - und er ist noch aktiv! Es wäre ein Traum, so viele Tore zu schießen und der Nationalmannschaft damit helfen zu können, große Erfolge zu feiern. Mich selbst eines fernen Tages in einer dieser Listen zu sehen und dass ein junger Spieler mich übertreffen will, das wäre eine schöne Sache.
Wie haben Sie diese Debatte über Raúl erlebt, die Sie auch direkt betroffen hat?
Mir hat das nie gefallen, denn ich denke, dass sie uns beiden geschadet hat. Als wir zusammen in der Nationalmannschaft waren, haben wir immer ein gutes Verhältnis gehabt, deshalb mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Ich arbeite für mich und nicht gegen einen anderen Spieler. Alles was ich möchte ist, jedes Mal im Aufgebot der Nationalauswahl zu stehen, und sollte ich eines Tages nicht die Nummer sieben wählen dürfen, wäre mir das gleichgültig. Das Wichtigste für mich ist, das Wappen Spaniens zu tragen und so viele Tore wie möglich zu erzielen, so lange meine Beine das erlauben. Für mich geht jedes Mal ein Traum in Erfüllung, wenn ich dieses Trikot überstreifen darf.
Kartenverkauf für die FIFA WM 2010™
Eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft ist ein unvergleichliches Ereignis. Wenn Sie in Südafrika 2010 dabei sein wollen, dann registrieren Sie sich JETZT kostenlos beim FIFA.com-Club, schließlich begann bereits am 20. Februar der Kartenverkauf. Dies ist nur einer von vielen Gründen, Mitglied des FIFA.com-Clubs zu sein, in dem Sie an Managerspielen sowie Tippspielen teilnehmen können und die Chance auf den Gewinn fantastischer Preise erhalten.
![FIFA World Cup [logo]](/img/head/fwclogo.gif)



