Am 28. März startet Kamerun in die letzte Runde der Afrika-Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™. Kameruns Nationalteam um Mittelfeldspieler Achille Emana reist zum Auftakt der dritten und entscheidenden Qualifikationsrunde nach Togo. FIFA.com sprach mit dem Nationalspieler, der seit Beginn der laufenden Saison bei Betis Sevilla unter Vertrag steht.
"Wir dürfen uns keinen einzigen Patzer leisten!" Angesichts der Tatsache, dass nach den sechs noch ausstehenden Qualifikationsspielen definitiv feststehen wird, wer das Ticket nach Südafrika löst, scheint die Botschaft des kamerunischen Nationalspielers, der vor seinem Wechsel nach Spanien sechs Jahre für den FC Toulouse gespielt hatte, durchaus berechtigt. Auch wenn man mittlerweile die buchstäblich in letzter Minute verpasste Qualifikation für Deutschland 2006 abgehakt hat, das Gefühl einer Revanche ist in den Köpfen der Unzähmbaren Löwen noch immer präsent.
"Diese bittere Erfahrung hat uns gezeigt, dass die eigentliche Entscheidung stets auf dem Platz fällt. Daher sind wir im Moment mit unseren Gedanken bei Weitem noch nicht in Südafrika. Auch denken wir noch nicht über die Vorteile nach, die uns die Austragung dieses WM-Turniers auf dem afrikanischen Kontinent im Fall unserer Qualifikation bringen könnte. Im Vordergrund steht derzeit einzig und allein die Sicherung der WM-Qualifikation", so der Mittelfeldakteur, der seine fussballerische Ausbildung einst beim FC Valencia erhalten hatte und unlängst nach einem langjährigen Engagement in Toulouse nach Spanien zurückkehrte.
Unter der Führung des deutschen Trainers Otto Pfister, der 2006 in Deutschland das Nationalteam von Togo betreut hatte, war Kamerun in einer relativ leichten Gruppe (mit Kap Verde, Mauritius und Tansania) nahezu perfekt in die erste Runde der Afrika-Qualifikation gestartet. Einziger Schönheitsfehler war ein torloses Remis in der Auswärtspartie gegen Tansania. In allen übrigen Spielen holte Kamerun die volle Punktzahl, unter anderem beim 5:0-Kantersieg über Mauritius im Oktober 2008. Die Bilanz: 14 erzielte Treffer bei nur zwei Gegentoren.
Mannschaft ohne Schwachpunkte
Die Enttäuschung über die Niederlage gegen Ägypten im Finale des Afrikanischen Nationen-Pokals 2008 in Ghana hat sich mittlerweile gelegt. "Wir waren gezwungen, uns trotz dieser bitteren Niederlage möglichst schnell wieder zu fangen. Wenn man in einem Finale noch so kurz vor Schluss ein Gegentor hinnehmen muss, ist das schon frustrierend. Aber wir haben es verstanden, uns bald wieder aufzuraffen. Für meine Begriffe haben wir in der Vorrunde wirklich sehr gute Spiele gezeigt", so Emana mit einem Unterton in der Stimme, der von der gleichen Robustheit zeugt wie seine Statur.
"Unsere Abwehr wurde kritisiert. Einige Beobachter waren der Meinung, dass sie nicht gut genug gespielt habe. Andererseits war es gerade unserer Hintermannschaft zu verdanken, dass wir so wenige Gegentore kassiert haben. Demnach überwiegen in diesem Team eindeutig die Stärken. Unser Mittelfeld ist solide besetzt, und auch unsere Stürmer versagen nicht und treffen regelmäßig. Wir haben also unsere Qualitäten hinreichend bewiesen. Jetzt ist es an uns, darauf aufzubauen und die gesteckten Ziele zu erreichen", so der vielseitige Mittelfeldspieler, der nach zwei Teilnahmen am Afrikanischen Nationen-Pokal, bei denen er meist auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, bei der jüngsten Turnierauflage in Ghana 2008 zum unumstrittenen Stammspieler in Kameruns Nationalteam avancierte.
Togo in der Rolle des Favoriten
Ob es dem amtierenden afrikanischen Vizemeister gelingt, die letzte Hürde auf dem Weg nach Südafrika 2010 zu meistern, wird zu einem großen Teil von Samuel Eto'o abhängen, mit sechs Treffern Kameruns erfolgreichster Torschütze in der ersten Runde der Afrika-Qualifikation. Der Topstürmer der Löwen gilt in Afrika als Ausnahmeerscheinung, mit dem allenfalls Didier Drogba von der Elfenbeinküste und Emmanuel Adebayor aus Togo Schritt halten können. "Einen Spieler wie Samuel Eto'o in der Mannschaft zu haben, ist ein Glücksfall, denn er ist für uns eine enorm wichtige Offensivkraft. Auch wenn er ein Topstar ist, wir haben damit keinerlei Probleme."
Und dennoch: Einen solchen Weltklasse-Stürmer in den Reihen zu haben, kann mitunter auch zu Unstimmigkeiten in der Mannschaft führen. "Am Beispiel von Togo haben wir gesehen, welche Schwierigkeiten durch einen internationalen Star wie Adebayor entstehen können. Mit ihm bekam die Mannschaft plötzlich Probleme. Das ist durchaus normal. Im Übrigen ist Togo für mich nach wie vor in unserer Gruppe favorisiert, auch wenn wir derzeit auf Platz 14 der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste rangieren."
Auf den Spuren der "großen Generation"
Mit den Brüdern und Routiniers Geremi Njitap und Rigobert Song verfügen die Unzähmbaren Löwen über zwei Führungspersönlichkeiten, die sich hervorragend mit jungen Nachwuchstalenten wie Stéphane Mbia und Alexandre Song ergänzen. Hinzu kommen die mittlerweile ebenfalls erfahrenen Jean II Makoun, Modeste Mbami, Timothée Atouba und natürlich Achille Emana. Überdies ist der Wahlandalusier der Überzeugung, dass sich jede einzelne dieser Spielergenerationen der Verantwortung bewusst ist, die sie als Nationalspieler für ihr Land trägt.
"Egal, welchen Trainer man hat, welche Nationalität dieser besitzt oder mit welcher Mannschaft man in eine Partie geht, das Wichtigste ist in jedem Fall der Stolz, mit dem man das Nationaltrikot seines Landes trägt. Wir sind die Unzähmbaren Löwen, und unsere Vorgänger haben uns den Weg gebahnt, denn sie haben unser Land zu einer führenden Fussballnation in Afrika gemacht. Wir haben dafür zu sorgen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Daher ist es unsere Pflicht, den gleichen Willen an den Tag zu legen wie jene Generation, die vor uns Großes vollbracht hat."
Eine erste Gelegenheit, das zu beweisen, haben Emana und seine Mitspieler bereits am 11. Februar, wenn sie in Vorbereitung der letzten Runde der WM-Qualifikation in einem Freundschaftsspiel auf Guinea treffen.

