FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweiz 1954™

16 Juni - 4 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1954™

Deutschland feiert das "Wunder von Bern"

  • ​West-Deutschland setzte sich im Endspiel gegen Favorit Ungarn durch
  • Das Finale kennt man heute als "Wunder von Bern"
  • In nur 26 Spielen fielen unglaubliche 140 Tore

Vier Jahre nach dem frenetisch gefeierten Turnier im Maracana-Stadion kehrte die Jules-Rimet-Trophäe nach Europa zurück, in die ruhigere Atmosphäre der Schweiz. Auf dem Spielfeld jedoch sollten atemberaubende Partien ausgetragen werden. Dieser 5. Weltpokal wurde unvergesslich wegen seiner sensationell torreichen Spiele und dem Überraschungsweltmeister Deutschland. Es war auch das erste Mal in der Geschichte des Fussballs, dass alle Spieler eine Nummer auf ihrem Trikot trugen.

Die Ungarn waren klarer Turnierfavorit. Die Puskas, Bozsiks, Kocsis und Hidegkutis waren in 28 Spielen in Folge ungeschlagen und darüber hinaus auch Olympiasieger. Aber nach der berüchtigten "Schlacht von Bern" gegen Brasilien, bei der drei Spieler des Feldes verwiesen worden waren und der Kampf anschließend in den Umkleideräumen weiter ging, waren die Ungarn etwas aus der Fassung gebracht.

Im Finale schließlich, in dem man bereits mit 2:0 gegen die in der Vorrunde mit 8:3 vorgeführten Deutschen in Front gelegen hatte, unterlag man mit 2:3.

Das Weltpokal-Turnier von 1954, das in der Schweiz am Fuß der Alpen abgehalten wurde, sollte ein unvergleichlicher Erfolg werden. In den Qualifikationsrunden gab es einen neuen Teilnehmerrekord. So nahm die 1954 gegründete Fussballkonföderation von Asien mit Teams aus Japan und Korea teil und auch Afrika beteiligte sich mit Ägypten an diesem wirklich weltumspannenden Turnier. Sechzehn Mannschaften schließlich nahmen schließlich am Finalturnier teil, drei mehr als in Brasilien vier Jahre zuvor. Südamerika wurde durch Uruguay, Brasilien und Mexiko vertreten, Asienqualifikant war Korea (erstes asiatisches Team war 1938 Niederländisch-Ostindien gewesen), und die Europäer traten mit Österreich, Belgien, der Tschechoslowakei, England, Frankreich, Ungarn, Italien, Schottland, der Schweiz, der Türkei, Deutschland und Jugoslawien an. Die Teilnehmerzahl von 16 Mannschaften sollte bis zur WM 1982 in Spanien konstant bleiben. Sie wurde dort auf 24 erhöht.

Die Qualität des Fußballs in den Spielen in Basel, Bern, Lausanne, Zürich und Genf, den fünf Gastgeberstädten, erreichte 1954 schwindelerregende Höhen. In 26 Spielen erzielte man die unglaubliche Zahl von 140 Treffern, was einem Durchschnitt von 5,38 Toren pro Spiel entspricht. Natürlich ist dies noch die heute gültige Rekordzahl für bei einem Weltpokal-Turnier erzielte Treffer. Unbestrittene Favoriten waren die Ungarn, zwei Jahre zuvor Goldmedaillengewinner und ungeschlagen seit Mai 1950 (31 Spiele mit 27 Siegen und 4 Unentschieden). Von Beginn dieses fünften Weltpokal-Turniers an zeigten die "magischen Magyaren", zu denen Spieler wie Ferenc Puskas, Jozsef Boszik und Sandor Kocsis zählten, ihre Klasse. Sie deklassierten Korea mit 9:0 und fegten auch die Deutschen, die nur mit einer zweiten Garnitur angetreten waren, mit 8:3 vom Platz.

Im Viertelfinale schlug Ungarn Brasilien mit 4:2. Dieses Spiel voller Emotionen wurde auch nach dem Schlusspfiff in den Umkleidekabinen zwischen Spielern, Trainern und Funktionären beider Delegationen schlagkräftig fortgesetzt!

Zwei weitere europäische Teams sorgten ebenfalls für Aufsehen. Zunächst die Schweiz, der es gelang, Italien zu schlagen und die damit dafür sorgte, dass dieses Land die "Schmach" erlitt, bereits in der ersten Runde auszuscheiden. In einem tollen Spiel (5:7 - ein weiteres Rekordergebnis!) unterlagen die Eidgenossen schließlich Österreich.

Als größte Überraschung des Turniers sind jedoch die Deutschen zu nennen, die sich mit viel Selbstvertrauen bis ins Finale vorgekämpft hatten und dort wieder auf die ihnen in der Vorrunde so haushoch überlegenen Ungarn treffen sollten. Die Zuschauer gingen davon aus, dass der Zauber der Ungarn wieder triumphieren würde, und bald sollten die Magyaren auch mit zwei Treffern vorne liegen. Innerhalb von zehn denkwürdigen Minuten kämpften sich jedoch die Deutschen mit zwei Treffern zurück ins Spiel. Doch das sollte noch nicht alles sein. Nachdem die Ungarn kurz zuvor den Pfosten getroffen hatten, erzielte Helmut Rahn nur sechs Minuten vor Spielende den Siegtreffer für Deutschland. Dabei war Gyula Groscis, der ungarische Torhüter, der schon auf dem Weg in die richtige Ecke gewesen war, auf dem nassen Rasen ausgerutscht. Somit wurde an diesem Sonntag, den 4. Juli 1954, das Wankdorf-Stadion in Bern zum Schauplatz einer der größten Überraschungen in der Geschichte des Weltpokals. Für die Deutschen sollte dieser erste WM-Triumph der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte werden.